Damit der Klang perfekt ist

22.02.2012   Ort: Rottershausen  Von: Sabine Herteux  Saale-Zeitung

Tourleben Philipp Stapf ist oft der Erste und der Letzte auf einem Konzert. Er ist Auszubildender zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und zurzeit mit Schlagersängerin Andrea Berg unterwegs.


Philipp Stapf bei der Arbeit in seinem Lager in Arnshausen. Foto: Sabine Herteux
Wenn Philipp Stapf seinen Arbeitsplatz einnimmt, beginnt über ihm die große Show. Die deutsche Schlagersängerin Andrea Berg betritt die Bühne, ein riesiges, vierstöckiges Schiff. Zehntausende Fans klatschen, kreischen und begrüßen ekstatisch ihren Star - Stapf behält einen kühlen Kopf.

Er sitzt unter dem Bühnenbild, abseits der Musiker, der Zuschauermassen und der Party. Für Andrea Berg und ihre Background-Sänger ist er Dreh- und Angelpunkt. Er reicht ihnen ihr wichtigstes Utensil, das Mikrofon - für Berg mit Glitzerhülle. Dass daraus die richtigen Töne kommen, dafür ist Stapf verantwortlich. "Einmal ist ein Mikro ausgefallen, da musste ich kurz auf die Bühne", ärgert sich Stapf. Das Publikum soll von den "Tonleuten" am besten nichts mitbekommen. Stapf behob das Problem schnell, die Show konnte weitergehen.

Seit September ist der 20-Jährige Auszubildender zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik bei "Soundhouse" in Haßfurt. Mit der Schlagersängerin ist er seit Januar in ganz Deutschland auf "Abenteuer"-Tour. Schon morgens rollt der Tourbus vor der Halle an. Mischpulte, Boxen, Podeste und "Tausende von Kabeln" müssen ausgeladen werden. Nach einem Rundgang entscheiden sie, wie sie ihr Equipment platzieren. Beim Soundcheck laufen die technischen Geräte warm. Danach - während die Zuschauer eingelassen werden - hat Stapf Verschnaufpause. Musiker, Ton-, Licht- und Bühnenbautechniker sitzen am Tisch und essen. Dann heißt es drei Stunden volle Konzentration. Jeder Knopfdruck muss stimmen, jeder Regler an der richtigen Stelle sein. Dass mitunter Stapf selbst für die Tontechnik Verantwortung trägt, macht ihn stolz.


Enge im Tourbus



Nach dem Konzert wird abgebaut. Das geht in der Regel schnell. Im "Nightliner", den sich die Tonleute mit den Köchen des Caterings teilen, ist Zeit zum Entspannen. Oft sitzt Stapf mit seinen Kollegen zusammen, schaut Fernsehen oder spielt Playstation, während der Bus in die nächste Stadt fährt. Es ist zwar eng - die Betten sind dreistöckig - der 20-Jährige fühlt sich trotzdem wohl. "Nach den Auftritten ist man eh meistens platt."

Leben aus dem Koffer, wechselnde Orte, wechselnde Teams, ständig unter Druck und Adrenalin - das ist genau das, was Stapf reizt. "Ich bin eigentlich nur unterwegs, deswegen hab ich mich auch für diese Arbeit entschieden." Letzte Woche war er mit dem "Musikanten stadl" in Dresden, Chemnitz und Cottbus unterwegs, im Januar übernahmen er und seine Kollegen die Tontechnik für Helene Fischer beim Semper-Opernball in Dresden. Im Sommer folgen die Open Airs wie Rock im Park und das Taubertalfestival.

Mit Andrea Berg ist der Rottershausener zur Zeit fast jedes Wochenende "on Tour". Während der Woche arbeitet er im Lager in Haßfurt. Dort wird die Technik für Konzerte wie von den Scorpions, Haindling und Roger Cicero verpackt und in Lkws geladen. Alle sechs Wochen besucht Stapf zwei Wochen die Berufsschule in München.
Mit Roland Christ aus Oerlenbach betreibt Philipp Stapf zudem die "Licht & Ton Veranstaltungstechnik". Ihr Lager haben sie in Arnshausen. Sie haben sich vor allem auf Veranstaltungen in der Region spezialisiert: die Offroad-Messe in Bad Kissingen, DJ-Abende in Oerlenbach oder auch "Und ab geht die Lutzi" in Rottershausen. Irgendwann möchte Stapf komplett selbstständig arbeiten. Aber er weiß: "Es ist schwierig, in der Branche Fuß zu fassen."


Auch in Bands aktiv



Schon mit zehn Jahren spielte Stapf in Bands. Mit "Fiatonic", "6i" und "Surfing Safari" sammelte er als Pianist Bühnenerfahrung. Die Auftritte sind größer geworden, die Technik komplizierter - was ihn schon früh faszinierte. Auch sein Vater, selbst Gitarrist in einer Band, nahm ihn schon als Kind zu seinen Auftritten mit. Das hat ihn geprägt.

Jetzt ist er erstmal weiter mit Andrea Berg unterwegs. Morgen in Chemnitz, Samstag in Berlin und Sonntag in Schwerin. Anschließend geht er wahrscheinlich mit Kim Wild auf Tour. Das große Reisen geht also weiter. Am liebsten würde er einmal mit Rammstein auf Tour gehen: "Das ist die größte Bühnenshow, die man sich vorstellen kann."



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