"Ein Spiel mit dem Feuer"
06.02.2012
Ort: Bad Kissingen ![]()
Drogenmissbrauch Bundespolitiker der Linken und der Piraten fordern die Liberalisierung von "weichen" Drogen wie Haschisch und Marihuana. Denn Alkohol und Nikotin seien weitaus tödlicher. Fachleute widersprechen allerdings heftig.
Für Lars H. war Haschisch die Einstiegsdroge. Er kam erstmals als 13-Jähriger damit in Kontakt und seither nicht mehr davon los. Das sieht man ihm auch an: Er wirkt immer etwas schläfrig, hat übergroße Pupillen.
H. hat schwere Zeiten hinter sich. Die Spirale nach unten hat sich immer schneller gedreht. Erst Cannabis, dann Partydrogen, dann Heroin. 50 bis 60 Euro hat er - täglich - für Stoff gebraucht; oder auch mehr. Dann hat er erkannt, "dass es so nicht weitergehen kann". Er hatte seine echten Freunde verloren, der Job war weg, die Familie wandte sich von ihm ab. Dazu kam "Stress mit der Polizei".
Er zog die Reißleine. Nach einer Verurteilung zu einem Jahr mit Bewährung (unter anderem wegen Beschaffungskriminalität), schmerzhaften Entzügen und monatelanger stationärer Therapie ist es ihm endlich gelungen, vom Heroin weg zu kommen. Der "Ersatzstoff" Methadon hilft ihm dabei. Das Kiffen aber geht weiter: "Klar."
"Wenn ich andere Freunde gehabt hätte, wäre es nicht soweit gekommen", hat H. erkannt.
Dennoch ist er für eine Freigabe mit der Begründung, viele klauten, um sich Drogen kaufen zu können. Er verbindet das mit dem Appell, die Finger vom Rauschgift zu lassen.
Je früher, desto schlimmer
Christian Fenn ist gegen die Freigabe von Haschisch, Marihuana, Extasy. Der Sozialpädagoge ist seit 1998 Streetworker bei der Bad Kissinger Drogenhilfe Kidro. Er weiß, wovon er spricht. Würde man Rauschgift liberalisierten, würde das suggerieren, dass diese Drogen "harmlos" sind. Das sei ein "Spiel mit dem Feuer". Er hat zu mehr als 200 Konsumenten regelmäßig Kontakt, trifft etwa ein Dutzend pro Tag. Er kennt die Probleme, mit denen seine Klienten zu kämpfen haben: "Es kommt nichts mehr im Kopf an". Sie haben null Bock auf nichts, manche lügen sich die Welt zurecht. Viele redeten sich ein, krank zu sein: "Da wird jeder 'Huster' zum Argument, im Bett zu bleiben". Auch Cannabis oder Marihuana - "viele verharmlosen es total" - könne "das Gehirn extrem kaputt machen". Je früher man mit dem Konsum beginne, desto schlimmer. Manche Süchtige seien wie Kinder, viele Entwicklungsschritte seien an ihnen schlicht vorbei gegangen.
Keine neuen Probleme schaffen
Fenn will auch nicht gelten lassen, dass Drogenmissbrauch keine Folgen habe. Es könne ja sein, dass Menschen damit zurecht kommen, "aber das ist nicht der Regelfall", weiß er.
Das Thema sei schon immer kontrovers diskutiert worden, sagt Stefan Haschke, der Chef der Bad Kissinger Polizei und Vater dreier Jungs. Er habe da eine "ganz eindeutige Position": Keine Freigabe. Schon jetzt gebe es größte Probleme mit Alkohol. Weitere Schwierigkeiten mit anderen Drogen sollte man "sich nicht ohne Not einhandeln". Er sei auch froh, dass die Grenzziehung schon bei Cannabis greife und nicht erst bei Heroin.
Haschke sagt, schon heute könne der Staatsanwalt beim Eigenkonsum "weicher" Drogen bei Erwachsenen von einer Strafverfolgung absehen. Das sei - als Auflage - oft mit einer erzieherischen Maßnahme verbunden. Und: "Wir sorgen auch dafür, dass 'Gestrauchelte' Beratungsangebote annehmen."
