"Wie stehen Sie zur ICE-Strecke"
11.02.2012
Ort: Bamberg ![]()
Wahlprüfsteine Bamberg ist eine Bahnstadt der ersten Stunde, doch der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke droht die Stadt zu zerreißen. Welche Chancen und Risiken sehen die OB-Kandidaten mit dem ICE auf die Stadt zurollen?

MW
Wolfgang Grader, GAL
Mit einem klaren "Nein" in die Planfeststellung gehen
Wir müssen alles unternehmen, damit Bamberg nicht überrollt wird. Es kommt einiges an Ungemach auf uns zu. ICE-Haltepunkt ist Bamberg ja schon heute, insofern führt schon seit Jahren eine ICE-Trasse durch unsere Stadt. Neu ist der vierspurige Streckenausbau. Dadurch könnte Bamberg noch besser an die S-Bahn angebunden werden, das wäre immerhin ein handfester Vorteil - leider aber auch der einzige.
Ansonsten werden wir jedoch vor allem Nachteile verzeichnen: Die Durchfahrten von ICEs und vor allem von Güterzügen werden noch schneller, noch lauter und noch belastender sein. Die mit den Ausbauplänen verbundenen Lärmschutzmaßnahmen - es handelt sich um bis zu sechs Meter hohe Mauern - schaden dem Stadtbild und ziehen geradezu eine Mauer quer durch die Stadt. Möglicherweise ist der Weltkulturerbe-Status in Gefahr. Zudem werden Gebäude abgerissen und die Gärtnerfluren samt Grundwasserspiegel beeinträchtigt. Das alles ist wahrlich kein Grund zur Freude.
Deshalb muss die Stadt mit einem klaren "Nein" zu den vorliegenden Plänen in das Planfeststellungsverfahren gehen, die Interessen ihrer Bürger und Bürgerinnen unmissverständlich vertreten und diese zu einer Beteiligung am Verfahren ermuntern. Ich fordere, dass alternative Streckenverläufe geprüft werden, dass man Lärmschutz durch moderne Methoden an Schienen und im Gleisbett direkt einbaut und dass die Durchfahrtsgeschwindigkeit auf ein verträgliches Maß limitiert ist.
Die Stadt muss außerdem dafür kämpfen, dass Bamberg als ICE-Haltepunkt erhalten bleibt, mindestens - so wie jetzt - alle zwei Stunden. Und ganz unabhängig vom Streckenausbau, der, je nach Finanzmittel, erst in einigen Jahren kommt, muss die Stadt sich vehement dafür einsetzen, dass die Deutsche Bahn umgehend und schon jetzt Lärmschutzmaßnahmen umsetzt. Denn die Belastung der umliegenden Wohnhäuser ist bereits heute enorm - und Lärm macht krank! Absolut unvorstellbar ist für mich der von der Stadt geplante Bau einer bahnparallelen Innenstadttangente. Eine 40 Millionen teure Straße entlang der Bahnlinie, die de facto nur eine Entlastung des Berliner Rings darstellt, ist ein verkehrs- und finanzpolitischer Irrsinn.
Gerhard Seitz, CSU, BBB
Die Tunnellösung muss ernsthaft geprüft werden
Seit der Wiedervereinigung wird der Plan verfolgt, die ICE-Verbindung München-Berlin auszubauen. Von diesem Ausbau wird auch Bamberg betroffen sein. Er bietet für unsere Stadt Chancen und Risiken. Bedauerlicherweise ist es in den letzten sechs Jahren versäumt worden, für die anstehenden Baumaßnahmen Rücklagen anzulegen. Stattdessen wurden in dem Zeitraum etwa 30 Millionen Euro an Rücklagen aufgebraucht. Dieses Versäumnis trifft Bamberg nun doppelt. Denn jede Leistung, die über die gesetzlichen Vorgaben im so genannten Eisenbahn-Kreuzungsgesetz hinausgeht, schlägt im städtischen Haushalt voll durch.
