Wikileaks-Spur führt zu jungem Obergefreiten
30.07.2010
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Konflikte Auf der Suche nach dem Maulwurf hinter der Veröffentlichung von über 90.000 US-Militärakten durch das Internetprojekt Wikileaks führt die Spur immer konkreter zu einem 22-Jährigen Obergefreiten.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte angekündigt, entschlossen und "aggressiv" nach der undichten Stelle zu suchen. Bei der Untersuchung soll die Bundespolizeibehörde FBI helfen, teilte Gates am Donnerstag mit. US-Generalstabschef Michael Mullen griff den Chef der Website, Julian Assange, scharf an. Er warf ihm vor, die Sicherheit anderer Menschen aufs Spiel zu setzen, um seine eigene Meinung deutlich zu machen. Manning rückt nun in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Bisher hatte ihn das Verteidigungsministerium lediglich als "Person von Interesse" bezeichnet. Er ist bereits wegen eines anderen Informationslecks angeklagt, bei dem es um die Wikileaks- Veröffentlichung von drastischen Videoaufnahmen einer tödlichen US-Hubschrauberattacke im Irak geht, die im April für Aufsehen sorgte. Dabei waren unter anderem zwei Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters durch den Beschuss gestorben. Erste Untersuchungen seines Computers hätten ergeben, dass Manning vertrauliche Dokumente aus dem Afghanistan-Einsatz heruntergeladen hatte, schrieb die Zeitung. Mannings Spezialgebiet ist eigentlich der Konflikt im Irak. Das Militär untersucht auch, ob er Zivilisten herangezogen hat, um das Geheimaterial an Wikileaks weiterzuleiten. Freunde und Bekannte des 22-Jährigen wurde nach Angaben der Zeitung von Militärermittlern befragt. Sie wollten feststellen, ob sie in letzter Zeit E-Mails oder Post von Manning erhalten haben.
Manning sei inzwischen auf den Marineinfanterie-Stützpunkt Quantico in Virginia gebracht worden, berichtete der US-Sender FoxNews. Es habe seit Ende Mai in Kuwait in Haft gesessen und sei in zwölf Fällen wegen der Verletzung von Armeevorschriften angeklagt - alle im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Hubschrauber-Videos. Es sei nur wegen der komplizierten Vorwürfe mit einer längeren Untersuchungshaft zu rechnen, hieß es weiter. Die im Internet veröffentlichten Unterlagen sind größtenteils Jahre alt, stammen aus der Zeit zwischen 2004 und 2009. Sie enthalten weitgehend bekanntes Material, aber auch teils detaillierte Angaben über die Art und Weise militärischer und geheimdienstlicher Operationen. "Die Folgen der Veröffentlichung auf dem Schlachtfeld können ernst und gefährlich für unsere Truppen, unsere Verbündeten und afghanischen Partner sein", sagte Gates. "Und sie können sehr wohl unsere Beziehungen und unser Ansehen in diesem Schlüsselteil der Welt beschädigen." Assange uns sein Portal Wikileaks könnten über das Gute, das er und seine Quelle zu verfolgen glaubten, sagen, was er wolle, so Mullen. "Aber die Wahrheit ist, dass sie schon das Blut eines jungen Soldaten oder einer afghanischen Familie an ihren Händen kleben haben könnten." Mullen sagte, dass die Veröffentlichung der Unterlagen zwar keine Auswirkungen auf die Afghanistan-Strategie hätten. Aber "das schiere Ausmaß und die Reichweite der Sammlung" zwängen zu einer "sorgfältigen Prüfung, in welchem Maße künftige taktische Operationen betroffen und das Leben unserer Soldaten und afghanischen Partner gefährdet sein könnten". dpa
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