"Ich halte eine Freigabe nicht für gut, weil ich die Beobachtung gemacht habe, dass bei langjähriger Gewöhnung bei vielen ein 'Wurstigkeitsgefühl' entsteht." Matthias Göbhardt ist Richter und hat öfters mit Junkies zu tun. Der innere Antrieb lasse bei vielen nach, es gebe "eine Gleichgültigkeit, für den Lebensunterhalt zu sorgen". Es komme zu Verwahrlosung.
Germut Schneeberger, Chef des Gesundheitsamts, spricht von einer ernsten Frage, die die Politik zu entscheiden habe. Er persönlich sei "kein Verfechter der Legalisierung. "Wir haben schon genug Drogenprobleme zum Beispiel mit Alkohol." Er warnte nachdrücklich vor den schweren gesundheitlichen Problemen, die durch Rauschgiftkonsum entstehen könnten.
"Auf dem Verbot beharren"
"Überhaupt nichts" hält Eduard Lintner von der Freigabe "weicher" Drogen. Der CSU-Politiker war von 1992 bis 1998 der erste Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Schon damals habe es "heftige Diskussionen" über eine Legalisierung gegeben. Lintner verwies auf die "uralte Erkenntnis, dass viel mehr Leute dem 'Stoff' verfallen, je leichter sie Zugriff haben". Deshalb sei es richtig, auf dem Verbot zu beharren.
Befürworter einer Legalisierung sagen, Haschisch und Marihuana seien nicht so tödlich wie Trinken und Rauchen. Es gäbe weniger Beschaffungskriminalität. Der Staat würde Geld sparen, wenn er Delikte nicht mehr verfolgte. Das Verbot sei unverhältnismäßig. Schließlich sei Drogensucht keine Straftat, sondern eine Krankheit.
Gegner sagen, der Staat habe eine Fürsorgepflicht. Es drohe ein Drogenboom. Sie verweisen auf medizinische und psychologische Risiken.
Cannabis ist in viele Ländern verboten. Der Besitz geringer Mengen ist aber oft nicht strafbar. Bei Jugendlichen kann regelmäßiger Konsum zu Hirnveränderungen führen. Bei Erwachsenen kann es zu charakterlichen Veränderungen komme.
Rat und Hilfe gibt es bei Kidro. Dort arbeitet Streetworker Christian Fenn (Telefon: 0971/ 69 93 803 oder 0170/ 85 25 180). Auch die Caritas bietet Suchtberatung an (0971/ 72 46 29; suchtberatung@caritas-kissingen.de). ed
Weitere Artikel zum Thema suchen
Kommentare
Zu wenig recherchierter Artikel
Sehr geehrter Autor,
ich schreibe ihnen diesen Kommentar um mein Unverständniss gegenüber diesem von ihnen zu ungenau recherchiertem Artikel zum Audruck zu bringen.
In ihrem Artikel nennen Sie Lars als Beispiel für einen Cannabiskonsumenten. Für diesen wirkte Cannabis ihrer Meinung nach wie eine Einstiegsdroge und verleitete ihn zum Konsum von härteren Drogen wie Heroin. In Wirklichkeit spiegelt Lars aber keineswegs einen typischen Cannabiskonsumenten wieder. Die Anzahl der Cannabiskonsumenten in Deutschland liegt bei bis zu 2,4 Mio., die Zahl der Heroinkonsumenten allerdings weitaus geringer. Dazu stammen die Konsumenten von Cannabis aus allen gesellschaftlichen Schichten, auch viele bekannte Politiker bekennen sich öffentlich zu früherem Cannabiskonsum. Cannabiskonsumenten als gesellschaftlich ausgeschlossen zu präsentieren verzerrt die Wirklichkeit ausgesprochen stark.
Laut aktueller Studien ist die Suchtgefahr von Cannabis äußerst gering. Nur etwa 2% aller Konsumenten sind phsychisch abhängig. Eine körperliche Abhängigkeit konnte in mehreren Versuchsreihen nicht festgestellt werden. Laut der offiziellen Argumentation die Gesundheit der Bürger schützen zu wollen müssten Drogen wie Alkohol und Tabak viel eher verboten werden als Marihuana.
