Bruno Weil - Verfechter der großen Meister

01.09.2010   Von: Katia Rathsfeld, dp  inFranken.de

Musik Bruno Weil liebt das 18. und 19. Jahrhundert. Für den Dirigenten sollten Geigen Darmsaiten haben und Oboen klappenfrei sein. So wie es zu Zeiten von Beethoven und Haydn war. Vom 2. bis 5. September dirigiert er beim Klang & Raum-Festival im Kloster Irsee.


Ein undatiertes Handout zeigt den Dirigenten Bruno Weil. Foto: Thomas Otto/dpa
Wenn Bruno Weil seinen Taktstock in der Hand hält, taucht er tief in die Vergangenheit ein. Sobald die ersten Töne von Joseph Haydns Symphonie Nr. 99 in Es-Dur erklingen, springt der Dirigent von seinem Stuhl auf wiegt sich im Klang der Musik. Gespielt wird das Konzert an diesem Spätsommertag vom Tafelmusik Orchestra im Kleinen Goldenen Saal in Augsburg. Die Kanadier sind Spezialisten für historische Instrumente. Beim Klang & Raum-Festival im schwäbischen Kloster Irsee werden sie von Donnerstag bis Sonntag mit der Haydn- sowie zwei Schubert-Symphonien und Beethovens "Egmont" zu hören sein.

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Weil mit den Musikern aus Toronto zusammen. In beinahe unveränderter Besetzung. "Es gibt nix besseres", sagt der 61-Jährige. Bei seinen Konzerten komme es auf Feinheiten an und die könne man nur durch jahrelanges Zusammenarbeiten herausfiltern. Das Tafelmusik Orchestra gibt es bereits seit mehr als 30 Jahren. Zehn Wochen im Jahr tourt die Truppe durch die Welt.

"Das Spielen auf einem historischen Instrument ist zehnmal schwerer als auf einem modernen", erklärt Weil im spätbarocken Festsaal. So hätten die Bläser und Hörner anders als moderne Instrumente keine Ventile. "Die Löcher halten alleine die Finger zu", sagt der Dirigent. Die Streicher hätten außerdem Darmsaiten. "Die sprechen ganz anders." Noch vor 50 Jahren sei wegen des hohen Schwierigkeitsgrads bei Konzerten mit solchen Musikinstrumenten jeder zweite Ton danebengegangen. Heute gebe es hingegen Spezialisten, wie die Musiker aus Toronto, denen das nicht passiert.

Und obwohl die Kanadier das Spiel auf ihren Instrumenten beherrschen, unterbricht Weil das Orchester bei der Probe immer wieder. Dann hören ihm die 40 Profimusiker aufmerksam zu. Haydns Humor müsse in dieser und jener Passage besser zum Vorschein kommen, sagt der Dirigent dann und lässt Haydns Symphonie wieder anklingen.

Die Stücke der alten Meister würden heutzutage häufig verfälscht gespielt, da die Anmerkungen der Komponisten teilweise nicht beachtet oder falsch interpretiert würden. "Die eine Wahrheit gilt es zu finden", betont Weil. Diese Einstellung lernte er auch als einer der letzten Meisterschüler des österreichischen Dirigenten Hans Swarowsky. "Ich bin da genauso radikal wie er."

Nur wenn man auf die Details achte, könne der Gedanke des Komponisten zum Ausdruck gebracht werden, erzählt Weil. Sein Wissen über die Intentionen der Komponisten hat sich der in Augsburg lebende Dirigier-Professor unter anderem durch Briefe der großen Meister angeeignet.

Für die Wirkung der Musik sind neben den Profimusikern auch die richtigen Räume wichtig, wie der 61-Jährige sagt. Besonders Säle aus dem 18. Jahrhundert wie der Kleine Goldene Saal in Augsburg seien akustisch wie gemacht für die historischen Instrumente. "Hier gibt es keine Balanceprobleme."

Auch die ehemalige Benediktinerabtei Irsee, in dem das Orchester beim Klang & Raum-Festival spielt, sei ein idealer Platz. Weil gründete die Musikreihe 1993, um die historische Aufführungspraxis populärer zu machen. Das ist 17 Jahre her. Der Geist der alten Meister lebt seither jedes Jahr wieder in den alten Gemäuern auf - natürlich mit Bruno Weil und dem kanadischen Orchester.



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