Es wird viel passieren: Marienhof vor dem Aus?
20.07.2010
Von: Annette Reuther, dpa ![]()
Medien Sie ist eine der bekanntesten Serien im deutschen Fernsehen: Die Seifenoper "Marienhof". Doch das ARD-Format schwächelt. Die Fangemeinde bangt. Steht der Vorabendklassiker nun vor dem Ende?

Das undatierte Handout zeigt die "Marienhof"-WG: Marlon (Simon-Paul Wagner, l-r), die Zwillinge Lea (Maria Hönig) und Ruth (Simone Gorholt) mit ihrem Halbbruder Charly (Sven Thiemann) und dessen Freundin Netty (Ivonne Polizzano). Foto: dpa
Im Herbst soll entschieden werden
Bei der ARD heißt es zwar bisher nur: Im Herbst soll über die Zukunft der Serie entschieden werden. Eine feste Zusage zum Weitermachen klingt aber anders. Auch bei der Bavaria Film, die "Marienhof" produziert, wollte niemand eine Überlebensgarantie für die Seifenoper abgeben. Neue "Perspektiven" und "Ideen" sollten im Herbst beleuchtet werden, das sei reine Routine, erklärt Burchard Röver, Sprecher der ARD-Programmdirektion. Doch auch er weiß: Die Quoten sehen nicht gut aus. Und die Konkurrenz ist hart. "Wir haben uns beim Vorabendprogramm in den letzten Jahren richtig schwergetan", sagt er. "Das ist bretthart. Da tummeln sich Soaps und Telenovelas rum." Mit einer groß angekündigten PR-Aktion wollten die Macher dem etwas altbackenem "Marienhof" mit seiner Einkaufsgalerie in dem fiktiven Kölner Stadtteil einen neuen Anstrich verpassen. Die Geschichten sollten spannender werden - eine Explosion riss letztes Jahr den "alten Marienhof" mit seiner Kulisse, die noch den Charme des vergangenen Jahrtausends versprühte, nieder.
Über zehn Prozent
Der Marktanteil sollte mit dem "Neuanfang" wieder über zehn Prozent kommen. Doch stattdessen dümpelt er dieses Jahr bei durchschnittlich 8,6 Prozent - vor zehn Jahren waren es noch 15,5 Prozent. Die ARD erzielte im Jahresverlauf bislang insgesamt 13,9 Prozent. Schauspieler wie Viktoria Brams, alias Inge Busch, sind schon seit Folge Eins dabei. Neue Hauptfiguren sollten wieder frischen Wind bringen. Doch die Anhänger sind anscheinend immer noch nicht begeistert. "Früher war der Marienhof realistischer, da war noch niemand von heute auf morgen Sanitäterin... Ich denke auch manchmal, dass ihnen halt langsam die Ideen ausgehen", bemängelt zum Beispiel "Ekatarina" im offiziellen Forum auf der "Marienhof"-Webseite. Auch Medienexperten sehen bei Soap-Klassikern wie "Marienhof", "Verbotene Liebe" oder "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" (GZSZ) Schwierigkeiten. "Als Zuschauer bleibt man an diesen Serien nur eine Zeit lang dran", sagt Michael Gurt vom Institut für Medienpädagogik JFF in München. "Viele Serien erarbeiten sich ein Fanlager, aber nur der harte Kern bleibt dabei." Länger als sechs bis sieben Jahre verfolge niemand eine Soap-Opera, die normalerweie für eine Zielgruppe von 14 bis 20-Jährigen ausgelegt sei. "Da findet dann ein Generationswechsel statt." Aber ein Format kann sich eben auch abnutzen - genauso wie das schon mit täglichen Talkshows oder Gerichtsshows geschehen ist. Was nun mit "Marienhof" passiert, ist offen. Doch ein Fan ist sich sicher: "Was stattdessen auf dem Sendeplatz laufen wird, kann nur schlechter werden."
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