Öffentlicher Dienst: Forderung nach 6,5 % mehr Geld
09.02.2012 Ort: Berlin Von: Von Bettina Grachtrup, dpa
Im öffentlichen Dienst droht eine harte Tarifauseinandersetzung. Die Gewerkschaften fordern für die rund zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Geld - mindestens aber 200 Euro.
Die kommunalen Arbeitgeber bügeln die Forderung als «illusorisch» ab. Sie verweisen auf die hohen Schulden der öffentlichen Kassen und eine sich abschwächende Konjunktur. Die Gespräche beginnen am 1. März.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb beschlossen ihre Tarifforderung am Donnerstag in Berlin. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Neben der Metallbranche, für die ebenfalls 6,5 Prozent gefordert werden, gilt der öffentliche Dienst als Schwerpunkt der diesjährigen Tarifverhandlungen.
Verdi-Chef Frank Bsirske begründete die Tarifforderung damit, dass die letzte Lohnsteigerung die Inflationsrate nicht ausgeglichen habe. «Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mussten im vergangenen Jahr Reallohnverluste von 0,6 Prozent hinnehmen», sagte er. «Dadurch hat sich der Abstand zu den Einkommen der Privatwirtschaft weiter vergrößert.» Schon heute gebe es einen Fachkräftemangel bei Erziehern und in der Pflege.
Der Chef des Beamtenbundes, Peter Heesen, sagte, 2011 habe der öffentliche Dienst rund sechs Prozent hinter dem allgemeinen tariflichen Lohnzuwachs zurückgelegen. Der Arbeitsplatzabbau habe zu einer enormen Arbeitsverdichtung für die Beschäftigten geführt. «Wenn wir nicht die Zukunft unseres Gemeinwesens verzocken und im Wettbewerb um immer knapper werdende Fachkräfte unterliegen wollen, muss jetzt eine spürbare Erhöhung der Einkommen her», sagte er. Das Tarifergebnis müsse am Ende - wie in den Vorjahren - auch auf die Bundesbeamten, Richter und Soldaten übertragen werden.
Der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA), Thomas Böhle, entgegnete: «Die Forderungshöhe der Gewerkschaften ist völlig aus der Luft gegriffen. Sie steht in keinem Verhältnis zu den finanziellen Möglichkeiten der Kommunen.» Würden die Forderungen umgesetzt, kämen Mehrkosten in Höhe von rund sechs Milliarden Euro auf die Kommunen zu. Der Schuldenstand der Kommunen habe 2011 eine Rekordsumme von 128,7 Milliarden Euro erreicht.
VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann widersprach auch der Darstellung der Gewerkschaften, wonach die Beschäftigten einen Nachholbedarf hätten. «Ein Nachholbedarf würde bedeuten, dass die Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst geringer waren als in der Gesamtwirtschaft, und dass nun genügend Geld da sei, einen Nachschlag zu finanzieren. Beides trifft nicht zu.»
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der für den Bund verhandelt, verwies darauf, dass die Wirtschaftsprognosen der Bundesregierung für 2012 nur noch ein Wachstum von 0,7 Prozent sehen. Er bezeichnete die Gewerkschaftsforderungen als «zu hoch». «Die Gewerkschaften stellen sogar noch höhere Forderungen als 2011 gegenüber den Ländern, trotz sinkender Wachstumsprognosen.» Friedrich erwartet nach eigenen Angaben schwierige Verhandlungen.
Nach dem Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März in Potsdam sind zunächst zwei weitere Verhandlungen bis Ende März vorgesehen. Bei der vergangenen Tarifrunde im Jahr 2010 hatte es erst nach Warnstreiks und einem Schlichterspruch einen Kompromiss gegeben.
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Kommentare
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@ #4Roth:
Roth, in der Privatwirtschaft würde niemand einen Beschäftigten aus dem öffentlichen Dienst mehr nehmen, da deren Kenntnisse dort einfach nicht benötigt werden.
Wer in der Privatwirtschaft nimmt einen Justizbeamten, wer einen kommunalen Angestellten, der 20 Jahre lang für die Müllabfuhr oder Friedhofsamt zuständig war ?
Der Verdienst im öffentlichen Dienst hängt natürlich auch dort von der Qualifikation ab und man kann das Gehalt eines promovierten Richters unmöglich mit dem eines städtischen Gärtnergesellen vergleichen (an manchen Stammtischen wird´s gemacht).
ein Richter kann aber sehr wohl ...
