Spannungsfeld Ökostrom
28.08.2011
Ort: Bad Kissingen ![]()
Biosphärenreservat Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann (CSU) traf den Nagel auf den Kopf: Die Nutzung regenerativer Energien in der Rhön sei "ein wichtiges Thema". Darüber bestand bei der Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Biosphärenreservates Konsens.

Habermann sagte, die erste Frage müsse lauten, wie können wir Energie sparen und wie bestehende Anlagen effizienter nutzen. Es dürfe nicht primäres Ziel sein, Konzepte zu erstellen, welche Anlagen wo errichtet werden sollen. Nach einem Beschluss des Ministerrats soll die Nutzung von Windenergie in Landschaftsschutzgebieten grundsätzlich nicht ausgeschlossen sein. Es sei aber jeder Einzelfall "sensibel" zu überprüfen.
Nach dem Entwurf des neuen Regionalplans wären alleine im Bereich Main-Rhön rund 1200 "Propeller" möglich. Dazu sagte Eckhard Jedicke (Verein Rhön Natur), auf dem größten Teil der Biosphärenfläche - zum Beispiel in den Entwicklungszonen - könne Öko-Strom erzeugt werden. Hier bestehe noch sehr viel Nachholbedarf.
Über den eigenen Bedarf hinaus
Diestel verlangte, Konzepte für eine nachhaltige Ökologie zu entwickeln. Man brauche nicht nur eine 100-prozentige Energieversorgung der Region, sondern sollte so viel Ökostrom erzeugen, dass auch die nahen Industriestädte versorgt werden können. Also 400 bis 800 Prozent des eigenen Bedarfs. Er erntete Widerspruch aus dem Plenum: Die Rhön sei kein Land, das mit Anlagen "zugepflastert" werden dürfe, hieß es.
Diestel hatte von einer historischen Chance für Region und Biosphäre gesprochen. Entsprechend sei zu handeln. Beim Ausbau der regenerativen Energien verwies er auf Großbardorf. Dort wird nach dem Raiffeisen-Gedanken - Einer für alle, alle für Einen - gehandelt: Man gründet Genossenschaften. Jeder Bauer beteiligt sich mit überschaubaren Summen an unterschiedlichen Projekten anderer Landwirte. Das Geld des Dorfes bleibe somit im Dorf. Es müsse das Ziel sein, "das uns inne wohnende Potenzial selbst zu nutzen". Ein Ausverkauf dürfe nicht stattfinden, die geeigneten Standorte seien nicht vermehrbar: "Was weg ist, ist weg".
Negative Auswirkungen?
Noch gibt es relativ wenige Biogasanlagen. Aber schon jetzt erwarten Kritiker negative Auswirkungen auf die Landschaft der Rhön durch den zunehmenden Anbau von Mais. Dem Land der offenen Fernen drohe eine "Vermaisung". Das habe negative Auswirkungen auf den Tourismus und die Artenvielfalt, so auch Jedicke. Er befürchtet Strukturverarmung, Bodenerosion und ein Sortensterben, wenn es nicht zu einer bewussten Steuerung komme.
Für den Geschäftsführer der Tourismus GmbH Bayerische Rhön, Michael Pfaff, kollidieren Fremdenverkehr und Biosphärenreservat nicht. Im Gegenteil sei das ein Alleinstellungsmerkmal und ein Verkaufsargument. Gemeinsam mit den Naturschützern habe man 1000 Kilometer Mountainbike-Wege ausgeschildert. Das sei einmalig.
Laut Bad Kissingens Vize-Landrat Emil Müller (CSU) ist man mit der Biosphäre auf dem richtigen Weg. Die Rhön müsse sich aber weiter profilieren. ed
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Kommentare
Teilweise ist´s auch eine Sauerei
Bei uns am Dorfrand gibt es neben den Maisfeldern mehrere Rapsfelder, die jetzt nach nochmaliger Blütezeit im Juli diese Tage abgeerntet wurden. Seit Wochen strömt ein dermaßen ekliger fauliger Geruch von diesen Feldern aus, dass einem regelrecht schlecht wird. Und die Bauern brauchen nicht jammern, die großen Schlepper zeugen von gutem Einkommen.
Kritik an Maisanbau
"Mais wird in Monokulturen als Energiepflanze angebaut mit den Folgen, dass die Artenvielfalt zerstört wird, Kleinlebewesen in Boden und Gewässern absterben sowie Bodenstrukturen durch fehlende Fruchtfolgen veröden... Das EEG mit 20-jähriger gesicherter Förderung löste einen Boom bei der Errichtung von Biogasanlagen aus. Die Anlagen werden immer größer. Investorengesellschaften und Fonds haben den Markt entdeckt, schnelle Amortisation und höchstmöglicher Profit bestimmen die Praxis mit all ihren negativen Folgen für Natur und Umwelt." Vgl. www.terra-human.de
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