Ein positives Presse-Echo im In- und Ausland
07.03.2010
Von: Monika Beer ![]()
Bamberger Symphoniker Rund zwanzig in- und ausländische Fachjournalisten haben den 3. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb begleitet. Auch Ehrendirigent Herbert Blomstedt ist voll des Lobes über den 1. Preisträger Ainars Rubikis.
Das ist gerade auch für jene wichtig, die nicht erfolgreich waren und die aus dem Wettbewerb das Signal mitnehmen, dass sie noch an sich arbeiten müssen, aber vielleicht nicht wissen wie. Ich finde das sehr wichtig, denn der Wettbewerb trifft die Kandidaten in einem Stadium, wo sie überhaupt noch nicht fertige Künstler sind. Viele Weichenstellungen müssen erst noch erfolgen. Und wenn selbst ein Gewinner vor der Frage steht, ob er jetzt die großen Engagements annehmen soll oder lieber eine Kapellmeisterstelle in der Provinz, dann ist so ein Ratschlag enorm wichtig.
Hier in Bamberg habe ich das Gefühl, dass es mehr um eine nachhaltige Arbeit geht – anders als bei vielen anderen Wettbewerben, die nur auf diesen momentanen Effekt abzielen, dass man Sieger verkünden und möglichst auch gleich den neuen Star von morgen präsentieren kann. Ainars Rubikis fing bei den ersten öffentlichen Proben ja sehr verhalten an, aber er hat mich mehr und mehr durch die Intensität und die Ehrlichkeit seiner Arbeit überzeugt, die eben nicht auf den ganz vordergründigen Effekt abzielt, wie ihn vielleicht das Publikum, die Veranstalter, die Agenten eben gerne haben.
Es ist gut, dass die Jury sich nicht für einen Kandidaten entschieden hat, der auf den ersten Blick spektakulärer wirkt, sondern für denjenigen, der nach meinem Eindruck selber am intensivsten und gründlichsten arbeitet. Die Bamberger Symphoniker habe ichschon unter Jonathan Nott bei ihren Gastspielen in Berlin erlebt und hatte immer den Eindruck, das ist ein sehr funktionierendes Orchester ist. Ein Orchester ist ja nicht nur eine Gruppe von Musikern, von denen jeder einzelne sehr gut spielt, sondern auch ein sozialer Organismus. Und es gibt Orchester, wo man lauter Diven sitzen hat, und solche, die eher einem Chor vergleichbar sind, wo bekanntlich auch sehr gute, oft unterschätzte Sänger sind, die aber mehr an einem Gesamtklang, am Gesamtergebnis interessiert sind.
Von daher finde ich es auch sehr passend, dass gerade die Bamberger mit ihrem Gemeinschaftsgefühl diesen Wettbewerb veranstalten. Ein Orchester muss sich eben auch sehr stark einstellen können auf die Kandidaten – und das ist eine enorme Anforderung, die zu bringen andere Spitzenorchester vielleicht gar nicht in der Lage wären. Das sage ich auch aus meiner Berliner Erfahrung heraus, wo man ausgezeichnete Orchester hat, die aber nicht diese Flexibilität und auch diese Nachsicht mitbringen, den Nachwuichsleuten eben zu helfen. “ Ben Finane (33), Chefredakteur der vierteljährlich erscheinenden Fachzeitschrift „Listen“ aus New York, sieht in dem Wettbewerb eine „fantastische Möglichkeit für alle Teilnehmer, und zwar unabhängig davon, wie weit sie kommen, denn mit diesem starken Orchester machen sie in jedem Fall wertvolle Erfahrungen. Und Erfahrung ist das, was jeder Dirigent braucht.
Vor allem auch mit einem Repertoire, das so anspruchsvoll ist und das sie dann hinterher ernsthaft ihr eigen nennen dürfen. Was die Juryentscheidung betrifft, bin ich nicht ganz einverstanden, weil ich ein Fan vom 2. Preisträger war. Aber ich vertraue darauf, dass die Jury ihre guten Gründe hatte. Im Grunde sind beide Gewinner, denn Aziz Shokhakimov ist er 21 Jahre alt, und beide haben sich auf sehr unterschiedliche Weise als starke Dirigenten profiliert.“ Johannes Nebel (36), Chefredakteur der schwedischen Fachzeitschrift „Opus“ aus Malmö, hat erst vor zwei Wochen eine Ausgabe herausgebracht, die ausschließlich Gustav Mahler gewidmet ist. Er lobt vor allem den „diesmal harmonischen Verlauf des Wettbewerbs. 2007 konnten wir alle spüren, dass die Jury es nicht geschafft hat, sich aufeinander einzustimmen.