... in die Industrie als Syndikus wechseln und auch ein Finanzbeamter. Ich kenne auch einen mittleren Beamten ( heißt jetzt: der zweiten Qualifikationsebene), der aus der Bewerungsstelle im Finanzamt in einen Industriebetrieb (Steuerabteilung) ging und dort brutto mehr als das Doppelte verdient. Auch ein städtischer Gärtnergeselle kann in die Privatwirtschaft gehen.
Deutsche AN sollten endlich mehr Lohn erhalten, damit
nicht immer Wertschöpfung ins Ausland abfließt.
noch verdient der öffentliche Dienst ...
... recht ordentlich und es gibt auch noch eine Zusatzversorgung für Arbeiter und Angestellte. Auch Zeitarbeit ist noch nicht weit verbreitet bei Bund, Ländern und Gemeinden. Also - bitte Augenmaß; ca. 3,5 Prozent reichen durchaus.
Ordentlicher Verdienst?
An Roth:
Sie meinen also, der öffentliche Dienst verdient recht ordentlich? Sie sind/waren aber sicher nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt? Sonst würden Sie diese Behauptung nicht von sich geben. Alleine Ihr Aussage "Arbeiter und Angestellte" zeugt von Unkenntnis. Seit einiger Zeit gibt es im öffentlichen Dienst keine Unterscheidung zwischen diesen beiden Gruppen, es gibt nur noch Angestellte.
Die Zusatzversorgung wird oft angegriffen, aber wenn Sie -ich weiß es aus eigener Erfahrung- fast ein Drittel weniger Brutto bekommen als für eine gleichwertige Tätigkeit in der sogenannten freien Wirtschaft, dann relativiert sich das alles.
Und das geforderte Augenmaß (ca. 3,5%), es wäre schön, wenn wir eine solche Erhöhung bekommen würden. Nur wenn die Gewerkschaft im Vorfeld bloß 3,5% fordert, dann kommen letztendlich vielleicht einmal 1,5% dabei heraus. Deshalb wohl der hohe Einstieg von 6,1 bis 7% - Erfahrungsgemäß wird nur 1/3 der ersten Forderung errreicht werden.
Seien Sie versichert, ich weiß wovon ich rede. Als ich in der freien Wirtschaft beschäftigt war (immerhin 25 Jahre lang),konnte ich meine Erfahrungen als Betriebsrat sammeln. Seit nun fast 14 Jahren bin ich im öffentlichen Dienst tätig (kein Beamter - nur als Angestellter) und kann auch hier aus Erfahrung reden.
Wenn andere Berufsgruppen wie z.B. die Metaller (vor allem bei VW) nur 30 bis 34 Stunden die Woche arbeiten, dafür aber immer Spitzenbezüge bekommen, ihre meist noch höheren Forderungen stellen, dann sagt kaum einer was. Aber auf den öffentlichen Dienst kann man ja schimpfen, die arbeiten doch eh nichts, gell?
Wie sagt immer der Pelzig: "aufgemerkt!" - auch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben ein Recht auf angemessene Bezahlung. Kaufen und damit die Wirtschaft ankurbeln sollen wir ja auch.
auch nicht ganz korrekt
es gibt nur noch "Beschäftigte"
auch nicht amtlich ...
.. es sind jetzt "Tariflich Beschäftigte" - halt alter Wein in neuen Schläuchen!!!! Der TvöD und der TV-L mussten halt was Neues bringen. Auch zur Abgrenzung von Beamten quasi als "Gesetzlich Beschäftigte".
Gell ich bin ein Klugscheißer und kenne mich im Tarifrecht des öffentlichen Dienstes aus. Und wenn mir SAN-Man sagt was er arbeitet und nach welcher Entgeltgruppe er besoldet wird, dann sage ich ihm was er heute für vergleichbare Arbeit - beschäftigt über die Zeitarbeitsbranche - in der Privatwirtschaft erhält.
Im Übrigen ist niemand gezwungen im öffentlichen Dienst zu bleiben. Ein Tariflich Beschäftigter kann kündigen und in die Privatwirtschaft gehen. Ein Beamter kann seine Entlassung beantragen und wird nach der Entlassung in der Rentenversicherung nachversichert.
Korrekt
Muss natürlich Nervenarzt heißen.
Artzt
Sie sind doch krank oder?
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