Das Gehirn regelt den Schlaf

30.07.2010   Von: Sebastian Martin  inFranken.de

Schlaf Patricia (10) aus Bamberg will von uns wissen: Was passiert beim Schlafen und warum träumt man? Hier ist unsere Antwort.


Im Schlaf erholt sich der Körper, im Gehirn erfolgen Lernprozesse. Foto: Wolfgang Thieme dpa/ Archiv
Was haben in die Schule gehen und Hausaufgaben machen mit unserem Schlaf zu tun? Nichts, denkt ihr euch sicher. Falsch. "Sehr viel", sagt Dr. Dora Triché. Die Oberärztin für Innere Medizin am Bruderwald-Klinikum Bamberg erklärt auch warum: "Der Wach- und Schlafzyklus beim Menschen dauert 25 Stunden, der Tag hat aber nur 24 Stunden, deshalb brauchen wir Rituale, um unseren Rhythmus anzugleichen." Die äußere Uhr tickt anders als die innere Uhr. Und die Rituale, also regelmäßige Wiederholungen von Mahlzeiten oder tägliches In-die-Schule-Gehen regulieren diesen Unterschied.


Die innere Uhr bestimmt


Der Wechsel von Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Das kann man an den Astronauten im All beobachten, die auch schlafen müssen und wieder aufwachen, ohne dass die Sonne scheint oder ein Wecker klingelt: "Das Gehirn regelt den Tagesrhythmus zwischen Aktivität und Schlaf", sagt Triché.

Wenn wir müde sind, dann sendet unser Gehirn Nachrichten an den Körper, der dann merkt, dass es Schlafenszeit ist: Der Herzschlag wird langsamer, der Blutdruck und die Körpertemperatur sinken, bis das Gehirn selbst einschläft.

Im Schlaf durchleben wir dann unterschiedliche Phasen: Es gibt den Leichtschlaf, den Tiefschlaf und den sogenannten Rem-Schlaf, in dem wir hauptsächlich träumen. Alle Schlafphasen folgen etwa vier bis sechs Mal aufeinander pro Nacht. Der Leichtschlaf wird genauso wiederholt wie die anderen Schlafstadien, er ist aber besonders wichtig am Übergang von Wachsein und Schlaf, denn er bereitet unseren Körper auf den Tag vor. Im Tiefschlaf entspannen sich unsere Muskeln dagegen komplett, wir nehmen Störungen von außen nur noch gering wahr, unser Körper und unser Gehirn können sich dann erholen.

"Unser Gehirn ist im Schlaf aber nicht im ,Ruhezustand‘, sondern bleibt aktiv", sagt Triché. Anhand der Rem-Schlafphase kann man das am deutlichsten erkennen. "Rem" ist eine Abkürzung für den englischen Ausdruck "Rapid Eye Movement" (sprich: räpid ei muhfment), was "schnelle Augenbewegung" bedeutet. Hier sind die Augen sehr lebhaft. Und hier träumen wir auch am häufigsten. "Träumen ist wie das Schlafen eine Eigenschaft des Gehirns", erklärt Triché. In anderen Phasen wird zwar auch geträumt, aber in der Rem-Phase erleben wir Träume besonders intensiv und emotional.


Das Gehirn lernt im Schlaf


Was in der Traumphase passiert, können die Ärzte nicht genau sagen, denn sie haben keinen direkten Zugang zu den Traumwelten. Sie wissen aber, dass Informationen, die wir am Tag aufnehmen, in der Nacht weiter verarbeitet werden. Das Gehirn "denkt nach" und entwickelt sich in der Rem-Phase weiter: Wir lernen im Schlaf ständig dazu. "Deshalb haben Säuglinge und kleine Kinder viel mehr Rem-Schlaf als Erwachsene", sagt Triché. Wenn ihr also mal nicht auf die Lösung einer schwierigen Mathematikaufgabe kommt, keine Sorge - manchmal geht das wie im Schlaf: Es kann nämlich sein, dass ihr am nächsten Morgen aus dem Bett aufspringt und sagt: "Ich hab's!"



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