Özil rennt viermal mehr als Beckenbauer
22.05.2011
Ort: Bamberg Von: Sarah Bernhard ![]()
Kinder-Uni Fußball war am Samstag das große Thema. Nicht nur vor dem Fernseher, sondern auch bei der letzten Vorlesung der Frühlings-Kinder-Uni Bamberg.

Professor Stefan Voll erklärt Kindern bei der Kinder-Uni Bamberg, warum Fußball klasse ist. Fotos: Barbara Herbst
Der Ex-Bundesliga-Profi hat alle Fragen beantwortet - auch die unangenehmen. 150 Mal stand er für den Club auf dem Rasen und hat dabei 13 Tore geschossen. So richtig viele sind das nicht, wie er selber zugibt. Er erklärt:"Ich war ja nur Verteidiger, da schießt man nicht so viel aufs Tor." Ein Eigentor war auch dabei, aber darüber will er dann doch nicht länger reden.
Bevor die Kinder Jörg Dittwar befragen konnten, war aber Stefan Voll an der Reihe. Er ist Professor für Sportwissenschaft an der Universität Bamberg. Denn bei der Kinder-Uni sollen die Teilnehmer die Universität so kennenlernen, wie sie ist. Und dazu gehört nicht nur ein Hörsaal im Markushaus, sondern auch ein richtiger Professor.
Stefan Voll erzählte zum Beispiel, warum Fußball so beliebt ist: Einerseits braucht man nicht viel, um Fußball zu spielen. Ein Ball reicht. Und nicht mal der muss unbedingt sein: "In Afrika spielen die Kinder manchmal mit einer Blechbüchse, weil sie kein Geld für einen Ball haben. Spaß macht es ihnen trotzdem." Außerdem kann jeder mitreden: "Robben", "Messi", "Özil" oder "Iniesta", riefen die Kinder, als er nach dem berühmtesten Fußballer fragte. Einen berühmten Volleyball-Spieler kannte dagegen keiner.
Fußball ist in Deutschland so beliebt, dass fast jeder das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2010 zwischen Deutschland und Spanien angeschaut hat. Aber Fußball ist nicht überall der Sport Nummer Eins, eigentlich nur in Europa und Südamerika. In Nordamerika etwa spielen mehr Menschen Basketball.
Außerdem erklärte Stefan Voll, auf welche Arten sich die Uni mit dem Thema Fußball beschäftigt. "Vielleicht habt ihr schon gehört, dass jemand sagt: Der Beckenbauer, der würde die Mannschaften von heute schlagen! Aber das ist wahrscheinlich falsch." Denn die Uni hat untersucht, wie weit ein Spieler pro Spiel rennt. Früher waren das 2,8 Kilometer, also etwa von der Bamberger Innenstadt nach Gaustadt. Heute rennt ein Fußballer durchschnittlich 14 Kilometer, also von Bamberg nach Hirschaid.
"Ganz wichtig ist, dass Fußballer sich ordentlich benehmen, weil sie Vorbilder sind", betonte Professor Voll. "Robben hat mal den Schiri beleidigt", erzählte daraufhin Jan. "Das ist nicht gut" antwortete der Professor, weil Ihr dann sagt: Wenn Robben das so macht, mache ich das ab jetzt auch so." Fußball solle eigentlich dazu dienen, besser miteinander umzugehen, im Team zu arbeiten und mehr miteinander zu reden. "Das wird dann auch später im Berufsleben mal wichtig", prophezeite er.
Manchmal ist es aber gar nicht so einfach, Vorbild zu sein. Stefan Voll zeigte ein Bild von der WM. Darauf zu sehen war Torwart Manuel Neuer und ein Ball, der eindeutig hinter der Torlinie ist. "Der Schiedsrichter hat das Tor nicht bemerkt, aber Neuer hat natürlich gesehen, dass der Ball drin war und hat nichts gesagt", erklärte Voll. "Dann wären ja auch alle böse gewesen", warf Florian ein. "Das war aber trotzdem nicht fair", antwortete Kai. "Doch, das ist die Rache für 1966, als England gewonnen hat", rief Dennis. Eine Abstimmung ergab: etwas mehr als die Hälfte der Kinder hätte es wie Manuel Neuer gemacht und dem Schiedsrichter nicht Bescheid gesagt.
Ein wichtiges Thema war auch das Geld. Denn gute Spieler bekommen ziemlich viel Gehalt. So verdiente Ronaldo, als er noch spielte, rund sieben Millionen Euro im Jahr. Deshalb kann zum Beispiel der FC Bayern mit dem Geld aus allen verkauften Eintrittskarten nur einen ganz kleinen Teil seiner Ausgaben bezahlen. Er braucht Sponsoren, Fernsehgelder und so weiter. Das ist auch der Grund, warum nicht alle Bundesliga-Spiele am Samstagnachmittag stattfinden, erklärte Stefan Voll. "So kann das ganze Wochenende lang Fußball im Fernsehen kommen, nicht nur ein paar Stunden."
"Wisst ihr, welches große Fußball-Ereignis dieses Jahr bei uns stattfindet?", fragte dann Luzia Scheuring, die Assistentin von Stefan Voll. "Frauen-Fußball-WM" riefen einige Zuhörer. Die finden viele Erwachsene blöd, wissen aber meist gar nicht genau, warum. Denn eigentlich ist die deutsche Frauen-Fußballmannschaft ziemlich gut. Von 342 Spielen hat sie 233 Spiele gewonnen, also mehr als die Hälfte! "Außerdem gibt es mittlerweile über eine Million Spielerinnen bei uns", sagte Luzia. "Das ist schon ziemlich viel."
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