Die 4. Mahler-Symphonie als Kernrepertoire war besser geeignet als die Erste, welche viel schwieriger für jemanden ist, der so neu in dem Geschäft ist wie diese Nachwuchsdirigenten. Etliche hatten zwar schon ihre Erfahrungen, aber bestimmt nicht die, mit acht verschiedenen Stücken vor einem professionellen Orchester wie diesem zu bestehen und alles zu geben. Und ich bin wirklich gespannt, was beim nächsten Mal passiert! Denn an welche Mahler-Symphonie man auch denkt, es ist eigentlich zu schwer. Was die Juryentscheidung betrifft, so kann ich sehr gut nachvollziehen, warum sie sich für Ainars Rubikis entschieden haben.
Er ist sehr talentiert, hat viel Reife gezeigt in dem, wie er mit dem Orchester kommuniziert und wie er zeigt, was er will. Aziz Shokhakimov, den ich bevorzugt hätte, hat damit noch Probleme, aber dieser Kerl hat mehr Talent als 100 Dirigenten zusammen – auch wenn es immer ein bisschen zu- viel war, was er gemacht hat, oft übertrieben und extrem. Man muss bedenken, dass er erst 21 ist. Wenn man das, was bei ihm jetzt noch zuviel ist, wegdenkt, dann ist er erstaunlich. Wenn er erst in fünf Jahren gekommen wäre, hätte er mit Sicherheit gewonnen. Insofern bin ich einverstanden, den reiferen, der fertigeren Dirigenten zu nehmen. Mona Levin (70), Herausgeberin der norwegischen Fachzeitschrift „Klassisk Mag“, kennt die Bamberger Symphoniker schon von ihren zahlreichen Besuchen beim Kissinger Sommer her: „Ich liebe dieses Orchester, bin ein echter Fan von ihnen, habe etliche Bruckner-Symphonien mit Herbert Blomstedt gehört und letztes Jahr auch mit Jonathan Nott.
Der Wettbewerb jetzt ist eine neue und wundervolle Erfahrung für mich: zu sehen, wie diese jungen Dirigenten arbeiten, und vor allem, wie das Orchester auf sie reagiert, mit so viel Enthusiasmus, ohne jegliche Ermüdung. Und noch großartiger dann, wenn beim Konzert alles zusammenkommt, wenn der sich Bogen über das ganze Werk spannt und nicht nur häppchenweise. Ich glaube, Ainars Rubikis ist der richtige Gewinner, ich glaube, er steht nicht nur vor einer guten, sondern vielleicht auch großen Karriere. Und auch der Jüngere hat meines Erachtens große Chancen, aber er hat noch Zeit. Beim Abschlusskonzert, bei seiner Interpretation von Mahlers Vierter, habe ich ehrlich gesagt gedacht: Wenn es Musik im Himmel gibt, dann muss sie so klingen wie bei Ainars Rubikis.“
Ehrendirigent lobt den Preisträger als „Poet am Pult“
Herbert Blomstedt, 82-jähriger Ehrendirigent der Bamberger Symphoniker und seit 2007 Mitglied der Jury des Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs, der zum Abschluss dieser Saison am 18. Juni in Bamberg und am 19. Juni in der Dresdener Frauenkirche die Bach-Kantante „Ich habe genug“ (mit Gesangssolist Hanno Müller-Brachmann) und Anton Bruckners Symphonie Nr. 2 dirigieren wird, war vom Abschlusskonzert 2010 begeistert.
Im Kurzinterview äußerte sich der schwedische Dirigent am Freitag Abend wie folgt über Ainars Rubikis: „Bei ihm ist eigentlich alles gut. Was ihn unterscheidet von vielen anderen, die vielleicht gleich begabt sind, ist, dass er ein Poet ist, sehr innerlich empfindet, sich selbst nicht ins Zentrum stellt. Und das wirkt sich sofort auf das Musizieren im Orchester aus, auf den Klang. Typen wie er sind leider selten geworden – und sind oft nicht besonders angesehen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass er auch vom Orchester, von der gesamten Jury geschätzt wird – und nicht nur von mir. Bleibt nur zu hoffen, dass das so auch von den Agenten und Managern der Welt gesehen wird. Denn die übliche Präferenz für die mehr extrovertierten, agilen, tanzenden, gymnastisierenden, boxenden Dirigenten ist gefährlich.“
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