Jedes Jahr sterben in Deutschland 73.000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum. Todesfälle durch übermäßigen Cannabiskonsum sind weltweit bisher noch nicht bekannt.
Wieso schreiben Sie nicht mal einen Artikel über einen normalen Gelegenheitskonsumenten und machen so darauf aufmerksam, dass ein verantwortungsvoller Cannabiskonsum viel verbreiteter ist als das Beispiel Lars.
In Zunkunft würde ich mir wünschen, dass Sie in ihren Artikeln so einseitig berichten. Die Medien haben eine Informationsfunktion und ich würde mir wünschen, dass Sie, wie z.B. in diesem Artikel nicht voreingenommen über ein Thema berichten, sondern objektiv und durch gute Recherche belegt auch die Position der Legalisierungsbefürworter darstellen.
mfG
Ohne Legalisierung...
...kein effektiver Jugendschutz, keine Kontrolle und keine Anlaufstelle für Konsumenten, die ein Problem mit ihrem Konsum haben.
Es ist nun wirklich an der Zeit, die Menschen aus der Kriminalität zu holen. Kaum jemand traut sich, auch nur mit seinen eigenen Eltern darüber zu reden. Eine ehrliche Aufklärung und glaubwürdige Warnung vor den Gefahren seitens der Regierung findet ebenfalls nicht statt.
Es ist Zeit, das zu ändern!
Schlechter Artikel!
toller Artikel ... not 2
Dass er Cannabis und später härteren Drogen verfallen ist,
ist ein Problem unserer Nichtexistenten Drogenprävention und des Jugendschutzgesetzes.
Nicht des Betäubungsmittelgesetzes! Verantwortungsvoller Konsum muss entweder von
den Eltern gelebt oder durch das Jugendschutzgesetz diktiert werden. Verantwortungsvolle
Erwachesene abzustrafen kann nicht Sinn sein.
Die daraufhin erwähnten Personen könnten vom offensichtlich perteiischen Journalisten
nicht besser gewählt sein. Ist klar, dass ein Streetworker keinen Leuten begegnet,
die keine Probleme mit ihrem Konsum haben. Ebenso der Chef einer Polizei! Selbst
der beste Freund eines Polizisten würde diesem seinen illegalen Drogenkonsum
verschweigen. Ist auch klar, wie ein hochrangiger Landesbeamter zu illegalen Drogen
steht, oder stehen muss. Genauso verhält es sich mit ein Richter, der häufiger
mit Junkies zu tun hat und ebenfalls Beamter ist oder einem ehemaligen
Drogenbeauftragten. Drogenbeauftragter, nicht Gesundheitsbeauftragter.
Da ich keine medizinische Ausbildung genossen habe, kann ich keine Aussage
zur Verträglichkeit von Cannabis treffen. Jedoch schließe ich mich einem Kommentar vor meinem
an.
Ich möchte auch nicht die Meinung beeinflussen. Mein Appell:
Lasst euch nicht für dumm verkaufen. Schaltet euer Hirn ein und überlegt,
ob eure Meinung auf Vorurteilen beruht oder tatsachlich auf Substanz beruht.
Danke
toller Artikel ... not 1
Nach dem Durchlesen dieses Artikels steht für mich eines fest:
so sollte Journalismus nicht sein!
Weder erzählt der hochgeschätzte Autor neutral, noch zählt er alle Fakten auf.h
Ja, dem Antrag der Linken widersprechen die Experten. Dem Widersprechen der Experten widersprechen allerdings wiederum Experten. Das wüsste der Autor, wenn der Autor die Expertenanhörung des Gesundheitsauschusses
des Bundestags verfolgt hätte (einzusehen in Youtube)
Schon der erste Absatz ist nicht ganz stimmig.
Nicht nur die Linken und Piraten fordern die Legalisierung, sonder auch
die Grünen und Teile der SPD. Da die Meinung der Wähler noch nicht erschöpfend
erforscht ist trauen sich letztere nicht zu einer artikulierten Meinung.
