Bis zum Horizont und weiter

27.04.2010   Von: Sebastian Martin  inFranken.de

Geografie Sarah (10) aus Bamberg will von uns wissen: Wieso kommt kein Mensch bis zum Horizont? Hier ist unsere Antwort.


Der Horizont ist unendlich weit - auch der hier im Landkreis Forchheim. Foto: Barbara Herbst
Ihr kennt sicher Udo Lindenberg, den deutschen Sänger mit dem Schlapphut und der Sonnenbrille. Der hat mal gesungen: "Hinterm Horizont geht's weiter" - und da hat er recht. Denn das, was wir als Horizont sehen, ist gar nicht der wirkliche Horizont. Der hat nämlich gar kein Ende.


Wie sehen wir den Horizont?


Der Himmel ist für uns immer oben, wir sind auf der Erde und immer unten. Für uns ist der Horizont also da, wo der Himmel auf die Erde trifft. Wenn ihr euch umschaut, dann könnt ihr den Horizont meistens nicht sehen. Das liegt daran, dass Bäume, Häuser oder Hügel im Weg sind. Aber wenn ihr auf einem Berg steht, freie Sicht habt und über die Hindernisse wegschauen könnt, dann könnt ihr die Linie zwischen Himmel und Erde sehen - das ist der sichtbare Horizont.

"Das sind die am weitesten vom Beobachter entfernten Konturen der Erdoberfläche", erklärt uns Professor Dr. Horst Drechsel von der Sternwarte in Bamberg. Die Konturen sind die oberen Begrenzungen von Hindernissen. Wenn ihr also in die Ferne schaut, dann seht ihr die Gipfel von Bergen, die Spitzen von Wäldern oder einfach nur gerade Ebenen.

Jetzt stellt euch mal vor, ihr steht am Strand oder auf einem Schiff und schaut auf das Meer, dann könnt ihr die Konturen der Meeresoberfläche sehen. Wenn ihr eine klare Sicht habt, das Meer ruhig ist und ihr weit genug blicken könnt, dann könnt ihr auch noch was anderes feststellen: nämlich dass der Horizont nicht aus einer geraden Linie besteht, sondern gekrümmt ist. Das kommt daher, weil die Erde keine Scheibe ist, sondern eine Kugel. So könnt ihr also den Horizont sehen. Aber kann man auch zu ihm laufen?


Der theoretische Horizont


Es gibt den theoretischen Horizont, wie uns Horst Drechsel weiter erklärt. Der theoretische Horizont heißt in der Sprache der Forscher "theoretisch", weil er eigentlich nicht da ist - denn der Horizont ist unendlich. Obwohl wir denken, dass er irgendwo aufhören muss, da wir das mit unseren Augen sehen. Diesen theoretischen Horizont benutzen Herr Drechsel und andere Forscher in der Astronomie, um zu bestimmen, wo sich Sterne befinden oder Planeten.

Wir Menschen brauchen eine Orientierung, um Entfernungen abzuschätzen und uns eine Vorstellung von einem Raum machen zu können. Horst Drechsel als Forscher macht das mit einem Trick: Da die Erde eine Kugel ist, stellt er sich den Himmel auch als eine Kugel vor. Diese Kugel geht dann um die Erde noch mal herum. Dann könnt ihr euch den theoretischen Horizont so vorstellen: Der ist da, wo die Himmelskugel mit der Ebene zusammentrifft, wo ihr steht.

Aber wenn ihr jetzt los laufen würdet - oder besser: fliegen würdet - und versuchen wollt, bis zum Horizont zu kommen, dann würdet ihr dort nie ankommen. Weil: so ein theoretischer Horizont, mit dem Herr Drechsel Berechnungen anstellt, ist nicht wirklich da. Denn die Himmelskugel ist unendlich weit ausgedehnt und nur in den Gedanken der Forscher vorhanden. Also ist auch der Horizont unendlich weit.

Das, was ihr seht, ist also eigentlich nicht vorhanden. Egal, wo ihr steht, der Horizont ist immer gleich weit entfernt und deshalb nie erreichbar: Hinter dem Horizont geht's immer weiter.



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