Eigentlich rast der Astronaut

11.06.2010   Von: Stefan Fößel  inFranken.de

Kinderfrage Der neunjährige Martin aus Mitwitz-Neundorf wollte wissen, warum man im Weltraum schwebt. Physikprofessor Ingo Rehberg kann erklären, welche Kräfte hier wirken.


Der amerikanische Astronaut Steve Robinson arbeitet schwerelos am Roboterarm einer Raumfähre. Foto: Imago
Bestimmt habt ihr das auch schon mal im Fernsehen gesehen: Astronauten stehen in ihrer Raumkapsel in der Luft und müssen sich festhalten, damit sie nicht an die Decke knallen. Manchmal arbeitet auch einer draußen, das nennt man dann Weltraumspaziergang. Lässt der Astronaut allerdings sein Werkzeug los, ist es weg, ganz bedächtig trudelt es davon.


Mit 28 000 km/h unterwegs


Im All fällt eben nichts runter, das hat auch Martin aus Mitwitz-Neundorf erkannt. "Wieso schwebt man im Weltraum?" - diese Frage hat er an unsere Zeitung gestellt. Der Physiker Ingo Rehberg von der Universität Bayreuth weiß die Antwort: Es ist eigentlich gar kein Schweben. Stattdessen wirken da zwei Kräfte, Schwerkraft und Geschwindigkeit. Denn auch wenn die Bilder aus dem All so ruhig aussehen, sind die Astronauten ganz schön schnell unterwegs, die Internationale Raumstation ISS kreist mit 28 000 Stundenkilometern um die Erde - fast 100-mal so schnell wie die Höchstgeschwindigkeit eines Formel-1-Autos.


Wie ein riesiges Karussell


"Die Astronauten rasen also mit einer extrem großen Geschwindigkeit in einer Kreisbahn um die Erde", erklärt Professor Rehberg. Nun ist es so wie in einem riesigen Karussell, die Astronauten werden nach außen gezogen, durch die so genannte Fliehkraft. Gleichzeitig wirkt aber auch die Schwerkraft (die auch als Gravitation oder Erdanziehungskraft bezeichnet wird) weiter, die dafür sorgt, dass auf Erden immer alles schön am Boden bleibt. Daneben ist die Entfernung zur Erde auch ziemlich groß, die ISS befindet sich 342 Kilometer über dem Boden.

So werden die Astronauten und Gegenstände im All weder davongeschleudert noch zur Erde zurückgezogen. Stattdessen bleiben sie in der "Mitte", das sieht dann so aus, als ob sie schweben würden. Die Astronauten, die mit der Raumstation unterwegs sind, müssen aufgrund der Schwerelosigkeit einiges beachten, das auf der Erde sonst keine Rolle spielt.


Lieber keine Kartoffelchips essen


Sie haben ganz andere Toiletten und viele Gegenstände müssen befestigt werden, damit sie nicht davonfliegen. Es ist zum Beispiel keine gute Idee, Kartoffelchips mitzunehmen. Die verteilen sich sonst überall in der Raumstation, wie viele andere Lebensmittel und Gewürze. Pfeffer wirkt dann wie Staub und kann die Messinstrumente beschädigen.

Deshalb gibt es an Bord meistens Tütenessen. Das soll zwar manchmal nicht so gut schmecken - dafür kann man damit bröselfrei durchs All reisen.



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