Ganz sicher sind auch Befürworter in der CDU. Unvorstellbar, dass unter so vielen
Abgeordneten niemand dabei sein soll, der positive Erfahrungen mit Cannabis gemacht haben soll.
Auch der Aufhänger des Artikel mit "Lars H." ist geprägt von den gängigen Vorurteilen.
"Hasch war seine Einstiegsdroge" Diese Theorie ist von Wissenschaftlern schon vor einiger
Zeit als falsch eingestuft worden. Einstiegsdrogen sind nach wie vor Alkohol und Nikotin.
Und woher hat der gute Lars denn sein Hasch und Heroin, ja doch von dem Dealer der mit dem
ganzen gefährlichen Scheiss handelt. Bei einer Legalisierung käme beim Hanfkauf
mangels Option gar nicht erst die Idee auf sich was "Stärkeres" zu kaufen.
"Gar nicht erst damit anfangen". Dasselbe hört man auch von einem leberzerfressenen
Alkoholiker. Deswegen wird die Aussage noch lange nicht zur Maxime meines Alkoholkonsums.
Ebendas tut jedoch das zur Zeit gültige Gesetz - es bevormundet.
Die wahre Meinung von Lars (pro Legalisierung) wird nur kurz angesprochen und das
ziemlich konfus und nicht nachvollziehbar.
Seine Geschichte auf die Bevölkerung zu übertragen und das Verbot gutzuheißen ist
ebenso völlig falsch.
Im Grunde genommen ...
... is der einzige Unterschied zwischen Haschisch un 'ner Packung Zigaretten die beim Haschisch fehlende Steuerbanderole. Legalisiert dat Zeuch, und ihr legt mit einem Schlag eine Schiene der Beschaffungskriminalität still. Und mittem Schnaps und dem Heroin isses genauso.
Wat würden die ganzen Drogenbosse und Maffiapaten fluchen, wenn der Staat ihnen dat ganze schöne Geld vor der Nase wegzockt. Müßte die alle Hartz vier beantragen, woll.
Alte Zöpfe abschneiden
Neue Märkte würde eine Legalisierung von Cannabis gar nicht schaffen, denn den Markt gibt es bereits. Er ist in den Händen von Kriminellen, die auch daran interessiert sind, härtere und teurere Drogen zu verkaufen. Cannabis ist in der Gesellschaft angekommen! An allen Tankstellen kann man "Konsumzubehör" kaufen, warum wohl? Und es gibt auch viele europäische Länder, in denen ist der Cannabis-Konsum entkriminalisiert und legal. Erstaunlich ist, dass im Vergleich zu Deutschland die Quote an Erstkonsumenten in diesen Ländern niedriger ist, obwohl es dort erlaubt, und hier verboten ist. Wir brauchen Ehrlichkeit und Konstruktivität, nicht das Beharren auf in Stein gehauene Vorurteile. Die einen müssen erkennen, dass Cannabis nicht so unschädlich ist wie sie es gerne hätten, die anderen müssen eingestehen, dass Cannabis längst nicht so gefährlich ist, wie sie es immer darstellen. Und ja, für einen konstruktiven Umgang ist eine Änderung des BTMG notwendig, denn kaum eine Person wagt offen über etwas zu sprechen, wenn genau dieses sie als Straftäter offenbart, mit allen Konsequenzen die dann folgen.
Kommentieren
| Benutzername |
Passwort |
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, klicken Sie bitte hier.
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!
| gewünschter Benutzername: * | ||||
| gewünschtes Passwort: * | ||||
| Wiederholung Passwort: * | ||||
| E-Mail: * | ||||
| Kundennummer: | ||||
| Anrede: |
|
|||
| Vorname: | ||||
| Nachname: | ||||
| Zusatz (z.B. Firma): | ||||
| Straße/Hausnr.: | ||||
| PLZ/Ort: * | ||||
| Ich bin mit den AGB einverstanden.: * | ||||







close
(




















(2)