Weil der Ausbau der ICE-Strecke entscheidende Weichenstellungen für Bamberg vornehmen wird, werde ich als Oberbürgermeister dafür sorgen, dass die Planungen im Austausch mit den Bürgern - und nicht über deren Köpfe hinweg - entschieden werden. Priorität haben für mich an dieser Stelle vor allem vier Punkte: ein bürgergerechter Lärmschutz, die Durchlässigkeit der Verbindungen nach Bamberg-Ost, die Sicherung eines ICE-Takthaltes und die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes. Die immer wieder geforderte Tunnel-Lösung muss ernsthaft geprüft werden. Volle Transparenz ist hier oberstes Gebot und Mittel gegen Politikverdrossenheit. Mit mir wird es keine sechs Meter hohen Lärmschutzwände in der Stadt geben, ich sehe aber in dem Bahnausbau eine Chance, endlich den von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewünschten Lärmschutz zu verwirklichen.
Um diese Anliegen zu verwirklichen, setze ich auf eine Politik aus einem Guss. Mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn (CSU) werde ich bei Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dafür werben, dass der Ausbau der ICE-Strecke in einer Art und Weise erfolgt, die der Welterbestadt Bamberg entspricht. Mit Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) werde ich alles daran setzen, dass Bamberg als ICE-Takthalt ein Bahnknotenpunkt bleibt - für unsere Wirtschaft, für unsere Studierenden, für den Tourismus. Und mit Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) will ich dafür Sorge tragen, dass das Bamberg "jenseits der Bahnlinie" nicht von der Innenstadt abgehängt wird.
Andreas Starke, SpD, FDP
Die Bahn muss sich nach Bamberg richten
Wir müssen uns gegenüber der Deutsche Bahn durchsetzen, damit stadtverträgliche Lösungen erzielt werden: ICE-Halt in Bamberg, ausreichender Lärmschutz für die Bevölkerung, Rücksichtnahme auf das Welterbe, Respekt vor den historischen Sichtachsen, Gestaltung aller Unterführungen, Schutz des Grundwassers. Besonders wichtig ist für mich, dass die Stadt keine überdimensionale Lärmschutzmauer erhält, die Bamberg in zwei Teile trennt. Wir haben die Bahn überzeugt, uns am 30.November 2011 im Stadtrat über den gegenwärtigen Stand der Voruntersuchungen öffentlich zu berichten. Auf dieser Grundlage erarbeitet die Verwaltung gegenwärtig ein virtuelles Stadtmodell, das eine detaillierte und verständliche 3-D-Präsentation ermöglicht. Noch im ersten Halbjahr 2012 werden wir dazu eine gesonderte Bürgerversammlung in der Konzert- und Kongresshalle organisieren. Alle Anregungen und Bedenken müssen auf den Tisch. Die Bürgerschaft soll nicht nur angehört, sondern tatsächlich beteiligt werden. Ich fordere die Bahn auf, kein Versteckspiel zu betreiben, sondern fair und offen mit der Stadt umzugehen. Die Bahn muss sich nach den Besonderheiten Bambergs richten und nicht umgekehrt. Ganz zentral sind die Belange des Welterbes. Dazu hat der Stadtrat eine "Bamberger Erklärung zum Erhalt des Welterbes" verabschiedet, die wir in den Planungsprozess aktiv einbringen. Der Welterbetitel verleiht uns ein Alleinstellungsmerkmal und ist ein wichtiges Instrument zur Durchsetzung unserer Interessen. Das will ich nutzen. Die Zusammenarbeit mit der Initiative "BahnSinn" verlief bislang sehr konstruktiv und wir sollten auch in Zukunft eng zusammenarbeiten. Wir sind uns im Ziel einig.
Die US-Konversion eröffnet Bamberg neue Chancen, auch bei der ICE-Planung. Es darf keine Denkverbote geben, auch über alternative Trassenführungen muss ernsthaft nachgedacht werden. Außerdem will ich mich dafür einsetzen, dass es bei der S-Bahn einen neuen "Haltepunkt Bamberg-Süd" gibt. Mit leistungsfähigen Verkehrsanbindungen werden wir die Wettbewerbsfähigkeit Bambergs stärken, die umweltfreundliche Mobilität verbessern und die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig fördern.

