Krippenplätze sind sehr gefragt

08.02.2012   Ort: Gauaschach  Von: Markus Reeh  Saale-Zeitung

Familie Claudia Schönfelder ist froh, dass es in der "Pusteblume" eine Krippe gibt. So kann die Bäckereifachverkäuferin wieder arbeiten gehen. "Mit acht Monaten ist unsere Sarah in die Krippe gekommen, und es gab bislang keine Probleme", berichtet die 28-Jährige. Sarah hat mit den anderen Kindern "gleich supertoll gespielt", und so musste ihre Mama in der Eingewöhnungsphase auch gar nicht lange da bleiben.


Erzieherin Kerstin Geiger (links) und ihre Kollegin Claudia Kistner-Zink (Mitte) kümmern sich im Krippenbereich der Gauaschacher Kindertagesstätte "Pusteblume" unter anderem um Amelie, Isabel und Ronja (von links). Foto: Markus Reeh
Claudia Schönfelder lobt das Engagement der Erzieherinnen, bei denen sie ihre Kleine gut aufgehoben weiß: "Sie kümmern sich ganz toll um die Kinder."
Die junge Mutter glaubt auch, dass die Nachfrage nach Krippenplätzen weiter steigen und hoch bleiben wird, zumal die Elternzeit von drei auf ein Jahr verkürzt wurde. "Ein Kind mit einem Jahr in die Krippe zu geben, ist auch völlig in Ordnung", verweist sie auf ihre guten Erfahrungen. Kindergartenleiterin Sabine Burzer bestätigt die große Nachfrage nach Krippenplätzen. Von den zwölf Plätzen, die vor anderthalb Jahren eingerichtet wurden, sind derzeit elf belegt. "Immer mehr Mütter müssen oder wollen schnell wieder arbeiten gehen", weiß sie aus Gesprächen. Zum einen spielten finanzielle Gründe eine Rolle, zum anderen die Sorge um den Arbeitsplatz. "Vor kurzem erst hat mir eine Mutter erzählt, dass ihr Chef von ihr wissen wollte, ob sie nicht bald wieder kommt", berichtet sie vom Drängen eines Arbeitgebers.

Altersgerechte Einrichtung


Die "Pusteblume" bietet für Krippenkinder ideale Betreuungsmöglichkeiten. Im Zuge der Generalsanierung 2011 wurden die räumlichen Bedingungen geschaffen und auch viel Geld in eine moderne, altersgerechte Ausstattung investiert. So haben die bis Dreijährigen noch kleinere Stühle und Tische als die älteren Kinder, auch die Spielgeräte fallen eine Nummer kleiner aus.
Zudem gilt für die Einrichtung der höchstmögliche Sicherheitsstandard, damit die Sprösslinge sich nicht verletzen können. Zur Krippe gehört auch ein separater Sanitärbereich mit Toiletten, Duschen und einem Wickeltisch. Darüber hinaus gibt es einen extra Ruhebereich mit kleinen Betten und Matratzen, wo die Mädchen und Jungen schlafen können.
Theoretisch können die Kinder schon ab einem Alter von acht Wochen in der Krippe aufgenommen werden, so sieht es der Gesetzgeber vor. In Gauaschach ist Sarah, die mittlerweile ein Jahr alt ist, aber momentan noch die jüngste Besucherin. "Wir bieten eine Eingewöhnungsphase an, in der Mütter oder auch Väter ein bis zwei Stunden bei ihren Kindern bleiben können, bevor sie gehen", erläutert Sabine Burzer.
Wie lange die Eingewöhnungsphase dauert, ist individuell von Kind zu Kind verschieden. Nach einem zweiwöchigen Test verständigt sich die Erzieherin mit den Eltern.
Niemand müsse sich Sorgen machen, dass die Kinder unter der zeitweiligen Trennung von ihrer Mutter leiden müssten, versichert Burzer: "Sie bekommen auch hier Zuwendung, Wärme, Nähe und Zärtlichkeit." Eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin kümmern sich speziell um die Kleinen.
Zum Spielen haben Krippen- und Kindergartenkinder drinnen und draußen separate Bereiche, zum Essen gehen sie gemeinsam, wobei die Jüngsten bei Bedarf gefüttert werden. "Das Miteinander funktioniert gut, die Älteren sind sehr rücksichtsvoll", betont die Kita-Leiterin.
Im neuen Jahr wechseln fünf Kinder aus der Krippe in den Regelbereich, in die Gruppe der Drei- bis Sechsjährigen. Doch ihre Plätze bleiben nicht unbesetzt. "Ich habe jetzt schon einige Voranfragen für die Krippe, mehr als für den Kindergarten", berichtet Sabine Burzer.
Die Mädchen und Jungen kommen nicht nur aus Gau-aschach in die "Pusteblume", sondern auch aus Hammelburg (Stadt und Lager), Arnstein und Wasserlosen. Der Regelbereich verfügt über 25 Plätze, von denen 17 belegt sind. Die Kindergartenleitung würde sich daher über das Interesse weiterer Eltern freuen.
Eine Besonderheit der Einrichtung ist das pädagogische Konzept, das sich an die Lehre von Maria Montessori anlehnt. "Hierbei lernen die Kinder, sich ihr Wissen und Können selbst anzueignen", erläutert Burzer. So werden die Zöglinge zum Beispiel mit einer Serie von Bildern dazu angeleitet, bestimmte Aufgaben Schritt für Schritt zu lösen. Hierfür gibt es auch einen besonderen Raum: die Könner-Kiste.


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1  Kommentare  
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freiepresse - 08.02.2012 19:15    (0)   
 

Fehlendes Kiga-Gesamtkonzept
Das sehr frühe Weggeben eines Kindes (im Alter von acht Monaten) in eine Kinderkrippe sollte nicht zum "Normalfall" erklärt und beschönigt werden. - In Gauaschach geht es wohl eher darum, dass 2010 für sehr viel Geld sechs neue Krippenplätze geschaffen wurden, die nun, um kein finanzielles Defizit einzufahren, "gefüllt" werden müssen. Gauaschach selbst ist von einem massiven demografischen Wandel betroffen (Rückgang der Geburtenrate; Wegzug von jungen Erwachsenen aus Arbeitsplatzgründen) und kann die nötige Anzahl an Krippenkindern nicht aufbringen. Stadt und kirchliche Kindergartenträger haben es 2010 versäumt, ein Kiga-Gesamtkonzept für alle Ortsteile zu entwickeln. Den 2010 auf die Schnelle durchgezogenen Krippenausbau in Gauaschach (für sehr viel Geld aus dem Konjunkturpaket II) hätte man sich sparen können, weil es im Ort selbst die entsprechende Anzahl von Krippenkindern nicht mehr gibt. Wer aber fährt von Hammelburg täglich sein Kind nach Gauaschach und zurück, wenn in Hammelburg 2012 Krippenplätze ausgebaut werden? Dem Stadtrat fehlt bis heute ein Gesamtkonzept für die acht Kindertagesstätten.

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