Wunsiedel gedenkt der Opfer rechter Gewalt
14.11.2011 Ort: Wunsiedel
Extremismus Wir gedenken der Opfer, nicht der Täter" - unter diesem Motto kamen in Wunsiedel am Volkstrauertag rund 350 Menschen zusammen. Zwei Informationstafeln auf dem Friedhof erinnern künftig an die Opfer der Todesmärsche. Doch auch Neonazis reisten an.

An einer Schule in Wunsiedel (Oberfranken) hängt am Sonntag (13.11.2011) eine Tafel mit der Aufschrift "Handeln gegen Rechts", auf der mit bunter Farbe viele Handabdrücke gemacht wurden. Foto: David Ebener dpa
Etwa 350 Menschen beteiligten sich in Wunsiedel an Gedenkveranstaltungen unter dem Motto "Wir gedenken der Opfer, nicht der Täter".
Aufgerufen hatten Kirchen und die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt".
Mit einem Friedensgebet und einer Kundgebung trauerten die Teilnehmer um die Opfer rechtsextremistischer Gewalt.
Seit Sonntag erinnern zwei Informationstafeln auf dem Friedhof in Wunsiedel an die Opfer der Todesmärsche vom KZ Buchenwald zum KZ im oberpfälzischen Flossenbürg. Etwa 3100 vorwiegend jüdische Gefangene wurden im April 1945 von den Nazis auf einen solchen Marsch geschickt - nur 2500 von ihnen kamen lebend ans Ziel.
Allein bei der Durchquerung des Landkreises Wunsiedel starben 161 Menschen an körperlicher Schwäche oder durch die Gewalt der SS.
Am Volkstrauertag marschierten auch rund 200 Neonazis in Wunsiedel auf. Die Demonstration sei angemeldet gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag in Wunsiedel. Es habe sich eine spontane Gegendemo aus etwa 50 Menschen gebildet. Die beiden Gruppen seien dank der Polizei aber nicht aufeinandergetroffen, sagte der Sprecher. Bei zwei Bussen und Privatautos der Rechtsextremen seien Reifen zerstochen worden. Ansonsten sei die rund zweieinhalbstündige Versammlung "in geordneten Bahnen" abgelaufen.
Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Wunsiedel Ziel von Neonazi-Gedenkmärschen, weil sich dort das Grab von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß befand. 24 Jahre nach dessen Tod wurde das Grab heuer aber aufgelöst, um dem braunen Spuk ein Ende zu bereiten. Heß' Gebeine wurden verbrannt und die Asche im Meer verstreut. dpa
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