Ehec-Detektive stochern im Nebel

07.06.2011     

Infektion Im Ehec-Krimi kommen die Ermittler kaum voran. Auf eine Sprossen-Packung eines Patienten hatten Experten große Hoffnungen gesetzt - doch auch diese Spur hat sich zerschlagen.


Eine Mitarbeiterin des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart (CVUA) hat am Dienstag in der Abteilung Mikrobiologie und Toxigologie des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart (CVUA) in Fellbach Mungbohnensprossen, die in einer Nähr- und Hemmstofflösung in einer Anreicherungsflasche schwimmen, in der Hand. Foto: dpa
Die Ehec-Ermittler haben einen neuen Rückschlag erlitten. Die von einem Patienten aus Hamburg abgegebene Sprossen-Probe ist Ehec-frei, wie Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag sagte. Es sei für alle Beteiligten "absolut unbefriedigend und auch beängstigend, dass die Quelle noch nicht gefunden wurde".

Der 42-jährige Hamburger hatte das Sprossengemüse eines inzwischen gesperrten Hofs in Niedersachsen im Kühlschrank vergessen. Die mehrere Wochen alte Packung hätte den Behörden dabei helfen können, die Infektionsquelle zweifelsfrei nachzuweisen. Erste Laborproben aus dem betroffenen Hof in Bienenbüttel waren am Montag ebenfalls negativ ausgefallen. Der Betrieb war in Verdacht geraten, weil er zahlreiche Lokale und Kantinen beliefert hatte, von denen Gäste erkranken.

Das Vorgehen des niedersächsischen Verbraucherschutzministers mit der Warnung vor Sprossen hält Prüfer-Storcks für richtig. "Ich bin der Meinung: Gesundheitsschutz ist keine Verhandlungssache, geht in jedem Fall vor."

Derzeit sind bundesweit rund 3000 Ehec-Fälle und -Verdachtsfälle registriert. Mindestens 21 Menschen sind nach Angaben von Behörden gestorben. In den besonders betroffenen Ländern Hamburg und Niedersachsen flachte der Anstieg der Infektionszahlen ab. Dagegen ist die Zahl der Menschen, die sich in Schleswig-Holstein mit Ehec ansteckten, innerhalb eines Tages um fast 100 auf 676 gestiegen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) nennt mehrere Gemüsesorten als mögliche Ehec-Träger. Die erste Patientenbefragung, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko nach dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat gezeigt habe, sei durch weitere Untersuchungen bestätigt worden. Nur wenige Erkrankte hätten angegeben, Sprossen gegessen zu haben. "Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist es möglich, dass mehrere Gemüsesorten Überträger des Ehec-Bakteriums sind." Eine neue Studie frage nun speziell auch nach dem Verzehr von Salatzutaten inklusive Sprossen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe keine weiteren Erkenntnisse über die Herkunft der Ehec-Infektionen als die Bundesbehörden, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl in Genf. Er verwies darauf, dass die widersprüchlichen Warnungen der deutschen Behörden vor Gesundheitsgefahren etwa von Gemüse die Lage nicht erleichterten. "Die WHO würde so etwas nur empfehlen, wenn es sehr solide begründet wäre", sagte Hartl. Allerdings war die Organisation wegen ihres Umgangs mit der Schweinegrippe ebenfalls in die Kritik geraten.

NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) verlangte, die Lebensmittelkontrolle solle Sache der Bundesländer bleiben, weil diese Praxis "am angemessensten" sei. "Ich wüsste nicht, wie aus Berlin die konkrete Probennahme bei den Betrieben organisiert werden sollte", erläuterte Remmel am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Die Kontrolleure seien sehr nah an den Betrieben, wo es zudem Informationen über die Lieferbeziehungen gebe. Der Minister räumte aber ein: "In der Koordination, glaube ich, kann man in der Tat etwas verbessern." Für konkrete Manöverkritik sei im Moment keine Zeit.

Hessens Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich (CDU) schlug mit Blick auf die Ehec-Epidemie eine engere Kontrolle der Restaurants und Kantinen vor. Die Küchen sollten noch mehr Proben ihrer Produkte für spätere Untersuchungen zurückstellen, erklärte sie am Dienstag in einem Interview mit dem Radiosender hr-info. Die Ministerin verlangt eine rechtliche Änderung auf Bundes- oder sogar auf europäischer Ebene. Mit diesem Vorschlag will sie zum Ehec-Krisentreffen von Bund und Ländern am Mittwoch in Berlin fahren.

EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos schlug vor, die Gemüsebauern wegen der Ehec-Krise mit 150 Millionen Euro Entschädigungen zu unterstützen. Spanien hatte zuvor mehrfach Entschädigungen für die Einbußen betroffener Bauern gefordert. Spanische Bauernverbände hatten die Verluste auf 200 Millionen Euro pro Woche beziffert, nachdem deutsche Behörden vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt hatten. dpa


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Kommentare

 
4  Kommentare  
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Karl_Kraus - 08.06.2011 00:20    (0)   
 

Nachgeliefertes ...
... "e". Sorry.
Aber er versteht's ja wohl weder mit noch ohne traurig

Adolf - 09.06.2011 21:41    (0)   
 

Was soll
ich denn verstehn mit nem IQ von 20, und davon nutz ich nur die Hälfte. Habt Ihr auch eine Meinung oder nur Freiheit?

Adolf - 07.06.2011 22:19    (0)   
 

Ehec
ist fast so gut wie Fukushima.
Da war ja auch erst mal keine Schmelze, jetzt schon irgendwie, aber da schaut man nicht mehr so genau hin, weil der Schwedengustav ja unbedingt öffentlich pimp... wollte und daß wesentlich wichtiger ist, weil ja immer noch nicht klar ist, ob die Saftschubse Silvia das auch wusste oder tolleriert hat. Und dann keimt ja noch die Frage auf, wer bei der Aktion den Rollstuhl vor und zurückgeschoben hat.
Also, apropos Gurke (Grins), wo kommt denn jetzt der EHEC Erreger genau her? Habt Ihr schon das Bier untersucht? Ich find den Stoff absolut verdächtig, nach jedem übermäßigem Genuss habe ich Durchfall, und wie.
Rote Karte für daß Gesundheitsministerium, Ihr habt keinen Plan und schädigt die Gemüßebauern ohne Ende.

Karl_Kraus - 08.06.2011 00:19    (0)   
 

Heinrich Heine hat gesagt:
"Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man ein hat."

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