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Kommentare
Kein feiner Zug
Gut gebrüllt, Herr Starke: Bamberg braucht zwar einen ICE-Halt, aber keinen ICE. Also lassen wir ihn südlich und nordöstlich von Bamberg abzweigen, exportieren den Lärm in bislang vom Schienenverkehr unbehelligte Wohngebiete der Nachbargemeinden Hirschaid, Strullendorf, Litzendorf und Memmelsdorf und vor allem: Wir hauen eine neue mächtige Schneise durch den Hauptsmoorwald.Und die Bamberger liegen Ihnen, Herr Starke, für die glorreiche Idee zu Füßen. Wenn der ICE-Halt dann "Lichteneiche" heißt und dort ein schöner neuer, langer Bahnhof gebaut werden muss: Sei's drum.
Bamberg soll mal schön den ICE und damit verbunden leider auch mehr Güterzüge akzeptieren und sich vor einer Lärmschutzwand nicht scheuen. Die Menschen, die schon lange entlang des Bamberger Schienenstrangs wohnen (müssen), werden sich freuen, weniger Lärm abzubekommen als bisher. Und wenn die Güterzüge gewissermaßen durch einen Schlauch fahren, ist das akustisch absolut kein Schaden.
Und optisch? Wo soll die nur sechs Meter hohe Mauer denn das Stadtbild verschandeln? Von der Altstadt aus wird man sie nicht sehen, vielleicht an einzelnen Stellen vom Michaelsberg aus betrachtet. Aber da fällt eine Mauer mehr im Gewerbe- und Industriebereich Bambergs auch nicht weiter auf (vor allem dem Fremden nicht). Und wo bitte ist denn entlang des Schienenstrangs in Bamberg ein schützenswertes Ortsbild? An der Nürnberger oder Schildstraße, beiderseits des Bahnhofs oder nördlich, am Friedhof vorbei? Die Mauer kaschiert höchstens ein paar weniger gut gelungene Ecken Bambergs! Die Diskussion erinnert fatal an jene, die geführt worden ist, bevor die erste Eisenbahn ins Rollen kam: Die sollte den Menschen damals ja in den Irrsinn treiben. Scheinbar blüht der jetzt erst auf.
Gärtnerviertel
... falls mit dem Gärtnerviertel das Gebiet zwischen Kronacher Straße und Autobahn gemeint ist, muss ich meine Kritiker leider enttäuschen: Warten sie mal ab, was da in den kommenden Monaten alles gebaut wird: Drei Baugenehmigungen sind schon erteilt. So viel zum Thema Grundwasser und Flächenversiegelung. Und weitere Grundstücke stehen kurz vor dem Verkauf. Womöglich stoppt der Abzug der Amerikaner diesen Flächenverbrauch oder reduziert ihn.
Mehr werde ich zu diesem dann auch nicht mehr sagen ...
Dennoch hoffe ich, dass der ICE Halt in Bamberg erhalten bleibt denn es ist auch ein Standortargument für die Region
Achse des Wahnsinns
würden mehr Einflussnehmer in der "Unterstadt", also da draussen wohnen, würde die Sache schon ganz anders aussehen. Der Herr Domreiter wohnt ja scheinbar auch ganz weit weg vom Ort des geplanten Geschehens, sonst wüsste er welches Gärtnerland gemeint ist.
