Bamberg schaut in die Flutlicht-Röhren

16.07.2010   Von: Michael Wehner  inFranken.de

Sportförderung  Seit Mitte der Woche liegen die Flutlichtmasten auf dem Volksparkgelände. Demnächst soll die Anlage montiert werden. Doch die Frage ist, wer etwas von dieser Investition hat. Die Regionalligakicker sind pleite. Und für große Konzerte oder andere Großveranstaltungen ist das Stadion laut Wolfgang Heyder nicht geeignet.


Die Masten der Flutlichtanlage für das Volksparkstadion liegen in Bamberg-Ost auf Halde. 1,2 Millionen kostet die Großinvestition. Doch seit der Insolvenz des FC Eintracht braucht die Anlage kaum jemand wirklich. Foto: MW
Sie sind noch gar nicht aufgebaut und lösen schon einen Fluchtreflex aus: "Neben die Flutlichter stell ich mich net hin." Niemand von den städtischen Mitarbeitern im Stadion wollte sich gestern vor den liegenden Masten der neuen Flutlichtanlage fotografieren lassen, obwohl ihre Ankunft unter anderen Umständen vielleicht sogar gefeiert worden wäre. Die langen Stangen, von denen die größten einen Durchmesser von ca. anderthalb Metern haben, haben vor wenigen Tagen ihren künftigen Einsatzort im Volksparkstadion erreicht. Schon bald sollen die 34 Meter Stahltürme an den vier Eckpunkten der Wettkampfbahn errichtet werden.

Die technischen Daten der 1,2 Millionen Euro teueren streng nach Regionalligaauflagen ausgelegten Anlage sind beeindruckend. Wenn künftig der Hausmeister auf den Knopf drückt und die Anlage hochfährt, dann hat er die Macht, die Nacht zum Tag zu machen. Aus 60 2000-Watt-Strahlern schießt so viel Licht auf die Rasenflächen, dass man dort vermutlich das Gras wachsen sieht.

Einen Makel hat das Prestigeprojekt aber doch: Es gibt seit der Insolvenz des 1. FC-Eintracht nicht allzu viele Gelegenheiten, bei denen in der kommenden Saison so viel Licht an dieser Stelle benötigt wird.

Die Sportler der Leichtathletikgemeinschaft (LG), die seit Jahren im Winter ihre Trainingsläufe im Stadionrund abhalten, brauchen jedenfalls keine 120 000 Watt. "Wir sind in den Jahren vor der Renovierung mit zwei Strahlern ausgekommen, die am Dach der alten Tribüne hingen. Und wenn das neue Flutlicht da ist, werden wir es gewiss nicht anschalten. Wir brauchen Licht, aber es muss nicht glockenhell sein", sagt Carlo Schramm von der LG.

Werden die Bamberger das neue Flutlicht wenigstens bei Länderspielen der Jugendnationalmannschaft oder der Frauen-Fußball-WM anschauen dürfen, wie CSU-Vorsitzender Helmut Müller und Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) neulich Hoffnung machten? Oder werden Superstars im Volksparkstadion auftreten, für die die Jako-Arena zu klein ist? "Keine Chance", sagt einer, der es wissen müsste. Wolfgang Heyder. Der Chef des Bamberger Veranstaltungsservice, erinnert sich an den Versuch, Joe Cocker und Pink ins Bamberger Volksparkstadion zu holen. "Das scheiterte an den Kapazitäten und den Fluchtwegen. Wir hätten mindestens 10000 Besucher gebraucht. Doch mehr als 5000 sind aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Das Stadion ist so, wie es jetzt da steht, für Massenveranstaltungen einfach nicht geeignet."

Unter diesen Voraussetzungen schätzt Heyder auch die Chancen als gering ein, attraktive Fußballländerspiele nach Bamberg zu holen, wenn umliegende Stadien wie zum Beispiel in Bayreuth oder Weismain viel größere Kapazitäten bieten. An dieser grundlegenden Situation habe sich seit der Begegnung des FC Eintracht gegen den FC Bayern am 17. Januar 2009 wenig geändert, ein Spiel, das bekanntlich im letzten Moment nach Weismain verlegt wurde. "Und soll man solche Top-Veranstaltungen nachts anbieten, nur damit das Flutlicht genutzt wird", gibt Heyder zu bedenken.

Eine offizielle Einweihung der Flutlichtmasten gibt es laut Mitteilung der Pressestelle nicht. Erstmals angeschaltet soll die Anlage am 8. Oktober 2010 werden, wenn in der Dunkelheit der Nachfolgeverein des FC Eintracht in der Bayernliga gegen die Bayreuther antritt. Das seltene Ereignis sollte man sich nicht entgehen lassen.

Mehr über die Ankunft der Flutlichtmasten in Bamberg lesen Sie im Fränkischen Tag.



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