Das Ende einer spannenden Reise
07.03.2010
Von: Monika Beer ![]()
Preisverleihung Mit dem Abschlusskonzert und einem Empfang in der Konzerthalle wurde am Freitag der Schlusspunkt beim 3. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker gesetzt.

Intendant Wolfgang Fink (links), Gewinner Ainars Rubikis und Chefdirigent Jonathan Nott (rechts) stoßen am Freitag Abend auf den Erfolg des Wettbewerbs an. Fotos: Matthias Hoch
Viel positive Resonanz nach dem Konzert Beim Empfang nach dem Konzert im Hegelsaal nutzte auch Gewinner Rubikis die Gelegenheit für eine kleine Dankrede, die er an erster Stelle an das Orchester richtete. „Wenn ich manchmal, was mir wirklich leid tut, ein bisschen zu scharf war, dann hat das einfach damit zu tun, dass es in der Kunst eben keine Kompromisse gibt: Wenn wir lachen, sollten wir es aus tiefstem Herzen tun, und wenn wir leiden, dann muss es uns wehtun bis in die Knochen.“ Sein zweiter Dank galt der Jury. „Erst gestern sagte Jonathan Nott zu uns Semifinalisten, dass wir nach dieser einen Woche gewissermaßen erwachsen sein würden. Er hatte damit vollkommen Recht, denn bei diesem Wettbewerb habe ich wirklich jeden Tag ein paar riesen Schritte nach vorne gemacht.“ Und ein drittes Dankeschön richtete Ainars Rubikis an alle, „die mit diesem fantastischen Orchester zu tun haben und den Menschen, die hier leben. Ich war schon sehr oft in Deutschland, aber schon in den ersten Tagen habe ich gemerkt, dass ich mich hier ausgesprochen wohl und sehr gut aufgehoben fühle. Das liegt wohl daran, dass mich sogar auf der Straße Leute angelächelt haben – und das hat mich überrascht.“ Umfrage bei Sponsoren, Musikern und Besuchern der Musikbranche Nach dem Konzert gab es viel Zuspruch für den Dirigentenwettbewerb und den 31-jährigen Gewinner Ainars Rubikis aus Riga. Petra Platzgummer-Martin, Vizepräsidentin der Regierung von Oberfranken: „Es war faszinierend, wie die Begeisterung von diesem jungen Dirigenten auch auf das Publikum übergesprungen ist. Ich bin zwar kein Mahler-Spezialist und habe die 4. Symphonie gerade erst zum ersten Mal gehört, aber es war eine facettenreiche Aufführung mit diesen sehr gut herausgearbeiteten, ganz unterschiedlichen Tempi, mit ganz leisen, zarten und den ungeheuer voluminösen Teilen.“ Andreas Starke, Bambergs Oberbürgermeister: „Der Wettbewerb war ein Höhepunkt in diesem Jahr. Alle Teilnehmer haben einen tollen Einstand gegeben, und der Gewinner war wirklich ein Glanzlicht. Wir können stolz darauf sein, dass sich der Wettbewerb in Bamberg so etabliert hat, dass er auch in Zukunft ein Erfolg sein wird.“ Barbara Bode, Solo-Oboistin bei den Symphonikern: „Der Gewinner war für mich eine echte Offenbarung, weil er ein Talent hat, auf allen Ebenen, die es zwischen Dirigent und Orchester gibt, Musik zu zeigen. Er erspürt Nuancen und zeigt sie, er arbeitet an der Balance, an der Dynamik. Und er traut sich, bei einem Orchester, wie wir es sind, einfach reinzustechen und genau die richtigen Stellen zu finden. Das ist so, wie wenn man irgendwo dagegen stößt, und auf einmal ruckelt sich das Bild zurecht und plötzlich stimmt es. “ Helmuth Jungbauer, 1. Vorsitzender der mäzenatischen „Freunde der Bamberger Symphoniker“: „Für uns ist der Wettbewerb von Anfang an das wichtigste Förderprojekt, das wir jeweils mit 150 000 Euro mitfinanzieren. Inzwischen ist es fast eine halbe Million Euro, die die ,Freunde‘ in dieses Projekt gesteckt haben. Und wie man sehen kann, ist das gut angelegtes Geld. Der Wettbewerb ist ein Qualitätssiegel, ein Aushängeschild mit internationaler Ausstrahlung für die Bamberger Symphoniker und trägt erheblich zum Prestige, zur Reputation des Orchesters bei.