Ist der braune Spuk wirklich vorbei?

28.09.2009   Ort: Importartikel  Von: Torsten Geiling  inFranken.de

Aufmärsche Die Rechtsextremisten haben angekündigt, künftig um Gräfenberg einen Bogen zu machen. Bürgermeister Werner Wolf will dem angekündigten Frieden noch nicht trauen.


Bisher war das Ziel der Neonazis das Denkmal in Gräfenberg. Foto: fra-press
Seit drei Jahren kehrt der braune Spuk Monat für Monat wieder. 43 Mal ist der Nationale Widerstand bisher in Gräfenberg eingefallen. Zuletzt am vergangenen Wochenende.

Keine Aufmärsche mehr?

Neben den üblichen Parolen hatten die Rechtsextremen um Matthias Fischer überraschend angekündigt, künftig in dem Städtchen nicht mehr aufmarschieren zu wollen. „Das Denkmal in Gräfenberg, wird zukünftig aber aus unseren Aktivitäten vollkommen herausgenommen. Alle laufenden Fortsetzungsfeststellungsklagen bei den zuständigen Verwaltungsgerichten zu diesem Themenkomplex wurden zurückgezogen“, heißt es in einem Schreiben, das unsere Redaktion erreichte.
Dem Frieden trauen will derzeit in Gräfenberg niemand. Bürgermeister Werner Wolf ist skeptisch, zumal die Neonazis ankündigen, nun Aktionen in der Region unter dem Gesichtspunkt der Aktualität durchzuführen.
Ob der Grund für den angeblichen Sinneswandel bei den Rechtsextremen wirklich die umstrittene Aktion von CSU-Stadtrat Georg Rammensee ist, will Wolf nicht bewerten. Rammensee hatte mit einer Unterschriftenliste von Hinterbliebenen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen oder ermordeten Gräfenberger darum gebeten, dass sich die Rechten von Gräfenberg fernhalten.
Für Bürgermeister Werner Wolf gibt es andere Gründe. Er geht vielmehr davon aus, dass die Rechtsextremisten Mobilisierungsprobleme haben. Als zuletzt das Bürgerforum sich darauf verständigte, keine Demonstrationen mehr abzuhalten. Unlängst hatte der Nürnberger BIA-Stadtrat Sebastian Schmaus in einem persönlichen Schreiben Wolf angeboten, die monatlichen Demonstrationen einzustellen, wenn man einmal im Jahr Zugang zum Denkmal erhalte.
Der hat den Brief unbeantwortet gelassen. „Die Szene ist zerstritten. Was der eine sagt, muss für den anderen längst nicht gelten“, meint der Bürgermeister, der die Polizei angehalten hat, den Inhalt der Rede strafrechtlich überprüfen zu lassen, zumal die Rechtsextremen drohen, Wolf und dem Bürgerforum keine Ruhe gönnen zu wollen.
Die Ermittlungen laufen bereits. „Wir haben das Schriftstück an die Staatsanwaltschaft zur Überprüfung weitergeleitet“, sagte unserer Zeitung der Pressesprecher der Polizei, Günter Pelzel. Mehr sei für die Polizei derzeit nicht zu tun. „Wir können nur abwarten und reagieren.“
Etwas anderes bleibt auch dem Bürgerforum nicht übrig. „So schön es wäre, wir glauben nicht, dass nun alles vorbei ist“, meint Karin Bernhart. „Wir befürchten vielmehr, dass es noch schlimmer und die Gangart verschärft wird.“
Dass die Neonazis nicht mehr das Denkmal ansteuern wollten, heiße nicht, dass sie Gräfenberg in Ruhe lassen. Karin Bernhart vermutet vielmehr, dass Mobilisierungsprobleme den Ausschlag für den Strategiewechsel gegeben haben. Auch wenn sie es sich wünscht: „Die Region wird nicht zur Ruhe kommen.“


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