Ein selbstironisches Who is Who?
21.07.2010
Von: Monika Beer ![]()
Premiere In der "Schweigsamen Frau" von Richard Strauss setzt Regisseur Barrie Kosky eine Operntruppe so in Szene, dass sie jeden Opernfreund entzückt. Das Münchner Publikum feierte Diana Damrau und vor allem Dirigent Kent Nagano.

Ein Who is Who, wie es im Opernführer steht: Links unten hält sich die als Brünnhilde kostümierte Aminta (Diana Damrau) den hochschwangeren Bauch. Foto: Wilfried Hösl
Köstlicher Seitenhieb
Das präzise einstudierte, sehr spielfreudige Theater im Theater geht natürlich auch im 2. Akt weiter. Nicht nur mit den drei schrägen Heiratskandidatinnen, sondern mit der dann herein-brechenden Gratulantenschar. Die vermeintlichen Ex-Matrosen vom alten Seeschlachtenross Morosus kommen hier allesamt aus dem Lazarett - ein köstlicher Seitenhieb aufs heutige Regietheater, das ohne Rollstühle und sonst wie Versehrte nicht mehr auszukommen scheint. Dass und wie das junge Paar samt zahlreichem Anhang dem alten und reichen Hagestolz etwas Mores lehrt, kann man ähnlich auch in Donizettis "Don Pasquale", in Rossinis "Barbier" oder in Verdis "Falstaff" erleben. Was die selten gespielte "Schweigsame Frau" davon unterscheidet, ist die gut dreistündige Spieldauer. Strauss und sein wortwitziger Librettist Stefan Zweig brauchen einfach mehr Zeit, auch wenn die Handlung soviel gar nicht hergibt.So kann man zwar schwelgen in der zitatenreichen, süffig-leichten, komödiantisch-hochexplosiven Musik, die unter Dirigent Kent Nagano nie aus den Fugen gerät oder Sänger zudeckt. Aber nicht erst im melancholischen Schluss möchte man Sir Morosus Recht geben und seinem "Wie schön ist doch die Musik - aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist!" Genau da überzeugte auch Franz Hawlata sängerisch vollauf, während er zuvor zuweilen an seine bassbaritonalen Grenzen stieß.Alle weiteren Partien sind sängerdarstellerisch auf Höchstniveau besetzt. Tenor Toby Spence ist ein strahlend-leichter Henry, die hochschwangere Diana Damrau als Aminta schafft mühelos den Spagat zwischen höchster Soprankultur und dem rollengemäßen Alles-in-Grund-und-Boden-Singen. Superb Nikolay Borchevs Barbier, ein Kabinettstückchen die Haushälterin der wunderbaren Catherine Wyn-Rogers, und der Nacktfrosch-Kakadu von Damien Liger verdient fraglos ein Sonderlob. Wie alle weiteren Mitwirkenden, die das Premierenpublikum herzlich feierte, aber nicht so demonstrativ wie den Generalmusikdirektor, dessen Vertrag bekanntlich nicht mehr verlängert wurde.
Termine
Weitere Vorstellungen gibt es am 23., 26. und 30. Juli. Informationen zu Karten gibt es telefonisch unter 089/21851920
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