"Der Dialekt ist ein Teil von mir"
20.02.2012
Ort: Bad Kissingen Von: Sabine Herteux ![]()
Tag der Muttersprache Johannes R. Köhler spricht nicht nur Garitzer Mundart - er lebt sie. Unermüdlich schreibt er Texte in seinem Heimatdialekt. Manchmal auf drei Meter Länge.

"Das ist so in mir drin. Der Dialekt ist meine Muttersprache", betont der gebürtige Garitzer. Nie hat er woanders gelebt. Es war vor allem seine Großmutter, die nur im Dialekt mit ihm gesprochen hat. Die Garitzer Mundart ist für ihn deswegen auch ein Stück bewahrte Kindheit. Köhler schwärmt: "In dieser Sprache fühle ich mich geborgen, das ist für mich pures Wohlbefinden."
Er bedauert, dass heutzutage sehr viel weniger Dialekt gesprochen wird. Auch aus diesem Grund schrieb er sein Buch "Unterfränkische Dorfgeschichten". Die 1980 erschienene Lektüre betitelte die Universität in Bayreuth als "Lehrbuch für Dialekt". Bis heute wurde es bereits 4000 mal verkauft. Köhler verarbeitet darin verschiedene Jugenderinnerungen wie "Der öeschde Rausch" (Der erste Rausch), "Ais als Nachdüüsch" (Eis als Nachtisch) oder "Wenns Schläich gawe hodd dehämm (Wenn's Schläge daheim gegeben hat) . Alles im Dialekt, typisch Garitz, blumen- und facettenreich. Für Nicht-Garitzer gibt es sogar eine "Übersetzung". Seine Mundart möchte der Sprachkünstler für die Nachwelt erhalten wissen. "Die heutige Generation hat ja fast keine Lehrmeister mehr", begründet er. Vor allem moderne Medien wie das Fernsehen und das Internet hätten den alten Sprachschatz verschoben.
Hochdeutsch für die Arbeit
In seinem Geschäft "Musik zum Streicheln" spricht er zwar fast nur hochdeutsch, seinen Dialekt pflegt er trotzdem, wann und wo er nur kann: "Bei der Arbeit habe ich mir das zwangsläufig angewöhnt. Unter Garitzern spreche ich aber immer Dialekt."
Die im Buch erschienenen Anekdoten schrieb Köhler ausschließlich nach Gefühl auf. Wenn er sich selbst mal unsicher mit der Aussprache oder der Schreibweise war, stellte er sich immer eine ältere Dame aus Garitz vor, wie ihr die Wörter von den Lippen gegangen wären. Dass er dabei manchmal gegen die Gesetze der Rechtschreibung verstößt, findet er nicht schlimm. Denn: "Mundart ist wie eine gesprochene Melodie. Man muss sie laut und übers Ohr lesen."
Seinem Sprachtalent lässt Köhler besonders jetzt zur Faschingszeit freien Lauf. Seit mehr als 50 Jahren schreibt er für den BTC Garitz Lieder im Dialekt. Auch Gedichte gehen ihm immer wieder von der Hand. Das längste bekam eine gute Freundin Köhlers. Er faxte ihr seine Mundart-Reime - auf ganze drei Meter Faxpapier.
Dialekt ist Lebenselexier
Wieviele Gedichte, Lieder und Texte er schon im "Goridzer" Dialekt geschrieben hat, kann er nicht einmal schätzen. "Mein Computer ist auf jeden Fall voll", muss als Antwort reichen. Es scheint, als sei die Garitzer Mundart mehr als nur seine Muttersprache, als sei sie ein bisschen Lebenselexier. Warum das so ist, dafür hat Köhler eine simple Erklärung: "Ich bin Optimist und bin innerlich lustig. Das wirkt sich auf meine Fantasie und auf meine Sprache aus." Und er wird nicht müde, immer weiter zu dichten. Das will er auch gar nicht. Und soll er auch nicht - sein spontanes Gedicht zum Tag der Muttersprache ist der gelungene Beweis. Köhler bringt es selbst auf den Punkt, wenn er sagt: "Mein Dialekt ist ein Teil von mir und der bleibt."
"Mudderschbrooch" von Johannes R. Köhler:
Ämol mindesdens om Dooch,
schbrech ich meine Mudderschbrooch.
Des mach ich scho ümmer so,
drüm bin ich ach ümmer froh.
Und so söll des ümmer sei,
bis zuledzd in Friidhof nei.
Kumm ich dann in Himmel nauf,
mechd der Bedrus selwer auf,
füed mich dann zum Herrgodd hii,
dued fall ich dann auf die Gnii,
werf mich reuich vuer ihn hin,
sooch, dass ich vo "Goridz bin."
Und dann söchd er: "Du mein Sohn,
grichsd den schüensde Bladz als Lohn,
weil - und des is ganz gewiss -
Goridz ach fasd himmlisch is."
Fazidd: Und wos känner je enddeggd:
"Der Herrgodd schbrichd a Dialeggd."
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