Draußen ist es ungemütlich, ein eisiger Wind weht. In 15 Minuten beginnt das Geschäftsessen. Ein junger Mann zögert. Aus dem Lokal hört er Gemurmel, wenn andere Gäste es verlassen oder betreten. Soll er schon hineingehen oder auf die anderen Kollegen warten? Zum Glück trifft eine Kollegin ein - auch sie ist unsicher. Also warten sie gemeinsam noch fünf Minuten. Nun betreten sie das Lokal. Soll er der Kollegin den Vortritt lassen, ihr die Tür aufhalten? Er geht über den schweren, die Schritte verschluckenden Teppich ins Restaurant. Sieht sich unsicher um, findet niemanden. Die Bedienung kommt lächelnd auf ihn zu. „Haben Sie reserviert?“ Was soll er antworten? Endlich findet er im gemütlichen, adventlich geschmückten Nebenraum, die festlich dekorierte Tafel. Die Vorgesetzte steht am hinteren Ende der Tafel. Soll er zuerst die Chefin begrüßen, der Kollegin aus der Jacke helfen oder selbst ablegen?
Viele Fettnäpfchen schon vor der Vorspeise
Bereits zu Beginn des Geschäftsessens gibt es viele Fettnäpfchen, in welche wir Neuntklässler der Mittelschule Gaustadt treten könnten. Wir haben in den letzten Wochen ein Berufseinsteiger-Knigge-Seminar durchgeführt. Unter der Leitung von Sonnhild Schmitt, als Projekt der Schmid-Kayser-Stiftung, haben wir die ersten Schritte zum Berufseinstieg gelernt.
Das Handy bleibt aus
In Gruppen erarbeiteten wir die richtige Begrüßung des Chefs, der Kollegen, aber auch, was zu tun ist, wenn der Chef wütend ist. Erstaunt stellten wir fest, dass am Arbeitsplatz die gleichen Regeln wie in der Schule gelten: das Handy bleibt aus, Hände gehören nicht in die Hosentasche, die Mütze wird im Raum abgenommen und Kaugummikauen ist ein absolutes Tabu. Speziell zum Geschäftsessen lernten wir, dass man respektvoll und in ganzen Sätzen antwortet, wenn man vom Chef angesprochen wird. Im Kollegenkreis sollte man nicht lästern, weder über sein Liebesleben, noch über die letzte Partynacht sprechen. Bei Missgeschicken ist es ratsam, sie gleich zu beichten, sich zu entschuldigen, das Donnerwetter ohne Widerrede einzustecken und anzubieten, den Schaden wieder gut zu machen. Auf gar keinen Fall sollte man die Schuld bei anderen Kollegen oder gar beim Chef selbst suchen.
Immer hübsch höflich bleiben
Das in einem Bamberger Restaurant durchgeführte Jahresabschlussessen ist der Test, ob wir unsere Urkunde wirklich verdient haben und gleichzeitig der krönende Abschluss. Projektkoordinatorin Regina Jans vom Don Bosco Jugendwerk spielt die Chefin.
Natürlich wissen wir, dass man pünktlich sein muss. Also war Marcos Eintreffen zehn Minuten vor Beginn genau richtig. Er hat sich erinnert, Ivone die Tür aufgehalten und ihr aus dem Mantel geholfen, danach die Vorgesetzte begrüßt, mit Handschlag, aber das hängt von der Chefin ab. Mit dem Hinsetzen hat er gewartet, bis die Vorgesetzte das Signal dazu gegeben hat.
Leichte Konversation in ganzen Sätzen
Als nun das vom Restaurant gesponserte Essen, ein Drei-Gänge-Menü beginnt, sind alle so aufgeregt, dass Stille herrscht. Die Servietten liegen gefaltet auf dem Schoß, allen ist klar, das Besteck wird von außen nach innen benutzt. Aber was ist mit den vielen Gläsern, der Wasserflasche am Tisch? Und wozu braucht man das Brot? Die Lehrerinnen Stefanie Tkaczuk und Andrea Seuberth beginnen die Unterhaltung: „Habt Ihr gut hergefunden?“ Jetzt ist es wichtig, gut zu antworten, nicht zu knapp, in ganzen Sätzen, aber auch nicht zu ausführlich.
Rasch wird die Stimmung entspannter, wir haben uns an das erlesene Ambiente des Restaurants gewöhnt, aber der so hübsch nur für uns gedeckte Tisch beeindruckt noch immer. Auch wir haben uns dem Anlass entsprechend gekleidet: schick – aber nicht für die Disco, also tragen die Jungen heute keine Turnschuhe. Am Tisch wird unterdessen den jungen Damen von den männlichen Mitschülern Wasser eingeschenkt. Natürlich sind gute Tischmanieren in einem so feinen Restaurant Pflicht, deshalb heißt es: Ladys first!
