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Ramsauer würdigt Gaustadter Hauptschüler
Ihre selbst gestaltete Zeitungsseite zum Thema Erste Hilfe und unterlassene Hilfeleistung brachte die Jugendlichen ins Verkehrsministerium nach Berlin.

Stolz nahmen die Schüler sowie Lehrerin Andrea Seuberth und Schulleiter Manfred Paczulla die Glückwünsche von Peter Ramsauer (Mitte) entgegeben. Foto: dpa
Berlin/Gaustadt - Berlin, Dienstag, 11.30 Uhr: Aufgeregtes Gemurmel im Bundesverkehrsministerium, wir 17 Neuntklässler der Hauptschule Gaustadt warten gespannt auf den Hausherren. Lange dauert es, doch dann ist der große Moment gekommen:Das Blitzlichtgewitter geht los – Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer betritt die Bühne.
Nach einer kurzen Begrüßung fällt plötzlich der Name unserer Schule: „Ich bitte die Gewinner in der Jahrgangsstufe 7./8. von der Hauptschule Gaustadt zu mir auf die Bühne“, sagt er mit einer einladenden Handbewegung. Er schüttelt jedem die Hand, lächelt uns freundlich an. In seiner Hand hält er unsere Urkunde und liest sie allen Anwesenden laut vor: „Die Gaustadter Hauptschüler haben mit ihrer Arbeit eindrucksvoll gezeigt, wie Jugendliche Verantwortung für mehr Verkehrssicherheit übernehmen können.“
Stolz und aufgeregt sind wir plötzlich die Stars, denn nun stehen wir im Rampenlicht und werden von allen Seiten abgelichtet.

Vorfahrt für sicheres Fahren

Als im letzten Jahr die Teilnahme am Projekt "Vorfahrt für sicheres Fahren - Jugend übernimmt Verantwortung", ausgeschrieben war, bewarben wir uns, da zunächst das Angebot vier Monate lang ein Freiexemplar das Fränkischen Tages zu erhalten, für uns sehr verlockend war. Als wir dann, bei der genaueren Themenwahl uns stärker mit den Fragen Verkehr und Verkehrssicherheit beschäftigten, wurde uns rasch klar, dass diese Problematik uns wirklich interessiert. Denn jeden Tag sterben 14 Menschen auf Deutschlands Straßen; täglich werden 1000 zum Teil schwer verletzt. Da wir bereits seit der siebten Klasse als Schulsanitäter tätig waren, war uns schnell klar, dass unser Beitrag etwas mit Erster Hilfe zu tun haben sollte.

Warum schaut jeder Dritte weg?


Zu diesem Zeitpunkt häuften sich Meldungen, in welchen von brutalen Überfällen durch Jugendliche auf Passanten die Rede war - und was uns fast noch mehr entsetzte - keiner der Vorbeikommenden half. Deshalb beschäftigte uns am meisten die Frage: Weshalb reagieren Menschen so? Somit war der zweite Punkt unserer Aufgabenstellung auch rasch klar: unterlassene Hilfeleistung und Unfallflucht.
Nach einigen Diskussionen in der Klasse und Recherche in Büchern und im Internet, wurde deutlich, dass wir unbedingt Experten brauchten.

Wir interviewten Experten


Für den rechtlichen Aspekt, interviewten wir Dr. Antje Raschka, eine Bamberger Verkehrsstaatsanwältin. Die Folgen einer Unfallflucht verdeutlichte uns Dieter Löffler, ein Rettungsassistent des Bayerischen Roten Kreuzes ebenso, wie er unser Wissen über richtige Erste Hilfe auffrischte. Über seine Erfahrungen zu diesem Thema konnten wir auch den Polizisten Peter Fichtner befragen. Blieb noch die Frage, die uns am meisten beschäftigte: Warum überlassen Passanten ein Opfer seinem Schicksal?  Das versuchte uns der Verkehrspsychologe Martin Berger zu erklären. Seiner Erfahrung nach reagieren viele Menschen in schwierigen Situationen mit einem Fluchtimpuls.

Ein schockierender Selbstversuch

Durch seine aufschlussreichen Informationen, fassten wir den Entschluss eine solche Unfallsituation nachzustellen und selbst zu untersuchen, ob Passanten in Gaustadt helfen. In dieser  nachgestellten Unfallsituation reagierten die Passanten, dann aber genau so, wie Martin Berger es uns vorhergesagt hatte - nur etwa jeder Dritte half.  Zwar konnten wir uns jetzt erklären, weshalb die Menschen so handelten, dennoch waren wir vom Ergebnis geschockt!

Wir konnten unseren Artikel nicht mehr sehen


Nun begann allerdings erst die richtige Arbeit, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen sollte. Die Autorenteams begannen ihre Beiträge zu schreiben, andere kontrollierten korrigierten, gaben die Beiträge wieder an die Teams zurück, die sie verbesserten und bei den Mitwirkenden nachfragten, Lücken im Beitrag füllten und den Artikel wieder zur Korrektur gaben. Der Artikel wurde wieder und wieder bearbeitet und zwar so lange bis wir ihn nicht mehr sehen, geschweige denn lesen wollten. Schließlich erlöste uns Isabelle Epplè davon, half uns beim Kürzen der Artikel und Layouten der Seite. So lernten wir die schwierige und oft nervige Arbeit eines Journalisten kennen und schätzen.

Unterstützung von allen Seiten

Nicht nur bei der Vorbereitung und Durchführung des Projektes erhielten wir von allen Seiten Hilfe und Unterstützung, sondern auch, im Dezember, nachdem wir die Nachricht erhalten hatten, dass wir in der Kategorie der Jahrgangsstufen 7/8, den ersten Preis erzielt haben. Denn in die Freude über den Gewinn mischte sich Traurigkeit, denn nur drei Schüler sollten mit unserer Lehrerin Frau Seuberth zur Preisübergabe nach Berlin fahren dürfen. Wir standen vor der unlösbaren Aufgabe drei Schüler aus unserer Mitte zu bestimmen. Aber wer hatte es am meisten verdient? So kamen wir zu dem Entschluss - entweder fahren wir alle - oder keiner! Dank der Unterstützung des IZOP- Instituts, des Fränkischen Tages und der Sparkasse, fuhren wir alle nach Berlin.

Wir können nur allen Klassen raten: macht bei diesem Projekt mit!

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