Den Blick aufs Positive richten
03.02.2012
Ort: Bad Kissingen Von: Sabine Herteux ![]()
Prävention Aggressives Verhalten, häufige Wutausbrüche, impulsiv und unruhig - typische Anzeichen für Kinder mit expansiven Verhaltensweisen. Eltern und Erzieher sind oft überfordert oder verunsichert. Der Kurs PEP der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche soll helfen.

"Wir haben 125 Kinder, davon zeigen zehn bis 20 Prozent der Kinder dieses Verhalten", schätzt Anette Postolov vom Kindergarten "Haus für Kinder" in Nüdlingen. Immer wieder sorgen die Kinder für Beschäftigung und kosten Energie. Manchmal hilft nur noch die "Auszeit". Dann wird ein aggressives Kind aus der Situation herausgenommen, um sich wieder beruhigen zu können.
Der Caritas-Kurs, der von Oktober bis Anfang Februar gelaufen ist, hat für Postolov schon erste Verbesserungen gebracht: "Man merkt, dass sich etwas ändert. Aber es ist ein langer Weg, es gibt Fort- und Rückschritte." Das sieht auch ihre Kollegin Sabine Braun (Kindergarten Steinach) so: "Verhaltensänderung braucht Zeit und ohne die Unterstützung der Eltern geht nichts."
Eigentlich war die Teilnehmerzahl des Kurses auf sechs Erzieher begrenzt. Die Nachfrage war aber so groß, dass Katja Fleischmann, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, wenigstens acht in das Präventionsprogramm aufnehmen wollte. Ziel ist es, das aggressive und unaufmerksame Verhalten der Kinder zu vermindern und zu helfen, schwierige Situationen künftig besser zu bewältigen. Dies kann nicht nur den Alltag im Kindergarten erleichtern, sondern auch das Familienleben angenehmer gestalten.
Jede Woche gab es für die Erzieherinnen eine neue Hausaufgabe. Der Kurs sollte von der direkten Umsetzung im Kindergarten leben. Im Lauf der Zeit lernten die Erzieherinnen, gelassener auf das Verhalten der Kinder zu reagieren. "Wir richten den Blick jetzt mehr auf die positiven Seiten des Kindes", betont Ilona Wegmann (Kindergarten Aschach).
Über Wochen hinweg tauschten sich die Kolleginnen aus und überlegten sich gemeinsam wirkungsvolle Regeln und Aufforderungen. Für jedes Kind entwickelten sie einen individuellen Methodenkoffer. Nicole Pfriem (Sinnberg-Kindergarten) hob hervor: "Wichtig war vor allem zu erkennen, welche Regeln überhaupt wichtig und sinnvoll sind und wie man sie ans Kind bringt." Manche Kinder reagierten darauf erstmal mit Widerstand. Viele wollten testen, wie weit sie tatsächlich gehen dürfen, ob im Morgenkreis oder beim Anziehen. Da sind Geduld und Regelmäßigkeit der Erzieherinnen gefordert. Das sei auch der Vorteil des Kurses gewesen, sind sich alle einig, man musste am Problem dran bleiben und sich damit auseinandersetzen.
Im Nüdlinger Kindergarten wurde die "Punkteschlange" eingeführt. Entwickelt wurde die Idee gemeinsam im Kurs. Verhält ein Kind sich nach den Regeln, bekommt es einen Punkt auf seiner Schlange. Zur Belohnung. Nach acht Punkten darf sich das Kind etwas aussuchen. Das klappte in den letzten Wochen so gut, dass die Punkteschlange inzwischen sogar gar nicht mehr gebraucht wird.
"Man muss frühzeitig etwas dagegen tun. Je später man eingreift, desto schwieriger wird es", betont Fleischmann. In ihrer Beratungsstelle rufen in der Woche vier bis fünf Eltern an, deren Kinder genau diese Probleme haben. "Erst wenn die Verzweiflung groß ist, outen sich Eltern, dass sie nicht mehr alleine damit klar kommen", sagt die Diplom-Psychologin. Manchmal verweist sie an einen Kinder- und Jugendpsychiater.
Aber woher kommt eigentlich dieses aggressive und oppositionelle Verhalten der Kinder? Fleischmann glaubt, dass Eltern heute häufig unsicherer sind als früher: "Viele möchten ihren Kindern keine Grenzen setzen und sie in ihrer freien Entwicklung nicht stören."
Die Erzieherinnen vermuten noch ganz andere Ursachen. Nicht nur, dass die Eltern zu wenig Grenzen setzen, die gesamte Lebenswelt der Kinder hat sich ihrer Meinung nach geändert: Sie werden mit dem Auto bis vor die Haustüre gefahren und wieder abgeholt, haben zu wenig Bewegung, schalten noch vor dem Kindergarten den Fernseher ein und ernähren sich zu ungesund. Außerdem: "Heute erwartet man das perfekte Kind. Früher auch, aber da achtete man noch nicht auf jede Kleinigkeit", glaubt Postolov.
Gemeinsam mit den Eltern und intern im Kindergarten-Team wollen die Erzieherinnen die im Kurs neu gewonnene Perspektive nun weiter intensivieren. "Wir sind nur erfolgreich, wenn wir mit den Eltern zusammenarbeiten", meint Elfriede Katzenberger (Kindergarten Nüdlingen).
PEP-Trainingskurse für Erzieher und Eltern:
Die Erziehungsberatungsstelle ist eine zentrale Anlaufstelle für Eltern, Erzieher, Lehrer und Kinder. Sie ist für den Landkreis Bad Kissingen zuständig.
PEP steht für P räventionsprogramm für E xpansives P roblemverhalten. Prävention bedeutet vorbeugen. Expansives Problemverhalten meint Verhalten, das sich nach außen zeigt, beispielsweise in Form aggressiven Verhaltens. Das Präventionsprogramm wurde von der Uni Köln entwickelt. Es gibt separate Kurse für Erzieher und Eltern.
Erziehertraining Der nächste PEP-Kurs für Erzieher, geleitet von Diplom-Sozialpädagogin Diana Schölzel, beginnt am 16. März. Die elf Termine finden immer wöchentlich von 10 bis 12 Uhr statt. Es gibt noch einen freien Platz.
Elterntraining Ab 20. März startet das PEP-Elterntraining unter der Kursleitung von Diplom-Psychologin Katja Fleischmann. Es sind elf Termine im wöchentlichen Abstand, immer dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr. Der Kurs richtet sich an Eltern mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Teilnehmerzahl ist auf sechs Eltern(paare) begrenzt, eine Anmeldung ist deshalb erforderlich.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Kommentare
Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Kommentieren
| Benutzername |
Passwort |
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, klicken Sie bitte hier.
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!
| gewünschter Benutzername: * | ||||
| gewünschtes Passwort: * | ||||
| Wiederholung Passwort: * | ||||
| E-Mail: * | ||||
| Kundennummer: | ||||
| Anrede: |
|
|||
| Vorname: | ||||
| Nachname: | ||||
| Zusatz (z.B. Firma): | ||||
| Straße/Hausnr.: | ||||
| PLZ/Ort: * | ||||
| Ich bin mit den AGB einverstanden.: * | ||||






close




















(2)






