Kleiderständer lächeln nicht

11.05.2010   Von: Sebastian Martin  inFranken.de

Mode Mara (5) aus Hallstadt will von uns wissen, warum Models auf dem Laufsteg immer so komisch schauen. Hier kommt unsere Antwort.


Ein Model auf dem Laufsteg in Paris in Frankreich Foto: Jean-Christophe Marmara/dpa-Archiv
Heute ist Heidi Klum ganz berühmt. Früher war das anders. Als sie Anfang der neunziger Jahre beim Wettbewerb "Model 92" in der TV-Show "Gottschalk" teilnahm, kannte die Bergisch Gladbacherin noch keiner. Solche Fernsehshows waren damals selten. Heute gibt es jedes Jahr eine neue Staffel von "Germany's Next Topmodel" mit Heidi Klum. Ihr fragt Euch jetzt sicher, was das alles damit zu tun hat, wie Models auf dem Laufsteg schauen?


Exklusiv und unnahbar


Also. Zu der Zeit als Heidi Klum noch gar nicht entdeckt war, waren Topmodels wie von einem anderen Planeten. "Topmodels galten als Ausnahme und waren einfach wie ein Traum", sagt Rainer Martin, Fotograf und Leiter der Lichtwerkstatt in Bamberg. "Normale" Mädchen konnten diesen Beruf nur ganz schwer erreichen.

Durch die ganzen Fernsehshows und massenhaften Castings, also Veranstaltungen bei denen Mädchen für den Laufsteg ausgesucht werden, hat sich das geändert. Jetzt scheint es so, als ob jedes Mädchen ein Topmodel werden könnte. Vielleicht habt Ihr ja auch schon mal darüber nachgedacht über den Laufsteg zu laufen?

Aber ein Topmodel oder ein Superstar ist super und nicht alltäglich. Da die Models weiterhin etwas Feenhaftes haben sollen, schauen sie kühl und distanziert, sonst wären sie ja nicht super. Aber wieso haben Models schon früher so komisch geschaut?

Damals, bevor Heidi Klum bekannt wurde, hat man noch zwischen Fotomodellen und Mannequins einen Unterschied gemacht. "Mannequin" (sprich: Mannekäh) kommt aus dem Französischen und bedeutet "Schaufensterpuppe". Seit den achtziger Jahren trennt man das aber nicht mehr. Ein Model kann also auf dem Laufsteg laufen oder für Fotos posieren. Die Mode, die Topmodels präsentieren, ist sehr besonders und sehr teuer. Das nennt man "Haute Couture" (sprich: Oht Kotür). Meist soll da etwas Extravagantes gezeigt werden. Extravaganz bedeutet, dass jemand etwas Außergewöhnliches präsentiert, das nicht so oft zu finden ist. Also sind die Topmodels nicht im Vordergrund, sondern die Mode.


Nur Schaufensterpuppen


"Letztlich zeigen die Models die Kleider. Es sind also keine eigenen Charaktere erwünscht", sagt Rainer Martin, der schöne Frauen fotografiert. Deshalb schauen die Models auf dem Laufsteg so einheitlich streng. "Ein breites Lächeln würde da zu sehr ablenken", sagt auch Nathalie Parsa. Die 20-Jährige ist Model. Das macht die Stegauracherin in ihrer Freizeit. Sie präsentiert also keine Haute Couture, dafür darf sie auch mal fröhlicher wirken, wenn sie über den Laufsteg läuft.

Das ist bei den Topmodels aber anders, die müssen so "komisch" schauen, sonst wäre das nichts Besonderes mehr. Und Heidi Klum wäre immer noch in Bergisch Gladbach.



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