Europäer verweigern schnelle Hilfen an Athen

09.02.2012   Ort: Brüssel/Athen  Von: Von Christian Böhmer und Arne Meyer, dpa  

Die griechische Regierung einigt sich nach langem Ringen auf ein hartes Sparpaket - doch die Euro-Partner dringen auf verbindliche Zusagen aus Athen. Die Finanzminister der Euro-Länder verhandelten in Brüssel über ein neues, milliardenschweres Hilfsprogramm.

Griechische Münze
Droht Griechenland der "große Knall"? Foto: Federico Gambarini

Ein Kompromiss am Donnerstag sei aber noch nicht möglich, berichteten Diplomaten nach mehrstündigen Verhandlungen am Abend. Endgültige Beschlüsse könnten frühestens in der nächsten Woche fallen.

«Es ist nun an der griechischen Regierung, die europäischen Partner zu überzeugen, dass das neue Paket funktionieren kann», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Das Programm soll einen Umfang von mindestens 130 Milliarden Euro haben. Diplomaten zufolge fordern stabilitätsorientierte Länder wie Deutschland schriftliche Garantien aus Athen, Reformen tatsächlich umzusetzen.

Rehn sagte, es gebe auf Mitarbeiter-Ebene eine Vereinbarung zwischen der griechischen Regierung und der «Troika» von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). «Diese Vereinbarung auf technischer Ebene wird nun eingehend von den Ministern der Eurozone geprüft.» Die Troika hatte das neue Programm verhandelt.

IWF-Chefin Christine Lagarde begrüßte die «sehr ermutigenden Nachrichten», die aus Athen kämen. Vor der Brüsseler Krisensitzung hatten sich die Regierungsparteien in Athen auf ein Sparpaket geeinigt. Es sieht neue, erhebliche Einschnitte vor: Niedrigere Mindestlöhne, eingefrorene Gehälter und weniger Staatsdiener.

Selbst bei der bis zuletzt umstrittenen Rentenkürzung gab es nach Angaben aus Athen eine Einigung. Bis 2015 soll Griechenland so insgesamt 14 Milliarden Euro sparen, allein dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Freitagmorgen in Berlin die Partei- und Fraktionschefs über den Stand der Griechenland-Hilfen unterrichten. Das verlautete aus Koalitionskreisen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte: «Die Verhandlungen sind weit vorangeschritten, aber wir sind noch nicht so weit.» Er forderte ein Programm, dass die Gesamtverschuldung Griechenlands bis Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt. Derzeit sind es rund 160 Prozent. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sagte: «Es gibt viele Unklarheiten.»

Die obersten Kassenhüter antworteten nicht auf Fragen, ob die EZB und nationale Notenbanken bei der Griechenlandrettung mit ins Boot genommen werden sollen.

EZB-Chef Mario Draghi saß mit am Verhandlungstisch. Der Italiener hatte zuvor in Frankfurt deutlich gemacht, dass die EZB ihren gigantischen Bestand an griechischen Staatsanleihen im Schätzwert von 45 Milliarden Euro zu Geld machen könnte. Möglich ist, die Gewinne über die Euroländer an Athen weiterzureichen. Maßgeblich für die Gewinne wäre der jeweilige Anteil der Länder am EZB-Kapital.

Bisher wurde in Griechenland nur über einen Schuldenschnitt der Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen verhandelt. Nach Aussage des griechischen Ressortchefs Evangelos Venizelos gibt es mit den Bankenvertretern eine erste Einigung auf die sogenannte Privatsektor-Beteiligung.

«Wir haben auch eine Vereinbarung mit den Privatgläubigern auf die grundlegenden Faktoren der Privatsektor-Beteiligung», sagte er in Brüssel. «Wir brauchen politische Unterstützung der Eurogruppe, um die letzten Schritte zu machen.» Der freiwillige Schuldenschnitt ist ein Baustein des neuen Hilfspakets für Griechenland. Er soll die griechischen Staatsschulden von rund 350 Milliarden Euro um rund 100 Milliarden Euro mindern.



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Kommentare

 
3  Kommentare  
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Karl_Kraus - 09.02.2012 23:02    (0)   
 

Es wäre für alle Beteiligten ...
... inklusive der deutschen Steuerzahler billiger gewesen, diesen Operetten-Eurostaat vor langer Zeit geregelt finanziell abgewickelt zu haben. Dann wäre die Euro-Krise, wie das wohl heißt, schon lange entschärft, denn das wäre genau das Signal gewesen, das die Spekulanten gebraucht hätten. Aber wie hat der Oggersheimer schon in den 1990er Jahren erkannt: "Sie kann's nicht."

ciao - 09.02.2012 23:26    (0)   
 

#1 dolles deudsch: „…denn DAS wäre genau DAS Signal gewesen, DAS die …“
´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´
Darl Draus, Du dist duper!

Karl_Kraus - 09.02.2012 23:47    (0)   
 

Von Sprache ...
... verstehen sie also auch nichts. Armesch Luder, dasch ...

Mal ganz abgesehen davon, daß Sie nichts Sachliches beitragen. aber das erwartet ja schon niemand mehr von Ihnen, liebster Ulenspegel.

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