Guttenberg muss in die Bütt

31.08.2010   Von: Elke Silberer, dpa  inFranken.de

Ordensverleihung Karl Theodor zu Guttenberg hat im Job sicher wenig zu lachen. Humor wird dem Verteidigungsminister trotzdem nachgesagt. Dafür bekommt er den Orden wider den tierischen Ernst - und muss in die Bütt.


Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Archivfoto: Peter Kneffel dpa
An die Vorstellung muss man sich erst noch gewöhnen: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) setzt die Narrenkappe auf und steigt in die Bütt. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) hat dem derzeit beliebtesten deutschen Politiker den Orden wider den tierischen Ernst angetragen und Guttenberg hat "Ja" gesagt. Das gab der Verein überraschend am Montagabend bei seiner Mitgliederversammlung bekannt.

Guttenberg erhält den Orden für Humor und Menschlichkeit im Amt am 19. Februar 2011 bei einer Festsitzung. Dabei muss der 38 Jahre alte Politiker in das fassartige Rednerpult und seinen Humor in einer Büttenrede beweisen. Die ARD überträgt die Sitzung als Aufzeichnung.

Guttenberg - das ist in der Öffentlichkeit der jugendlich wirkende Senkrechtstarter in der Politik, einer der Klassik und die Musik von AC/DC mag, der Mann aus dem Adelsgeschlecht, der eigentlich immer gut aussieht. Zuletzt hatte er als erster deutscher Spitzenpolitiker die deutschen Bundeswehrsoldaten im Kampfgebiet in Afghanistan besucht. Die Bilder von ihm, wie er in legerem Outfit durch den Staub schreitet, den Schutzhelm in der Hand, sind noch in Erinnerung. Aber Narrenkappe?

Er hat Humor, soll seine Frau Stephanie versichert haben. "Humor ist eine seiner wichtigen Eigenschaften, sagt uns seine Frau", berief sich der AKV - ganz ungewohnt - auf eine Zweitquelle. In ihrer kurzen Begründung konzentrierten sich die Karnevalisten auf andere ritterliche Eigenschaften: Kantig, authentisch, ehrlich und geradlinig sei Guttenberg, ein Mann der klaren Worte. Der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp kommentierte in der "Aachener Zeitung" süffisant: "Na, da hat der AKV ja eine echte Humorgranate gefunden. Ich empfehle volle Deckung."

Die Frage, ob der Orden den Ritter oder der Ritter den Orden ehrt, stellt sich der AKV öffentlich nicht. Guttenberg ist ein zugkräftiger Promi. Zunächst einmal ist es wohl egal, ob Guttenberg ein "Knaller" wird wie Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (2008) oder die Zuschauer langweilt wie einst Edmund Stoiber (CSU). Der Verein steckt im Kampf um die Zuschauer-Quote. Selbst Menschen, die mit Karneval nichts am Hut haben, werden sicher sehen wollen, wie sich der Mann aus dem Frankenland auf der Jecken-Bühne schlägt.

Die Ordensverleihung wider den tierischen Ernst ist seit Jahren bei der TV-Zuschauerquote auf Talfahrt. Die ARD verlegte den Sendeplatz 2009 vom Wochenende auf den Montag. Jetzt geht es darum, die Quote zu halten und nicht ins dritte Programm abzurutschen. Dafür braucht der AKV "Spitzenritter" wie Guttenberg. Aber offensichtlich wollen immer weniger Politiker den Preis, wie aus dem Verein zu hören ist. Auf dem ungewohnten Parkett ist schon manch einer ausgerutscht.

So haben die Medien im letzten Jahr den früheren nordrhein- westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zuerst gefeiert und dann "geprügelt", als klar wurde, dass seine Ritterrede nicht mehr ganz frisch war. Für den früheren CDU-Politiker Friedrich Merz hörte der Spaß auf, als herauskam, dass er seine Ritterrede teilweise aus dem Internet abgeschrieben hatte. Und kaum ein anderer Politiker brauchte für seine Pointen den Tusch der Kapelle so sehr wie Edmund Stoiber.



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