UN-Bericht: 346 Kinder in Afghanistan getötet

24.02.2010     inFranken.de

Afghanistan Im Afghanistan-Konflikt sind nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr 346 Kinder getötet worden. Wie die UN-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, am Mittwoch in Kabul mitteilte, kamen allein bei Luftangriffen der internationalen Truppen 131 Minderjährige ums Leben.


Soldaten in Afghanistan Foto: dpa
Mindestens 22 seien bei nächtlichen Militäroperationen von Spezialeinheiten getötet worden. Die radikal-islamischen Taliban sind den Angaben zufolge für den Tod von 128 Kindern verantwortlich. Bei neuen gewaltsamen Zwischenfällen im Land sowie im benachbarten Pakistan starben unterdessen mindestens neun Menschen.

Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) hatte bereits im Januar erklärt, dass der Konflikt am Hindukusch im Jahr 2009 mehr Zivilisten das Leben gekostet als je zuvor seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Dabei seien Aufständische wie die Taliban für etwa zwei Drittel (67 Prozent) der Toten verantwortlich gewesen. 25 Prozent der Opfer hätten Militäroperationen verursacht.


"Anlass zur Sorge"


Weiter sagte Coomaraswamy, der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF, Stanley McChrystal, habe ihr bei einem Treffen noch einmal versichert, vor allem Kinder bei Militäraktionen besser zu schützen. Die aktuelle Entwicklung gebe jedoch "Anlass zur Sorge". Allein in den vergangenen eineinhalb Wochen waren fast 50 Zivilisten bei Operationen der internationalen Truppen getötet worden, darunter viele Kinder. Erst am Sonntag starben 27 Menschen bei einem NATO-Luftschlag in der Provinz Urusgan. 15 weitere waren zuvor während der Offensive "Muschtarak" im benachbarten Helmand getötet worden.

Ausländische und afghanische Truppen setzten unterdessen die seit eineinhalb Wochen in Helmand laufende Großoffensive gegen die Taliban fort. Nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF vom Mittwoch ging die Zahl der gewaltsamen Zwischenfälle zurück. Angriffe der Extremisten seien jedoch weiterhin eine Gefahr für Sicherheitskräfte und Bevölkerung, hieß es. An der Operation "Muschtarak" ("Gemeinsam") sind 15.000 Soldaten beteiligt.

Ranghoher Beamter erschossen


In der an Helmand angrenzenden Provinz Kandahar erschossen Bewaffnete am Mittwoch einen ranghohen Beamten der Provinzregierung. Wie die Polizei mitteilte, wurde der Direktor des Amtes für Information und Kultur auf dem Weg zur Arbeit überfallen. Drei Extremisten starben bei einem Gefecht im Einsatzgebiet der Bundeswehr in der nordafghanischen Provinz Kundus. Ein Regierungssprecher sagte, die Aufständischen hätten das Haus eines ins Regierungslager übergelaufenen Taliban-Kommandeurs angegriffen.

Bei einem mutmaßlichen US-Luftangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan kamen zudem fünf Taliban-Kämpfer ums Leben. Wie am Mittwoch aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, wurden zwei weitere Aufständische verletzt, als die von einer Drohne - einem unbemannten Flugzeug - abgefeuerten Raketen ein Haus im Stammesgebiet Nord-Waziristan zerstörten. Die Region gilt als Schutz- und Rückzugsraum radikal-islamischer Extremisten, die von dort aus Ziele in Afghanistan angreifen. dpa



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