Für ein Projektseminar schreiben Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums Lebensläufe mit und über Menschen mit geistiger Behinderung. Vor kurzem haben die Jugendlichen ihre Werke den Menschen geschenkt, die sie ein Jahr lang immer wieder besucht und begleitet haben.
Angelina Becker, Paula Pankarter, Jannis Schubert und Robin Köhler überreichen Wilfried Motzelt seine Biografie.
Bild/Autor: Svenja Fluhrer
Freudentränen fließen, als Agnes ihr Leben – aufgeschrieben in Form einer Biografie – entgegennimmt. „Es war schön“, sagt sie und meint damit das vergangene Jahr, in dem Agnes sich regelmäßig mit Schülern des Franz-Ludwig-Gymnasiums zur Biografiearbeit getroffen hat. Angefangen hat alles vor eineinhalb Jahren: Damals bot Ulrich Koch, Deutschlehrer am Franz-Ludwig-Gymnasium, zum ersten Mal das Projektseminar „Biografiearbeit mit geistig behinderten Menschen“ in Kooperation mit der Lebenshilfe Bamberg für die neue Oberstufe an. Noch gab es kein bewährtes Konzept, denn ein solches Projekt hatte es an der Lebenshilfe Bamberg zuvor nicht gegeben.
Das Wichtigste: eine Vertrauensbasis
So mussten die Schüler gemeinsam mit Koch und Dorothea Langer und Mike Wolf von der Lebenshilfe Bamberg die Umsetzung der Idee neu erarbeiten. Wie soll die Biografie am Ende aussehen? Wo trifft man sich mit den Partnern aus der Lebenshilfe und vor allem: Wie gelingt es einem, eine Vertrauensbasis aufzubauen, die es einem als Schüler möglich macht, mit einem erstmal fremden Menschen über gute und auch schlechte Erfahrungen im Leben zu reden und diese schließlich in Schriftform zu bekommen? „Am Anfang hatte man natürlich Angst, weil man nicht wusste, wie man mit behinderten Menschen umgehen muss“, erzählt Zwölftklässlerin Paula Pankarter über ihre Unsicherheit zu Beginn des Projekts. Paula verfasste in einer Gruppe von vier Schülern eine Biografie über zwei Mitarbeiter der Lebenshilfe. Angelina Becker war ebenfalls bei ihr in der Gruppe und findet im Nachhinein, dass es einfach war, Vertrauen aufzubauen: „Das Projekt war unproblematisch, weil es auch ganz normale Menschen sind.“
Bei einer Tasse Kaffee ging's in die Vergangenheit
Agnes, die Porträtierte, empfand die Arbeit mit den Schülern wiederum auch nicht als schwer. Meistens wurde bei einer Tasse Kaffee über die Familie, unternommene Reisen, die Arbeit, aber auch über Verluste und Sorgen geredet. Außerdem besuchten die Schüler ihre Biografie-Partner zu Hause, ließen sich deren Lieblingsplätze zeigen oder malten und bastelten zusammen.
Ein wenig Melancholie
So gewannen sie Einblick in den Alltag und das Leben ihrer Partner. Kein Wunder, dass sich bei der offiziellen Biografieübergabe in der „Grünen Oase“ der Lebenshilfe-Werkstatt unter die fröhliche Stimmung auch ein wenig Melancholie mischt. „Es hat mich glücklich gemacht zu sehen, wie die Schüler sich entwickelt haben und wie sie und die Mitarbeiter der Lebenshilfe aufeinander zugegangen sind“, resümiert Lehrer Ulrich Koch.
„Es war definitiv interessant“, meint Paula und fügt hinzu, dass ihr das Projekt zudem gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass behinderte Menschen in unsere Gesellschaft integriert werden.
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