Es wird viel passieren: Marienhof vor dem Aus?

20.07.2010   Von: Annette Reuther, dpa  inFranken.de

Medien Sie ist eine der bekanntesten Serien im deutschen Fernsehen: Die Seifenoper "Marienhof". Doch das ARD-Format schwächelt. Die Fangemeinde bangt. Steht der Vorabendklassiker nun vor dem Ende?


Das undatierte Handout zeigt die "Marienhof"-WG: Marlon (Simon-Paul Wagner, l-r), die Zwillinge Lea (Maria Hönig) und Ruth (Simone Gorholt) mit ihrem Halbbruder Charly (Sven Thiemann) und dessen Freundin Netty (Ivonne Polizzano). Foto: dpa
"Es wird viel passieren" - seit fast 18 Jahren und fast 4000 Episoden empfängt der "Marienhof" so seine treue Fernsehgemeinde. Doch diese wird immer kleiner. Die Seifenoper der ARD ist noch nicht mal volljährig, und schon droht das Aus durch Altersschwäche. "Passieren" könnte nun vor allem eines: Das Ende.

Zwar will offiziell niemand über das Aus des Vorabend-Urgesteins spekulieren. Doch in "Marienhof"-Fanforen ist das Ende offenbar bereits besiegelt. Auf einer Skala geben die Fans da schon an, ob sie "unsagbar traurig" sind, oder ob es ihnen "mittlerweile vollkommen egal ist". Das "Hamburger Abendblatt" berichtete, dass kommenden Februar Produktionsstopp ist.


Im Herbst soll entschieden werden


Bei der ARD heißt es zwar bisher nur: Im Herbst soll über die Zukunft der Serie entschieden werden. Eine feste Zusage zum Weitermachen klingt aber anders. Auch bei der Bavaria Film, die "Marienhof" produziert, wollte niemand eine Überlebensgarantie für die Seifenoper abgeben.

Neue "Perspektiven" und "Ideen" sollten im Herbst beleuchtet werden, das sei reine Routine, erklärt Burchard Röver, Sprecher der ARD-Programmdirektion. Doch auch er weiß: Die Quoten sehen nicht gut aus. Und die Konkurrenz ist hart. "Wir haben uns beim Vorabendprogramm in den letzten Jahren richtig schwergetan", sagt er. "Das ist bretthart. Da tummeln sich Soaps und Telenovelas rum."

Mit einer groß angekündigten PR-Aktion wollten die Macher dem etwas altbackenem "Marienhof" mit seiner Einkaufsgalerie in dem fiktiven Kölner Stadtteil einen neuen Anstrich verpassen. Die Geschichten sollten spannender werden - eine Explosion riss letztes Jahr den "alten Marienhof" mit seiner Kulisse, die noch den Charme des vergangenen Jahrtausends versprühte, nieder.


Über zehn Prozent


Der Marktanteil sollte mit dem "Neuanfang" wieder über zehn Prozent kommen. Doch stattdessen dümpelt er dieses Jahr bei durchschnittlich 8,6 Prozent - vor zehn Jahren waren es noch 15,5 Prozent. Die ARD erzielte im Jahresverlauf bislang insgesamt 13,9 Prozent.

Schauspieler wie Viktoria Brams, alias Inge Busch, sind schon seit Folge Eins dabei. Neue Hauptfiguren sollten wieder frischen Wind bringen. Doch die Anhänger sind anscheinend immer noch nicht begeistert. "Früher war der Marienhof realistischer, da war noch niemand von heute auf morgen Sanitäterin... Ich denke auch manchmal, dass ihnen halt langsam die Ideen ausgehen", bemängelt zum Beispiel "Ekatarina" im offiziellen Forum auf der "Marienhof"-Webseite.

Auch Medienexperten sehen bei Soap-Klassikern wie "Marienhof", "Verbotene Liebe" oder "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" (GZSZ) Schwierigkeiten. "Als Zuschauer bleibt man an diesen Serien nur eine Zeit lang dran", sagt Michael Gurt vom Institut für Medienpädagogik JFF in München. "Viele Serien erarbeiten sich ein Fanlager, aber nur der harte Kern bleibt dabei." Länger als sechs bis sieben Jahre verfolge niemand eine Soap-Opera, die normalerweie für eine Zielgruppe von 14 bis 20-Jährigen ausgelegt sei. "Da findet dann ein Generationswechsel statt." 

Aber ein Format kann sich eben auch abnutzen - genauso wie das schon mit täglichen Talkshows oder Gerichtsshows geschehen ist. Was nun mit "Marienhof" passiert, ist offen. Doch ein Fan ist sich sicher: "Was stattdessen auf dem Sendeplatz laufen wird, kann nur schlechter werden."



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