Nicht alle Angebote sind übertragbar

24.01.2012   Ort: Volkersberg  Von: Ralf Ruppert  Saale-Zeitung

Lernwerk Leiterin Martina Reinwald zieht ein Jahr nach der Zusammenlegung der Landvolkshochschulen eine gemischte Bilanz.


Unter Anleitung von Udo Albrecht (Mitte) trainierten Daniel Alt aus Bad Brückenau und Christine Rößlein-Göb aus Volkach gestern eine Gesprächssituation, die Auswertung erfolgte per Video-Analyse. Fotos: Ralf Ruppert
Daniel Alt aus Bad Brückenau nimmt seit Montag an einem Rhetorik-Basiskurs auf dem Volkersberg teil: "Man fühlt sich einfach wohl, es ist alles unkompliziert hier", lautete seine Bilanz nach dem ersten Tag. Der Immobilien-Makler ist durch die Zeitung "Bergwerk" auf die neuen Kurse des "Lernwerks" aufmerksam geworden: "Ich möchte im Kundengespräch und bei meiner Arbeit im Forum mehr Sicherheit bekommen", formuliert der 37-Jährige ein Ziel des Kurses. Und: "Ich habe schon viel mitgenommen", kann er seinen ersten Kurs im Lernwerk nur weiterempfehlen.
Mit im Seminar ist auch Christine Rößlein-Göb aus Volkach. Die 42-Jährige ist zwar ebenfalls zum ersten Mal auf dem Volkersberg, hat aber bereits Seminare in der früheren Partner-Landvolkshochschule in Münsterschwarzach besucht. "Eine Teilnehmerin hat mir davon erzählt", kam sie über Mundpropaganda auf das Angebot zur Persönlichkeitsentwicklung. "Der Kurs ist sehr praktisch orientiert", lobt sie das Konzept und hofft auf Impulse für ihre Arbeit als stellvertretende Stationsleiterin: "Da wird Rede-Gewandtheit gebraucht."
Udo Albrecht ist einer der Referenten, der sein Kurs-Angebot von Münsterschwarzach auf den Volkersberg übertargen hat: "Am Anfang war ich ein bisschen traurig", blickt er auf die Schließung der Landvolkshochschule Klaus von Flüe zurück, aber: "Der Übergang ist aus meiner Sicht sehr gut gelungen." Der ehemalige Telekom-Pressesprecher hält seit 20 Jahren Kurse im Bereich Kommunikation, seit zehn Jahren an der Landvolkshochschule. "Ich weine Münsterschwarzach keine Träne nach", fühlt sich der 55-jährige Schweinfurter auf dem Volkersberg sehr wohl: "Es ist gelungen, das Angebot hierher zu übertragen."
Das ist aber nicht immer so: "Die Inhalte, die in einem Haus gut gelaufen sind, lassen sich nicht einfach 90 Kilometer verpflanzen", ist eine Erkenntnis von Lernwerk-Leiterin Martina Reinwald. Und: "Es ist ein schwieriges Geschäft, die Seminare von Münsterschwarzach hier zu etablieren."
Das lässt sich auch an Zahlen fest machen: 2009 gab es in Münsterschwarzach noch 87 Kurse mit insgesamt 1136 Teilnehmern und auf dem Volkersberg 77 mit 1552 Teilnehmern. 2010 war dann das letzte Jahr in Münsterschwarzach: Bis zur Schließung Anfang Dezember besuchten 1112 Menschen die 67 Kurse. Auf dem Volkersberg kamen 1458 Teilnehmer bei 60 Kursen dazu.
Das erste Jahr mit nur einer Katholischen Landvolkshochschule in der Diözese blieb auch deshalb weit hinter diesen Zahlen zurück, weil es erst nach der Renovierung im März weiterging. 1279 Menschen haben insgesamt 66 Kurse auf dem Volkersberg besucht. Das entspricht rund 18 Prozent weniger Teilnehmern auf dem Volkersberg und insgesamt etwa einer Halbierung der Teilnehmerzahlen. "Da hätte ich mir mehr erhofft", gibt Martina Reinwald zu, dass sie auf mindestens 80 Kurse kommen wollte. Dieses Ziel peilt sie auch für heuer an - trotz einiger Engpässe bei den Referenten.
"Sehr zufrieden bin ich mit dem Gesamtauftritt", freut sich Martina Reinwald aber auf die neuen Inhalte und die umgebauten Räume: "Wir kriegen immer wieder die Rückmeldung, dass das alles sehr ansprechend ist", sei auch die resonanz gut. Nur durch die neue Einrichtung hätten auch die Kurse aus Münsterschwarzach auf dem Volkersberg angeboten werden können, denn: "Die Zimmer waren einfach abgewohnt."
Neue Inhalte brauche das Lernwerk Volkersberg auch deshalb, weil der frühere Schwerpunkt, ein- und mehrtägige Frauenseminare, immer mehr zurückgehe: Bisherige Stammgäste würden zum Teil aus Altersgründen nicht mehr kommen, zum Teil seien Frauen aber auch auf dem Land immer öfter berufstätig oder in die Familienbetreuung eingebunden. Zeit für die "Drei Tage für mich" zu religiösen Themen, mit Körperarbeit oder unter künstlerischen Aspekten bleibe da oft nicht mehr. Groß im Kommen sei dagegen die Persönlichkeitsentwicklung: Führungskräfte oder auch ehrenamtliche Vereinsvorstände würden sich immer öfter weiterqualifizieren, um in Beruf und Freizeit selbstbewusster auftreten zu können.



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