Mit 60 Jahren voller Tatendrang durchstarten

14.03.2011   Ort: Aschach  Von: A. Luga-Braun  Saale-Zeitung

Neuer Schlosswirt  Zu Beginn der Museumssaison hat der Bezirk Unterfranken für die Gastronomie einen neuen Pächter: Rainer Ernst übernimmt das Restaurant und Café "Zum Schlosswirt." Seine Frau Franziska sen. und seine Tochter Franziska jun. unterstützen ihn.


Mit Tatendrang, Leidenschaft und Euphorie wird Rainer Ernst ab 1. April als Pächter des Bezirks Unterfranken zu Beginn der Museumssaison die Gastronomie auf Schloss Aschach übernehmen.
"So richtig rausgekommen bin ich ja nicht, und habe trotzdem eine Menge erlebt." Rainer Ernst schaut aus dem geöffneten Fenster in den sonnigen Innenhof von Schloss Aschach. An dem Zweiertisch, dem einzigen Plätzchen, das derzeit nicht nach Baustelle riecht, denkt er einen Moment zurück an sein bisheriges berufliches Wirken, und dabei strahlt der frisch gebackene 60-Jährige. Man spürt, dass es von ganz innen kommt. Seine neue Wirkungsstätte passt zu ihm. "Zum Schlosswirt" nennt er sie und wird das "Restaurant und Café" am Freitag, 1. April, eröffnen, pünktlich zum Beginn der Museums saison.
In der Person von Rainer Ernst hat sich der Bezirk Unterfranken einen renommierten Gastronomen und Koch ins Schloss geholt, einen, der vor einiger Zeit gegenüber unserer Zeitung gesagt hatte, "nie mehr selbstständig" sein zu wollen. Woher der Sinneswandel? Warum startet er, nachdem er ein halbes Jahr angestellter Küchenchef war, mit 60 Jahren noch einmal als Selbstständiger durch?
"Im Grunde ist der Entschluss aus der Not geboren", sagt Rainer Ernst. Aber der Schalk in seinen Augen verrät, dass er Freude an seiner Entscheidung hat. In über 30 Jahren Selbstständigkeit hat er sich einen guten Ruf in der Gastronomie erworben. Er war "Hüttenwirt" in der Rhön, in den 80er und 90er Jahren Pächter des Klaushofs, den er von seinen Eltern übernommen hatte, und knapp acht Jahre lang "lebte" er seinen Lebenstraum "Salinenblick." Diesen platzmäßig vielleicht größten Gastronomiebetrieb in Bad Kissingen, in den er drei Millionen Euro investiert hatte, musste er am Ende verkaufen - "das schmerzliche Eingeständnis einer Niederlage", sagte er damals, aber auch Befreiung von einer großen Last. Denn mit dem Verkauf hatte er nicht zuletzt die Konsequenz aus den Folgen seines vorausgegangenen Autounfalls gezogen, sich seiner Nachfolgersorgen entledigt.
Mittlerweile fühlt sich Ernst gesundheitlich wieder komplett hergestellt und stark und leistungsfähig genug für diesen Neustart. Zumal er flankiert wird von zwei starken Frauen - Gemahlin Franziska sen. und Tochter Franziska jun. "Ich selber gebe mir noch zehn Jahre im Beruf", sagt er, und: "Das Restaurant und Café Zum Schlosswirt ist zugleich eine Investition in die Zukunft der Kinder."
Das sind ganz neue Töne von Rainer Ernst, dessen Sprößlinge die Nachfolge im Salinenblick nicht hatten antreten wollen. Sohn Ingolf, wenngleich Koch, wollte nicht selbstständig sein, und Tochter Franziska, Restaurantfachfrau und Mutter zweier Kinder, konnte nur stundenweise aushelfen. "Jetzt ist sie mit Begeisterung dabei", wolle ihre ganze Kraft in die neue Aufgabe einbringen, erzählt der Papa stolz und schließt nicht aus, dass auch der Sohn eines Tages aus dem Norden einen Einkehrschwung ins Fränkische macht.
"Die Aufgabe ist für uns 'Schlosswirte' überschaubar", sagt Ernst, die die kleine Unternehmergesellschaft (UG) Ernst reizt. Der Bezirk Unterfranken investiert in eine neue Theken- und Schankanlage, so dass es frisch gezapftes Bier statt solches aus der Flasche geben wird. In der Küche steht ein neuer Gasherd, "mein Wunsch", sagt der Küchenchef, dankbar für vielerlei Unterstützung vom Bezirk. Er möchte am liebsten gleich loslegen für die Gäste auf den 80 Innen- und bis zu 100 Außenplätzen. Noch aber wird gestrichen und gewerkelt, geschliffen, gereinigt und poliert.
Sein Konzept für den Gastronomiebetrieb hat auch in Würzburg überzeugt. Rainer Ernst dokumentiert mit der Umbenennung "Restaurant und Café Zum Schlosswirt", dass er den Schwerpunkt im Restaurantbetrieb sieht. Zugleich wird er alle Möglichkeiten nutzen, mit einer Konditorin frische Patisserie und Kuchen herzustellen, die im Sommer auch auf der Schlossterrasse und auf der Altane serviert werden. Sehr froh ist er, dass der "kleine Salon" im ersten Geschoss für Familien- und sonstige -feste und Zusammenkünfte bereit steht. Als leidenschaftlicher "Handwerker" der Kochkunst will Ernst sich der regionalen, frischen, qualitativ hochwertigen Küche verschreiben, ergänzt durch Spezialitätenwochen zu Themen wie Fisch, Wild, Spargel und anderem mehr. Dazu gehört auch der freundliche Service mit Stammpersonal, zumal viele frühere Mitarbeiter/-innen ihm die Treue halten. Aus guten Gründen: "Wir haben miteinander gelacht, gefeiert, gegessen und geweint", sagt Rainer Ernst in Erinnerung an das Miteinander, und so menschlich möchte er es auch beim "Schlosswirt" halten.
Wie in früheren Jahren, will er auch sein neues Restaurant - außer montags - von 11 Uhr bis 22 Uhr öffnen und eine Adresse sein für Einheimische, Museumsbesucher und Gäste, Wanderer und Radler, Schleckermäulchen und Freunde des Deftigen. Seine Weinkarte wird "nur noch" etwa 80 Weine beinhalten, darunter viele Franken. Den IHK-Gremialausschussvorsitz wird Ernst abgeben wegen seiner neue Aufgabe. Viel Arbeit liegt bis zur Eröffnung vor ihm. Aber die Zukunft für Familie Ernst hat begonnen.



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