Kindsmord im Netz geplant

16.06.2010     inFranken.de

Gericht Ein 36-Jähriger soll im Internet-Chat den schweren sexuellen Missbrauch und die Ermordung eines Kindes geplant haben. Seit Mittwoch muss sich der Mann aus dem Schleswig-Holstein vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Der Computer-Spezialist habe sich mit einem bislang noch Unbekannten "im Chat verabredet, um ein Kind zu entführen, zu missbrauchen, zu quälen und zu töten, um die Straftaten zu verdecken", sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Mittwoch vor dem Kieler Landgericht. Zur Tat kam es nicht, der Angeklagte wurde im September 2009 am Computer verhaftet.

Die Polizei stellte bei ihm Chat-Protokolle, rund 200 000 Bilddateien und knapp 2000 Videos mit Kinderpornografie und Darstellungen schwerster Gewalt gegen Kinder sicher. Für die Auswertung der Daten des Angeklagten brauchten Spezialisten vier Monate.

Knapp eine Stunde lang schildert der Ankläger kaum erträgliche Gewaltdetails aus den illegalen Bildern und Videos: weinende Kinder mit schmerzverzerrten Gesichtern, die sich die Augen zuhalten, Kinder mit Hundehalsbändern, im Tierkäfig, bedroht und gequält, schwer verletzt und verstümmelt im Genitalbereich, Bilder von Kinderleichen. "Unmenschliche Grausamkeiten", sagt Bieler.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Laut Staatsanwaltschaft soll er auch Bilder seines damals dreijährigen Sohnes ins Internet gestellt haben - in sexuellen Posen. Im Netz war der Mann im einschlägig pädokriminellen Chat "Zauberwald" als "Goofy" unterwegs. Hier soll der Angeklagte auch einen "Boy-Tausch" mit einem anderen Vater verabredet haben, zu dem es aber ebenfalls nicht kam. Ein Bauernhof im Harz war aber bereits gebucht, der Termin dafür stand fest. Auch ein Betäubungsmittel soll der Angeklagte gekauft haben.

Der damalige Chat-Partner für diesen Söhne-Tausch kam in Handschellen aus der Schweiz ins Gericht nach Kiel. Er hatte mit seiner Aussage den Fall ins Rollen gebracht. Ihm habe der Angeklagte erzählt, dass er seinen Sohn im Schlaf missbraucht habe, sagte der Zeuge. Der Angeklagte habe auch großes Interesse am Missbrauch seines damals sechsjährigen Sohnes gehabt. Der 38-Jährige warf auch ein anderes Schlaglicht auf die Szene: Programmieren und Verschlüsselung der Daten sei Thema im Chat, um nicht aufzufliegen.

Bei der Vernehmung vor Polizei und Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte gestanden haben, dass ihm pädophile Fantasien nach der Geburt seines Sohnes nicht mehr reichten, jetzt dränge es ihn zu Taten. Der Angeklagte haben den Eindruck einer "tickenden Zeitbombe gemacht, sagte ein Polizeibeamter.

Die geschiedene Ehefrau schilderte den Angeklagten unter Tränen als sehr guten Vater, mit einem herzlichen Verhältnis zum Kind. "Er war ein so toller Familienmensch", sagt sie, "deshalb ist alles so schrecklich, das ist, als wenn es gar nicht real ist."



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