"Dummes Pack, alle miteinander!"

11.03.2010   Von: Monika Beer  inFranken.de

Premiere In "Klamms Krieg" von Kai Hensel brilliert Gerhard Fehn als der nach und nach ausrastende Lehrer Klamm. Das E.T.A.-Hoffmann-Theater präsentiert das Stück an verschiedenen Spielorten in den Bamberger Stadtteilen.


Gerhard Fehn kapituliert als Lehrer Klamm zumindest vor keiner Kakerlake. Fotos: Ingrid Rose
Wer wie ich in der Schule lange immer die Kleinste war, ist es gewöhnt, ganz vorne zu sitzen. Bei der Premiere von "Klamms Krieg", dem im Jahr 2000 uraufgeführten Monolog von Kai Hensel, der sich in einem Klassenzimmer abspielt, bin ich fast automatisch in die erste Bankreihe gegangen – auch wenn in manchen Blicken der dann übliche Streber-Hintergedanke zu spüren war. Im Nachhinein darf ich sagen: Es hat sich unbedingt gelohnt. Denn je näher einem dieser peu à peu ausrastende Lehrer Klamm kommt, umso mehr geht einem das Stück unter die Haut.

Dass das E.T.A.-Hoffmann-Theater nur die Premiere improvisatorisch in den Theatertreff legte, hat Methode. Denn mit der fesselnde siebzig Minuten dauernden Produktion zieht das Theater in die Schulen und in die Stadtteile hinaus, an Spielorte und in kleine Säle, die sich ohne viel Aufwand in ein Klassenzimmer verwandeln lassen. Einfache Stühle und Tischreihen, vorne eine Tafel, ein in die Jahre gekommenes Lehrerpult und ein paar Requisiten genügen Regisseurin Cécile Kott für ein authentisch wirkendes Szenarium. Eigentlich fehlt nur noch der typische Geruch, aber der ist ja in jedem (Schul-)Haus anders.

Zumindest zu Beginn sind es altbekannte schulische Standardsituationen, die das mit dem Jugendtheaterpreis 2002 ausgezeichnete Stück entwickelt. Und sich damit eben nicht nur für jugendliche Zuschauer ab fünfzehn empfiehlt. Sondern für alle, die die Schulbank gedrückt haben und sich mit der nicht erst seit Erfurt und Winnenden brennenden Frage beschäftigen wollen, wie an Schulen Gewalt, Zwänge und Abhängigkeiten entstehen.

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"Sie betreten ein Klassenzimmer und die Ablehnung schlägt Ihnen entgegen wie eiskalter Wind. Kennen Sie das Gefühl?"

Klamm in "Klamms Krieg"
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Das Stück beschränkt sich konsequent, aber ohne eindimensionale Schuldzuweisungen auf die Sicht eines Pädagogen, dessen Deutschleistungskurs nach dem Freitod eines Abiturienten jegliche Mitarbeit verweigert. Das Schweigen der Klasse bringt den längst zwischen Berufsethos und Burnout aufgeriebenen Klamm zum Reden und auf die Palme – aber wie!

Gerhard Fehn, der selber Realschullehrer war, bevor er als Schauspieler und Regisseur das Metier wechselte, spielt das Solo Klamms brillant und facettenreich. Wenn er vom pädagogischen Eros spricht, geschieht das mit der gleichen Überzeugungskraft wie sein allmähliches, erst von Wagnerklängen, dann vom Whiskey befeuerte Ausrasten. Er ist schon rein körperlich durchaus eine Respektsperson – ein Lehrer alter Schule, dem man es abnimmt, dass er eine pädagogische Mission in sich fühlt. Aber eben auch einer, der sich im Kampf mit der Institution Schule in befremdliche Obsessionen geflüchtet hat. Mal geistreich, ironisch und zynisch säuselnd, mal brutal und vulgär brüllend enthüllt er eine Blockwartmentalität, die es in sich hat.

Am Schluss, nachdem er sich ganz real über seine Kollegen und die aus seiner Sicht perspektivlosen Schüler ausgekotzt hat, zieht er eine Pistole – und schafft es, auch wenn jeder weiß, dass die Browning nicht echt und nicht geladen ist, damit die zu seinen Schülern mutierten Zuschauer vollends zu verstören. Denn die Nähe, die Direktheit dieser Theaterproduktion packt einen ganz unmittelbar.

Termine und Karten

Vorstellungen Malerviertel: 12.3., 19 Uhr, Erlöserschule; Gartenstadt: 17.3., 19 Uhr, Kunigundensaal, Joseph-Otto-Kolb-Str. 1; Bamberg-Mitte: 18.3., 19 Uhr, Immer Hin, Dr.-v.-Schmitt-Str. 20; Wunderburg:
19.3., 19 Uhr, Haus der evangelischen Jugend, Egelseestr. 51; Bamberg-Nord: 23.3., 18.30 Uhr, Jugendzentrum, Margaretendamm 12a; Gaustadt: 24.3., 17 Uhr, superGau, Gaustadter Hauptstr. 44; Bamberg-Südwest: 25.3., 20 Uhr, Gemeindezentrum St. Urban, Babenbergerring 26a; Bamberg-Ost: 26.3., 19 Uhr, Filterlos, Ohmstr. 10a; Uni Innenstadt: 28.4., 20 Uhr; Uni Feldkirchenstraße: 29.4., 20 Uhr.

Karten gibt es an der Theaterkasse, E.T.A.-Hoffmann-PLatz 1, sowie unter Tel. 0951/873030.




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