Unesco-Titel der Rhön in Gefahr

15.03.2010   Von: Angelika Röpcke und Jörn Perske, dpa  inFranken.de

Umwelt Sieben Jahren sind vergangen, seit die Unesco den Bundesländern Bayern, Hessen und Thüringen auf die Finger geklopft hat. Die sogenannten Kernzonen im gemeinsamen Biosphärenreservat (BR) Rhön sind zu klein, es müssten mehr solcher unberührten Gebiete her, mahnte die Weltkulturorganisation bei ihrer Überprüfung.


Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger verlangt von Bayern und Thüringen mehr Unterstützung zum Erhalt des Biosphärenreservats (BR) Rhön. Foto: dpa
Während auf der hessischen Seite seit dem vergangenen Sommer intensiv nach möglichen Flächen gesucht wird, dümpeln die Verantwortlichen in Thüringen und Bayern noch vor sich hin.

Mindestens drei Prozent des 185.000 Hektar großen Biosphärenreservats - das sind 5550 Hektar - müssen zwingend bis 2013 als Kernzone ausgewiesen werden. Bisher fehlt mehr als die Hälfte, etwa 2850 Hektar. Sollte das Defizit in drei Jahren noch bestehen und der Unesco-Titel aberkannt werden, wäre das eine Blamage für die Politik. In ganz Deutschland gibt es nur 15 Biosphärenreservate. Weltweit sind es 355.


"Land der offenen Fernen"


Die Rhön ist ein Vulkangebirge. Wegen der freien Gipfel und der guten Weitsicht gilt das Mittelgebirge, in dem 162.000 Menschen leben, als "Land der offenen Fernen". Vor allem bei Wanderern ist das BR im Kernbereich der Rhön mit seinen Basaltkuppen beliebt. Knapp 40 Prozent der Fläche liegen in Bayern, 34 Prozent in Hessen, der Rest gehört zu Thüringen. 1991 erklärte die Unesco die Rhön zum BR und griff der strukturschwachen Region so touristisch unter die Arme.

Bei der Kernzonensuche sind Bund, Land und Kommune gemeinsam gefragt, sagt Wolfgang Sailer vom bayerischen Landwirtschaftsministerium. Den Bund sieht Bayern etwa mit seinem Truppenübungsplatz Wildflecken in der Pflicht und erhofft sich von dem rund 7200 Hektar großen Gelände einige hundert Hektar - bisher vergeblich. "Das stockt. Da gibt es keine Zusage", berichtet Sailer und erklärt: Bundeswehrübungsplätze bräuchten Pufferzonen als Übergang zu den frei zugänglichen Gebieten, die als Kernzonen geeignet wären. Denn schließlich werde in Wildflecken geschossen.

"Die hauptsächliche Fläche muss aus dem Bereich der bayerischen Staatsforsten kommen", sagt die stellvertretende Leiterin der BR-Verwaltungsstelle in Oberelsbach (Landkreis Rhön-Grabfeld), Doris Pokorny. Gemeindeflächen als Kernzonen auszuweisen hätte kaum Sinn, weil sie meist kleiner als ein Hektar seien und nicht zusammenhingen.

Ministeriumsgerangel in München


Bisher sind in Bayern 383 Hektar als Kernzone deklariert, 1801 Hektar mehr müssen es bis 2013 werden. Die zuständigen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft können sich derzeit nicht über Lösungen verständigen. "Ganz konkrete Vorschläge liegen bislang nicht auf dem Tisch", sagt Pokorny. Ministeriumssprecher Sailer sichert zwar zu: "Der Staatswald kommt dafür grundsätzlich infrage." Dafür bedarf es aber eines Gesetzes - hier sei das Umweltministerium gefragt.

Umweltminister Markus Söder (CSU) wiederum schiebt den Ball dem Landwirtschaftsministerium zu: Ohne weitere Staatsforstflächen werde es nicht möglich sein, die erforderliche Größe der Kernzone zu erreichen. Sein Ministerium habe dem Forstministerium bereits Vorschläge zur Erweiterung der Kernzone gemacht. "Wir sind optimistisch und in guten Gesprächen", sagt Söder. Bayerns Naturschützer bezweifeln das. "Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Briefe geschrieben und immer wieder hinhaltende Antworten bekommen", berichtet Helmut Schultheiß vom Bund Naturschutz.

Thüringen arbeitet dran - Hessen braucht Millionen


In Thüringen geht es ähnlich schleppend voran wie in Bayern. Ob die neuen Kernzonen den Staatsforst, Kommunal- oder Privatwald betreffen wird, steht noch in den Sternen. "Derzeit wird eine Fachkonzeption für die Erweiterung der Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön erarbeitet, die 2010 fertiggestellt sein soll", erklärt Andreas Maruschke vom Landwirtschaftsministerium. Danach müssen sich die Waldbesitzer abstimmen.

Hessen hingegen entpuppt sich als Vorreiter. Der hessische Anteil am BR beträgt knapp 65.000 Hektar. Um die geforderte Kernzonen von 1945 Hektar zu erreichen, fehlen noch rund 390 Hektar. Die Lösung des Problems ist nicht billig. "Es müssen Waldflächen angekauft werden, die wir als Kernzone ausweisen können", erklärt der Leiter des hessischen BR-Verwaltungsstelle, Otto Evers, in Gersfeld. Um die nötigen Hektar zu erwerben, müssen 3,8 bis 4 Millionen Euro her. Die Landesregierung in Wiesbaden hat bereits Hilfe signalisiert. "In Bayern klemmt’s augenblicklich noch", sagt Evers, "aber die Bayern sind ja dafür bekannt, dass sie hartnäckig sein können."



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