“ Joel Ethan Fried, Intendant des Concertgebouw Orchesters Amsterdam: „Dieser Wettbewerb ist fantastisch organisiert. Es ist beeindruckend, mit welchem Ernst man das hier macht – mit was für einer guten Jury und mit was für einem Orchester, das wirklich bereitwillig und enthusiastisch mit den jungen Dirigenten arbeitet.“ Ninela Lamaj, aus Albanien stammende Geigerin: „Es ist wichtig für junge Leute, sich hier zu zeigen und mit diesem guten Orchester zu beweisen. Und der Gewinner weiß wirklich, was Kunst ist. Deshalb wünsche ich ihm und den anderen Teilnehmern vor allem eines: Dass sie sich auf die Musik konzentrieren – und nicht auf die Karriere, auf die Kommunikation mit den Managern und Massenmedien. Denn was wir heute im Jahr 2010 vor allem brauchen, sind Menschen, die einfach gut Musik machen.“ Lothar Schacke, Konzertagent aus München und Generalmanager von Herbert Blomstedt: „Ainars Rubikis ist ein sehr großes Talent. Er ist ein optisch etwas zurückhaltender Dirigent, aber das ist nicht verkehrt. Wenn er die richtigen Schritte macht, kann er noch eine schöne Karriere vor sich haben. Paul Maar, Kinderbuchautor und Schöpfer des Sams aus Bamberg: „Ich war von dem Konzert sehr angerührt. Das lag natürlich auch an der ganzen Atmosphäre, dass man wusste, hier ist ein junger Mann, der vielleicht zum ersten Mal eine Mahler-Symphonie mit einem solchen Orchester dirigiert. Ich dachte, o Gott, was wäre, wenn ich da vorne stünde, wie nervös wäre ich da! Und schon deswegen fand ich es bewundernswert, wie souverän er war. Besonders der langsame 3. Satz hat mich begeistert.“ Peter Gartiser, Unternehmensberater und Mitglied im Beirat der Bamberger Symphoniker: „Der Wettbewerb ist wichtig für das Orchester, weil er es ganz natürlich in internationale Märkte transportiert – die Fachwelt guckt dann für eine Zeitlang nach Bamberg. Er ist wichtig für die Stadt, weil damit ein weiterer überregionaler Akzent gesetzt wird. Und er ist wichtig für den gesamten Dirigentenzirkus, weil die Konstruktion dieses Wettbewerbs eine besondere ist. Bei den anderen Wettbewerben wird eine Zeitlang nur mit Korrepetitoren gearbeitet, d.h. die Teilnehmer müssen quasi ein Klavier dirigieren, bis sie in die Endrunde kommen. Das ist hier anders. Also hoffen wir mal, dass das eine richtige Talentschmiede wird. 290 Bewerbungen sprechen ja für sich, 58 Länder auch. Interessant, dass es funktioniert.“ Wolfgang Fink: „Es war eine unglaublich spannende Reise über diese Tage , diese emotionalen Erlebnisse und Erfahrungen hinweg. Wir haben uns nach besten Kräften bemüht – und es waren, glaube ich, gute Kräfte am Wirken - den Richtigen zu finden. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung. Wir haben einen Dirigenten gefunden, von dem ich persönlich überzeugt bin, dass er, wenn er die richtigen nächsten Schritte unternimmt, eine große Karriere vor sich hat. Das ist nicht wenig. Ainars Rubikis macht es sich nicht leicht. Er ist jemand, der einerseits sehr emotional ist, und andererseits sehr genau weiß, was er will, sehr kontrolliert sein kann in seinen Gesten, kein Feuerwerk abbrennt, aber grundehrlich ist. Er kommt ja von der Chortradition her, die in Lettland riesig ist. Das Gesangliche, das er hat, passt natürlich auch sehr gut zu uns. Und ich habe selten soviel Wärme und positive Resonanz aus dem Orchester gespürt. Von daher sind wir rundherum zufrieden.“
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