Gabriel verteidigt Korrekturen an Hartz IV
16.03.2010
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Soziales Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat die Korrekturforderungen der Sozialdemokraten an den Arbeitsmarktreformen verteidigt. "Wir wollen, dass wieder Fairness auf dem Arbeitsmarkt herrscht", sagte er am Montagabend im "Heute Journal" des ZDF.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte den letzten Punkt am Montag in einer Sitzung der Unions-Fraktion im Bundestag strikt ab: "Das bringt das soziale System durcheinander", sagte sie nach Angaben von Teilnehmern. Damit könnten "Besitzer von sieben, acht Häusern Hartz IV beantragen. Das wäre der absolute Irrsinn", wurde die Kanzlerin zitiert. Die von der SPD vorgeschlagene Schaffung eines "sozialen Arbeitsmarktes" stufte Merkel als ursprüngliche Idee der Linkspartei ein. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte dem Handelsblatt (Dienstag): "Kurz vor der NRW-Wahl will die SPD eine hübsche Braut für die Linkspartei sein und wirft alle finanzpolitische Seriosität über Bord." Auch von der Linkspartei kommt Kritik. Ihr stellvertretender Vorsitzender Klaus Ernst forderte die SPD zu personellen Konsequenzen nach ihrem inhaltlichen Kurswechsel auf. Eine veränderte Politik mit den Verantwortlichen für diese Reform wie Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder dem früheren Generalsekretär Olaf Scholz sei nicht glaubwürdig, sagte Ernst der "Berliner Zeitung" (Dienstag). Dem politischen Kurswechsel müsse nun auch der personelle Wechsel folgen.
Auch SPD-intern wird erste Kritik laut. So sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Garrelt Duin, der "Rheinischen Post" (Dienstag): "Ein vollständiger Wegfall der Vermögensprüfung widerspricht dem Grundsatz, dass nur der die Solidarität der Steuerzahler genießen kann, der dieser Hilfe auch tatsächlich bedarf." Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sagte der Zeitung "Die Welt", die Arbeitsmarktreformen hätten deutliche Erfolge gebracht. "Ich verstehe nicht, wie man das jetzt leichtfertig aufgibt." Ein Mindestlohn von 8,50 Euro hätte gravierende Beschäftigungsverluste zur Folge, warnte Hüther. Gabriel verteidigte in der ARD und im ZDF die vorgesehenen Ausgaben von rund drei Milliarden Euro. "Diese drei Milliarden sind ja vergleichsweise wenig gegenüber den 24 Milliarden Steuergeschenken, die die Union und die FDP verteilen wollen." Sie würden durch Umschichtungen im Haushalt - ohne höhere Schulden und Beiträge - finanziert. dpa
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