Heiße Partynächte bleiben Privatsache
Nun beginnt das Essen, als Vorspeise gibt es einen Salat mit gehobeltem Parmesan und Rindercarpaccio. Das dazu gereichte Brot wird von uns in Stücke gebrochen und so in kleinen Happen verspeist. Schnell erinnern wir uns daran, das Besteck richtig zu halten. Jetzt folgt der Hauptgang: Hähnchenfilet in Sahnesoße auf einem Bandnudel-Gemüse-Bett. Alle essen langsam, nehmen nur kleine Bissen mit der Gabel auf, die vorsichtig mit der Fingerspitze gehalten wird - nicht in der Faust. Die Nudeln dürfen nicht aufgerollt werden, sondern werden klein geschnitten. Die Gespräche werden angeregter, von Aufregung ist nichts mehr zu spüren. Die Lehrer lenken die Gespräche auf die heiklen Fragen: „Was hast Du am Wochenende so gemacht?“ Aber ihnen geht keiner von uns auf den Leim. Man sei mit Freunden aus gewesen – etwas Essen!
Das Dessert, Panna Cotta mit Beeren, verläuft bereits routiniert. Dafür ist natürlich der kleine Löffel da - und die Kuchengabel.
Das Testessen verlief bestens
Am Ende bedanken wir uns bei den Lehrerinnen, bei Jos de Leeuw und Regina Jans, die Jungen helfen den Mädchen in die Mäntel und wir verabschieden uns. Beim Herausgehen halten wir natürlich die Tür auf. Während des gesamten Essens hat kein Handy geklingelt, denn beim gemeinsamen Essen ist man für den Chef und die Kollegen da - und das Handy bleibt aus.
Natürlich kann man das Abschlussessen eines Knigge-Kurses nicht mit einem richtigen Geschäftsessen vergleichen, aber am Ende sind sich alle einig: Dies war eine gelungene Übung für das Essen mit dem Chef, das uns im nächsten Jahr vielleicht schon bevorsteht.
Hätten Sie's gewusst?
1. Wann sollte man zum Geschäftsessen erscheinen?
a) 30 Minuten früher
b) 10 Minuten früher
c) 5 Minuten später
2. Wie sollte man sich kleiden?
a) Jogginganzug reicht, man will es ja bequem haben
b) Die normale Alltagskleidung ist ausreichend, da man sich kennt
c) Elegante Kleidung ist angesagt
3. In welcher Reihenfolge nimmt man das Besteck?
a) Von außen nach innen
b) Von innen nach außen
c) Die Reihenfolge ist unwichtig
4. Bei geschlossenen Gesellschaften ist das Rauchen erlaubt. Darf man nach dem Essen rauchen?
a) Dennoch ist Rauchen tabu
b) Wenn es erlaubt ist, dann darf man
c) Man sollte vor die Türe gehen
5. Wie reagiert man, wenn ein Essen serviert wird, das man überhaupt nicht mag bzw. z.B. wegen einer Allergie nicht essen kann?
a) Man sagt: „Nein, das esse ich nicht!“
b) Man lehnt freundlich ab und lobt das gute Aussehen des Essens.
c) Man isst dennoch und sucht anschließend die Toilette auf.
6. Wie sollte man sagen, wenn man einem Kollegen Rotwein über ein weißes Hemd geschüttet hat?
a) „Ups, das ist Ihnen sicher auch schon einmal passiert!“
b) „Passen Sie doch besser auf!“
c) „Entschuldigung, kann ich vielleicht die Reinigungskosten übernehmen?“
7. Worüber sollte man sich mit seinen Kollegen während des Essens unterhalten?
a) Die Party am letzten Wochenende
b) Das gute Essen
c) Die letzte Beziehung
8. Wohin gehört die Handtasche der Dame?
a) Über die Stuhllehne
b) Auf den Schoß
c) Auf den Tisch
9. Wie viel Trinkgeld gibt man dem Kellner?
a) Man rundet auf ganze Euro auf
b) 10 Euro
c) 10 Prozent des Rechnungsbetrages
10. Wie verabschiedet man sich nach dem Essen?
a) Aufstehen und gehen
b) Sich bedanken und gehen
c) Den Chef auf die Wange küssen und gehen
Sind Sie fit? Richtige Lösungen:
1: b; 2: c; 3: a; 4: a; 5: b; 6: c; 7: b; 8: a; 9: c; 10: b
Autoren: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a, Mittelschule Gaustadt