Prinzipiell sollte vielleicht einmal darüber nachgedacht werden, was diese Höher-Schneller-Weiter-ICE-Geschichte denn wirklich für beweisbare Vorteile mit sich bringen würde? Was ist der wirkliche Effekt für einen Verkehrsbetreiber, der auf der Kurzstrecke seinen Gewinn erzielt und nicht auf hirngespinstigen Schnellbahnstrecken. Die immer wieder zitierten Zeitvorteile auf der Strecke München - Berlin, und anderen sind doch mehr als fragwürdig. Wieviel Fahrgäste zählt man denn auf diesen Gesamtdistanzen? Entscheidungsträger werden künftig auch auf das Flugzeug setzen. Schon aus Prestigegründen. Der ICE hält in Bamberg doch eh´ schon. Wieviel Minuten kostet dem Zug die bisherige Strecke? Werden die Güterzüge wirklich mehr, bzw. leiser durch eine neue Trasse? Denke es liegt mehr an den Radreifen und da sollte sich die Bahn vielleicht mal mit der Firma Lucchini auseinandersetzen. Ein so ausgerüsteter Triebwagen ist auf einer herkömmlichen Bahnstrecke, bei üblicher Verkehrsgeräuschkulisse kaum wahrnehmbar. Ich würde mir in dieser Sache eine beweisbare Diskussion wünschen und keine der üblichen Gemeinplatzschlachten in der "Vorteile für die Stadt", "Entwicklung des Raumes", "Arbeitsplatzsicherung", und all die sonst ins Feld geführten Floskeln auch einmal stichhaltigen Argumenten standhalten und bewiesen werden. Aber wie schon erwähnt worden ist ja Wahlkampf. Da opponiert es sich leicht. Und festlegen will sich da auch keiner.
Erbärmlich. Bin schon gespannt, wie sich die Bürger im Oberen Maintal freuen werden, wenn ihr schöner Gottesgarten von dem Superzug tranchiert wird.
@derBamberger
dann bitte erklären Sie mir, welches Gebiet gemeint ist. Ich höre gerne zu, denn ich weiß auch nicht alles.
Jetzt fällt´s mir auf und ein ...
... es ist eben mal wieder Wahlk(r)ampfzeit ...
... Sichtachse ...
... LEUT ... wenn ich das alles so lese, dann wünsche ich manchem auch erst mal eine "aktuell Sichtachse für´s Hirn" für einen klaren Blick auf die Realität.
Ich weiß nur eins, wenn es nur solche "Entscheider" in der Evolution der Menschheit gegeben hätte, dann hätten wir jetzt noch (im besten Falle) Felle an unseren Höhlen, die wir bewohnen.
Veränderung bedeutet auch immer Chance.
Mann, mann, mann ... Ich kann´s echt bald nicht mehr lesen. Und auch in Sachen Gärtnerviertel ... wo bitte wird das Gärtnerviertel berührt? Es ist hoffentlich nicht das Gebiet an der Kronacher Straße gemeint ...
Chance für was?
Veränderung bedeutet immer Chance - okay, aber für was bitte schön hier in Bamberg? Nichts, rein gar nichts wird sich zum besseren verändern, im Gegenteil, wahrscheinlich wird Bamberg einige ICE-Halte verlieren zugunsten von Lichtenfels, wie es ja heute schon der Fall ist und die Güterzüge nun ja, die können auch auf andere Weise leiser werden.
Und das Gärtnerviertel wird durch die Grundwasserneuverteilung betroffen sein. Die neue und vor allem breitere Streckenführung wird natürlich auf versiegelten Flächen usw. gebaut, d. h. der natürliche Fluß des Grundwassers wird sehr beeinträchtigt werden und dann wird es in den umliegenden Gebieten höhere Grundwasserspiegel geben usw.
Es gibt nichts, aber auch gar nichts gutes an diesem Projekt. Leider fällt das den Leuten erst jetzt ein und nicht schon vor 20 Jahren. Und ich möchte keine Mauer in Bamberg haben, nur weil da lärmende Züge rumfahren, ich möchte leisere Züge.
Chance?
"Veränderung bedeutet immer auch Chance" ist genau so ein Terminus, wie ich ihn in meinem Posting angesprochen habe.
Das ist reinstes Bullshit.Bingo. Heiße Luft. Sonst nix.
Fakten sollen diskutiert werden, falls die Politik sich das überhaupt noch zu trauen in der Lage ist.
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