Politiker fordern Rücktritt von OB Sauerland

30.07.2010   Von: Marc-Oliver von Riegen, dpa  inFranken.de

Loveparade Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland soll gehen - das sagen auch immer mehr aus der Union. Die Wut ist größer als die Solidarität. Doch Adolf Sauerland zeigt sich unbeeindruckt und will bleiben.


Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland Foto: dpa
Die Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen gegen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) werden nach der Loveparade-Katastrophe immer lauter. Neben Wolfgang Bosbach, dem Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestag, legte ihm auch der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, nahe, zu gehen. Dagegen warnte Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU), den OB zum Sündenbock zu machen. Ein Sprecher der Stadt Duisburg bekräftigte am Freitag, Sauerland bleibe im Amt. Bosbach sagte, Sauerland trage die politische Verantwortung und "hafte" damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter. "Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig." Er könne aber auch verstehen, dass Sauerland nicht mit einem Rücktritt den Eindruck eines möglicherweise strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle, sagte Bosbach am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die CSU im Bundestag dringt ebenfalls auf einen Rücktritt. "Auch wenn der Duisburger Oberbürgermeister Sauerland keine Genehmigung persönlich unterschrieben hat, trägt er dennoch die politische Verantwortung für das, was seine Stadtverwaltung tut oder unterlässt", sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn nun Stimmen laut werden, dass Sauerland wegen eines möglichen Verlusts seiner Pensionsansprüche im Amt bleiben will, muss er diesen Vorwurf unverzüglich - am besten durch einen Rücktritt - widerlegen." Der CSU-Politiker forderte einen "Veranstaltungs-TÜV" für Großereignisse. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Krings zeigte sich verwundert, dass sich die Diskussion auf Sauerland konzentriere. "Da machen es sich manche zu einfach", sagte Krings der dpa. "Man hat hier schon das Gefühl, dass ein Sündenbock gesucht wird." Das Problem werde damit nicht gelöst. "Es ist vor allem nicht richtig, dass dann andere Stellen und hier insbesondere der private Veranstalter nicht ebenso in den Fokus rücken." Nötig sei, die Regeln ernster zu nehmen wie etwa die Breite von Fluchtwegen.
Die Loveparade hätte nach Einschätzung des CSU-Innenpolitikers Hans-Peter Uhl "nie und nimmer" genehmigt werden dürfen. Er sieht den Hauptfehler bei Sauerland. "Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion der "Financial Times Deutschland" (Freitag). Eine "Teilschuld" sieht er auch bei der Polizeiführung in Duisburg. Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, forderte, die Verantwortlichen klar zu benennen. Er habe aber auch ein gewisses Verständnis für den abgetauchten Oberbürgermeister, weil dieser Morddrohungen erhalten habe, sagte Schneider im Deutschlandradio Kultur.


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