Die Vision ist zum Greifen nahe

03.02.2012   Ort: Westheim  Von: Winfried Ehling  Saale-Zeitung

Jugendzentrum In Westheim könnte durch einen kleinen Neubau ein neuer Treffpunkt für Teens entstehen.


Am Nebengebäude beim Westheimer Kindergarten, der so genannten "Alten Waage", soll ein neuer Jugendraum entstehen. Stadträtin Gaby Ebert (Mitte) war Initiatoren, die Jugendlichen aus dem Stadtteil signalisieren Bereitschaft zur Mitarbeit. Foto: Ehling
Ein Wohnzimmer voller Jugendlicher ist bei Stadträtin Gaby Ebert nicht alltäglich, es sei denn, es geht um junge Leute aus dem Stadtteil und ihre Anliegen - beispielsweise um einen Jugendraum, für den sich die Ortsbeauftragte derzeit "stark macht".
Es gab schon einmal ein Jugendzentrum im Stadtteil, im Keller unter dem Feuerwehrhaus. Doch das ist passé. Die damaligen Jugendlichen sind diesen Schuhen entwachsen, und den Schimmel befallenen Kellerraum kann man auch sonst vergessen. Die Idee: An der "Alten Waage" soll ein neuer Jugendraum für 12- bis 16-Jährige entstehen, also zwischen dem Nebengebäude des Kindergartens und dem Vereinsheim.
"Hier wäre eine passende Fläche frei, die durch das Nebengebäude über Strom-, Wasser- und Kanalanschluss verfügt und die für diesen Zweck genutzt werden könnte", glaubt Gaby Ebert, die bereits in einer Stadtratssitzung im Dezember unter Hinweis auf die Gleichstellung mit dem Jugendladen Hammelburg einen Baukostenzuschuss von 15 000 Euro für das Projekt beantragt hat.
Die Idee Jugendraum spukt schon länger in den Köpfen, vor allem der Westheimer Teens. Für den knapp 50 Quadratmeter großen Raum gibt es viel Begeisterung. Und nicht nur das. "Wir haben durch Verkäufe auf dem Hofflohmarkt und beim Faschingszug schon 800 Euro für dieses Projekt in der Kasse", erklärt ein 15-Jähriger stolz.
"Ein Jugendraum wäre spitze. Wir könnten Musik hören und Spiele machen. Deswegen wäre ich für einen Tischkicker, eine Dart-Scheibe und einige Brettspiele", argumentiert der 14-Jährige Leon. "Wir würden uns auch als Helfer beim Bau einbringen", versichert er beim Meeting mit der Ortsbeauftragten und Justin, Yannik und Jana nicken zustimmend. "Wir könnten Zement mischen und Steine tragen", schlägt Vinzenz, ebenfalls 14 Jahre, vor. "Ich bin bereit, dafür meine Freizeit zu opfern", verspricht er.
Die Misere der Stadtteiljugendlichen verdeutlicht eine weitere Aussage von Leon: "Derzeit können wir uns nur ab und zu mit drei oder vier Leuten privat treffen. Aber das geht auch nur bedingt", bedauert er mit Hinweis auf die fehlenden, jungen Leute dieser Alterskategorie. Gaby Ebert stärkt den Jugendlichen den Rücken. "Ihr seid die Zukunft unserer Vereine und solltet Verantwortung übernehmen", unterstrich sie.
Zu einer Besprechung hatte sie bereits Anfang Januar rund 30 Personen geladen, die Initiatoren solcher Projekte brauchen. Mit Bürgermeister Ernst Stross - der seine Unterstützung zusagte - dem Jugendbeauftragten Christian Fenn, Jugendpfleger Karl Englert, Stadtbaumeister Detlef Mohr und Arnold Zier vom Städtischen Bauhof waren dabei kompetente Personen und Entscheidungsträger anwesend, die der Maßnahme nach Klärung bestimmter Voraussetzungen positiv gegenüberstanden.
So soll der größte Teil der Kosten durch Eigenleistungen gedeckt werden. Das Material in der beantragten Zuschusshöhe solle die Stadt finanzieren. Karl Englert hielt den vorgesehen Platz für "optimal für das Vorhaben, weil keine Wohnnachbarn in der Nähe sind" und Stadtbaumeister Mohr legte sogar einen vorgefertigten Plan vor.
Eine Spendenaktion, die Stadträtin Ebert initiieren will, soll für zusätzliche Einnahmen sorgen. Ehrenamtliche, meist Eltern der Jugendlichen, haben bereits ihre Mithilfe beim Bau signalisiert. Der Bauantrag soll in den nächsten zwei Wochen gestellt werden, und den Baubeginn sähen die Nutznießer am liebsten im April.
Trotzdem: Es gab auch schon Gegenstimmen von Bürgern, die sich an das alte JUZ erinnerten, in dem die Jugendlichen teils ohne Aufsicht und in unzumutbaren Räumen gehaust hätten. Viele nahmen aber ihre Einsprüche ob der guten Vorarbeit zurück.

Gute Vorsätze


Was die neue Jugendgeneration im künftigen Jugendraum angeht, ist sich die 13-jährige Romina sicher, "dass wir auch selbst nach dem rechten sehen, Ordnung halten und auf die Einhaltung der Schlusszeiten achten können". Wenn diese guten Vorsätze in Erfüllung gehen, haben die jungen Leute bestimmt die Westheimer auf ihrer Seite.


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