Im Frankenwald Erleuchtung finden
27.02.2009
Ort: Importartikel Von: Stefan Fößel ![]()
Waldkloster Seit zehn Monaten leben buddhistische Mönche in Stammbach-Herrnschrot (Landkreis Hof). Sie berichten von freundlichen Begegnungen mit den Einheimischen und einem geregelten Tagesablauf im Kloster.
Die Idee buddhistischer Waldklöster gibt es in Deutschland schon lange, aber erst vor knapp zwei Jahren wurde sie auch in Oberfranken konkret. Die „Buddhistische Gesellschaft Frankenwald“ gründete sich um den Verleger Raimund Bayerlein und erhielt den Zuschlag für das von viel Wald umgebene Gebäude, an dessen Giebel die Jahreszahl 1906 prangt.
Wer das Haus betritt, wird vom Klosterältesten Ajahn Cattamalo begrüßt, der in Socken und gelbem Gewand ein paar Stiegen herunterkommt. Cattamalo hatte einst einen deutschen Namen. Den hat der an der Ruhr aufgewachsene Mann längst abgelegt. Geblieben ist der Dialekt seiner Heimat – der Klosterälteste spricht noch etwas Mühlheimer Platt. Drei Mönche leben derzeit im Kloster, neben Cattamalo der in Tschechien geborene Than Gavesako und der Deutsche Than Mettiko.
Auch Leberkäs wird gespendet
„Dat is der erste Schnee seit 20 Jahren, den ich sehe“, sagt Cattamalo und lächelt freundlich. Die letzten Jahre hat er in buddhistischen Klöstern in Thailand und Australien zugebracht, nun ist er mit seinen 43 Jahren Klosterältester geworden. „Ist Deutschland reif dafür?“, hat er sich davor gefragt und ist positiv überrascht worden in den Monaten, seit er eingezogen ist. „Die Leute haben erkannt, dass wir einer friedlichen Religion angehören und nicht missionieren wollen.“
An Kontakten zur Außenwelt herrscht kein Mangel, in den angrenzenden Ortschaften sind die drei Mönche mittlerweile bekannt durch ihre Almosenrunden. Dienstags bis Freitags erbitten die Mönche Speisen, an täglich wechselnden Orten, in Gundlitz und Cottenau, aber auch in Kulmbach und Bayreuth. Die Reaktionen der Passanten sind weitgehend positiv, da schenkt schon einmal eine Frau ein Leberkäs-Brötchen, eine andere einen Apfel. „Wir geben Nahrung für die Seele und bekommen dafür Nahrung für den Körper“, erklärt Cattamalo. Manche Menschen reagierten etwas scheu auf die Mönche, aber beschimpft habe sie noch keiner. Nur ab und zu rufe ein Spaßvogel „Servus Gandhi“.
Der Tagesablauf im Kloster ist klar strukturiert, vom Frühstück um 7 Uhr über Arbeitsbesprechung, Hausputz, die Almosenrunde, die letzte Mahlzeit um 11 Uhr bis zur Abendpuja um 19 Uhr, die man mit der christlichen Andacht vergleichen kann.
Dazwischen bleibt immer wieder Zeit für „individuelle Praxis“, Meditation. „Der Geist braucht ein Objekt, aber auch einen Anker“, erklärt Cattamalo. So können die Schritte der Anker sein, während er über ein Objekt, etwa den Tod, meditiert. In der Meditation will der Mönch „die Natur der Dinge untersuchen, ihr Wesen erkennen“. Dass Cattamalo das derzeit vor allem sitzend tun muss, liegt am Wetter – sein Meditationspfad ist eingeschneit.
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