Papst wird bald sein Schweigen brechen
15.03.2010
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Kirchen Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben.
Das Schweigen des Papstes sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit" des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache, betonte Kardinal Fisichella. Ob der Hirtenbrief an die irischen Bischöfe auch ausdrücklich auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, ließ er offen. In Irland ist Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche seit langem ein Thema. Zwei Untersuchungsberichte hatten im vergangenen Jahr tausendfachen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der Kirche dokumentiert. Der Papst hatte irische Bischöfe deshalb vor kurzem nach Rom zitiert. Der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, gerät zunehmend unter Druck, lehnt aber einen Rücktritt ab. Nur der Papst könne ihn zu solch einem Schritt bewegen, sagte Brady am Montag.
"Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchskandale hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei", kritisierte Kardinal Fisichella. Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass in Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) ein Priester nach Missbrauchsvorwürfen von Essen nach München versetzt worden war. In Bayern verging sich der Priester erneut an minderjährigen Jungen. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), der auch Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken ist, bescheinigte der Kirche eine schwere Glaubwürdigkeitskrise. Im ARD-Morgenmagazin sagte er: "Die Kirche muss mit sich ehrlicher und strenger sein; und das gilt natürlich auch für den Papst." Das Vertrauen in die Kirche sei schwer erschüttert: "Gerade für eine Institution, die moralische Autorität beansprucht, sind strengere Maßstäbe anzulegen - selbst wenn man weiß, dass es Kindesmissbrauch nicht nur unter dem Dach der Kirche gegeben hat." Auch CDU-Chefin und Kanzlerin Merkel mahnte eine gesamtgesellschaftliche Debatte an, da es nicht nur um sexuellen Missbrauch in der katholische Kirche gehe.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in der katholischen Kirche einen "respektablen Kurswechsel" im Umgang mit Tätern und Opfern. Neben einer offensiven Aufklärung sei aber auch eine wirksame Prävention nötig, machte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Montag) deutlich. Potenzielle Täter fürchteten am meisten das Risiko, dass eine Tat entdeckt werden könnte. "Daher ist alles gut, was die Anzeigebereitschaft der Opfer fördert", betonte Pfeiffer. Denkbar wäre nach seiner Ansicht ein Angebot an alle Schülerinnen und Schüler auch an katholischen Schulen, unter ihren Lehrern eine Vertrauensperson als Ansprechpartner oder - partnerin für sexuellen Missbrauch zu wählen. dpa
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