Holofernes vernascht Judith
08.03.2010
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Premiere Oliver Karbus hat am Stadttheater Fürth Friedrich Hebbels Tragödie "Judith" inszeniert. Leider überzeugen nur die beiden Hauptdarsteller – und nicht auch das restliche Ensemble.

Natalie Forester als verführerische Judith und Thomas Lackner als lüsterner Holfernes im 4. Akt von Friedrich Hebbels Tragödie "Judith", den Oliver Karbus in Fürth als ausgiebiges Festmahl zeigt. Foto: Thomas Langer
Das ist schade, denn dadurch bekommt der Abend, der nur dann fesselt, wenn Holofernes und Judith deutlich im Mittelpunkt stehen, immer wieder Durststrecken. Während die zwei Hauptdarsteller ihren Figuren ein differenziertes und glaubwürdiges Profil geben, überzeugt kaum einer der anderen neun, zum Teil in Mehrfachrollen geforderten Profidarsteller. Im Gegenteil: Manches wirkt geradezu laienhaft und unfreiwillig komisch – ein Möchtegern-Tragödientheater, das nur schwitzt.Dabei sind die inszenatorischen Vorgaben nicht schlecht. Klaus Gasperi hat eine kalte, finstere Containerwelt auf die Drehbühne gestellt, auf deren Rückseite ein etwas wärmerer, aber staubtrockener, ärmlicher Wohnblock samt Autowrack die Handlung in die Gegenwart im Nahen Osten transferiert. Auch die Kostüme von Christiane Becker sind heutig. Thomas Lackner als Holofernes ist ein Typ wie aus "Clockwork Orange" und "Apokalypse Now" zusammen. Was sofort überrascht, ist, dass dieser zynische Macho mit dem gefährlichen Blick jede Menge Schmuck um den Hals trägt. Das Geklimper, das seine Ketten machen, gibt ihm von Anfang an eine besondere, ja sogar weibliche Note, bringt ihn sofort in die Nähe Judiths, von der sich seit Jahrhunderten viele Maler ein auch mit Schmuck beladenes Bild gemacht haben.
Unerfüllte Sexualität
Während Lackners Holofernes seine Blutbahn fast spielerisch leicht durch diese von Gewalt geprägte und von gewaltbereiten Jasagern bevölkerte Welt zieht, hat Natalie Forester als Judith es nicht ganz so leicht. Denn die Inszenierung zeigt sie eben nicht einfach als Gotteskriegerin und etwas andere Jungfrau von Orleans. Wenn diese Judith den Ruf Gottes nach großer Tat verspürt, geht es in Wahrheit auch um etwas anderes: um unerfüllte Sexualität, um unausgesprochene Wünsche der jungen Witwe, die sich plötzlich ihr T-Shirt auszieht und damit nicht nur ihren Oberkörper entblößt.
Der Höhepunkt, der lang vorbereitete Showdown im 4. und 5. Akt, ist die Fahrt nach Fürth allemal wert. Wie Judith sich Holofernes gewissermaßen schon vorab einverleibt, indem sie ihn in seinen schlechten Essmanieren, in seiner Körpersprache imitiert und spiegelt, muss man gesehen haben. So kommt sie auf Augenhöhe mit ihm, so kann sie sich auf ihn einlassen – bis zur letzten Konsequenz.Was im Bett passiert, sieht man nicht. Aber man hört, dass es ihr, die doch darauf hingefiebert hat, keinen Spaß macht. Erst als sie sich benutzt und beschmutzt fühlt, kommt ihr der Mord wieder in den Sinn. Von wegen Ruf Gottes! Am Ende merkt man dieser Judith an, dass sie an gar nichts mehr glaubt: Wenn sie sich den Kopf des Holofernes als Kindsbauch unters Hemd stopft, weiß die Unselige längst, dass sie rettungslos verloren ist.
Termine
11., 12., 13., 16., 17., 18. und 19. März jeweils um 19.30 Uhr im Stadttheater FürthKarten Telefon 0911/9742400
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