Zustimmung und Kritik für Gauck - Ärger in Koalition hält an

21.02.2012   Ort: Berlin     

Die FDP will nach dem Erfolg bei der Nominierung von Joachim Gauck für die Wahl des Bundespräsidenten selbstbewusster gegenüber der Union auftreten. Dort hält der Ärger über den Koalitionspartner an.

Gauck mit seiner Lebensgefährtin
Joachim Gauck im Deutschen Theater in Berlin. Rechts seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

Unterdessen sehen fast 70 Prozent der Deutschen den früheren Bürgerrechtler als gute Wahl. Aber es gibt auch Kritik an Gauck, etwa zu seiner Haltung gegenüber der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung. Und auch über sein Privatleben wird diskutiert.

FDP-Parteichef Philipp Rösler sagte dem «Straubinger Tagblatt» und der «Landshuter Zeitung» (Mittwoch): «Wir haben erfahren, dass wir mit unseren eigenen Erfolgen lauter hausieren gehen müssen.» Und in Anspielung darauf, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Druck der FDP den von SPD und Grünen favorisierten Gauck als künftigen Präsidenten akzeptieren musste, sagte er: «Meine Art von Kämpfernatur äußert sich eher in Zähigkeit und Ausdauer. Wie man ja aktuell gesehen hat.» Der 72-jährige Gauck soll am 18. März von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten gewählt werden.

In Unionskreisen hieß es am Dienstag, zwar gebe es große Verärgerung über die FDP. Das heiße aber nicht, dass die Union nicht weiterhin professionell mit den Liberalen zusammenarbeiten wolle und werde. «Ich finde es beachtlich, dass sich die Liberalen mit SPD und Grünen ins Bett legen», sagte Fraktionsvize Michael Meister dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Nach Einschätzung von Südwest-CDU-Chef Thomas Strobl haben die Liberalen vollkommen überzogen. «Eine Wiederholung eines solchen Verhaltens wird es in der Koalition mit Sicherheit nicht geben», sagte er den «Stuttgarter Nachrichten».

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) rief die Union im «Mannheimer Morgen» zur Mäßigung auf. «Es gibt keinen Grund für persönliche Rachegefühle.» Gauck sei einfach der beste Mann. In der FDP sieht man die Koalition trotz der Niederlage Merkels nicht als beschädigt an. Der FDP-Abgeordnete Burkhardt Müller-Sönksen warnte die Union im «Hamburger Abendblatt»: «Es wäre falsch, jetzt beleidigt an einer Dolchstoßlegende zu stricken.» Dies - und nicht das Agieren der Liberalen - würde den Koalitionsfrieden gefährden.

Anhänger der Linken und der Piratenpartei haben den Kabarettisten Georg Schramm als Gegenkandidaten für Gauck ins Gespräch gebracht. Der frühere Linke-Vorsitzende Oskar Lafontaine sprach in der «Saarbrücker Zeitung» von einem «interessanten Vorschlag». Aus der Parteispitze hieß es aber am Dienstag, die Spekulationen über eine Nominierung des 62-jährigen Kabarettisten seien ohne jede Grundlage. Die Linke will am Donnerstag entscheiden, ob sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt.

Gauck kann derweil auf breite Unterstützung der Bürger bauen. Seine geplante Wahl zum Staatsoberhaupt finden nach Umfragen des ZDF-«Politbarometers» und des Magazins «Stern» 69 Prozent der Befragten gut. 65 Prozent glauben laut Politbarometer nicht, dass Merkel durch die ihr von der FDP zugefügte Schlappe geschwächt ist.

Gauck findet bei Anhängern aller Parteien mit Ausnahme der Linken große Unterstützung. Am stärksten fällt diese bei Unterstützern der Grünen (87 Prozent) und der SPD (82) aus, aber auch 71 Prozent der CDU/CSU-Anhänger und 66 Prozent der Anhänger der Piraten sehen in Gauck eine gute Wahl. Bei den Anhängern der Linkspartei überwiegt mit 58 Prozent die Ablehnung. Wegen einer zu geringen Zahl der Befragten mit FDP-Präferenz gab es bei den Liberalen dazu keine Ergebnisse.

Aber auch Kritik am künftigen Präsidenten wurde laut. Ihm war schon am Vortag vorgeworfen worden, sich etwa nicht deutlich von den Thesen des Integrationskritikers Thilo Sarrazin distanziert zu haben. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sagte dem TV-Sender Phoenix: «Mich stört, dass Herr Gauck eine Reihe von Äußerungen in der Öffentlichkeit getan hat, die mich doch sehr geärgert und zum Teil sogar erschreckt haben.»

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte bei «Spiegel online», Gauck solle auf seine Kritiker etwa aus dem Lager der Occupy-Bewegung zugehen. «Beispielsweise zu Occupy sind wir Grünen ganz anderer Auffassung.» Gauck sei aber ein Mann, der sich mit Argumenten auseinandersetze. «Gauck ist ja nicht Präsident aller, um allen nach dem Mund zu reden.»

Nach Gaucks Nominierung ist auch eine Debatte darüber entbrannt, ob er sich von seiner Frau scheiden lassen und seine langjährige Lebensgefährtin heiraten soll. «Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird», sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der «Passauer Neuen Presse».

Gauck ist seit zwölf Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Linke-Chef Klaus Ernst nannte die Diskussion völlig überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er am Dienstag: «Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu.»

Ungeachtet des Rücktritts von Bundespräsident Christian Wulff will die Niedersachsen-SPD mit einer Verfassungsklage Licht in das umstrittene Promi-Treffen «Nord-Süd-Dialog» bringen. Ex-Innenminister Heiner Bartling (SPD) reichte die Klage der SPD-Landtagsfraktion am Dienstag beim Staatsgerichtshof in Bückeburg ein.



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Kommentare

 
23  Kommentare  
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Brunskunnl - 22.02.2012 08:09    (0)   
 

wer jemanden verurteilen möchte...
....der schaue in den Spiegel.
Wow, jetzt bin ich aber über mich hinaus gewachsen. zwinkern

Dr_Pflichtfeld - 22.02.2012 09:29    (0)   
 

Au ...
... weia! zwinkern

ciao - 22.02.2012 07:36    (0)   
 

Witz
´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´
Eine Geschiedene, ein Vietnamese und ein Schwuler kommen in die Kneipe:
Fragt der Wirt: „Was seid IHR denn für ein komischer Haufen?“
Antwort: „Wir sind die Bundesregierung.“

ciao - 22.02.2012 07:37    (0)   
 

(Ist NICHT von mir! Quelle: „Tagesgespräch“ gestern in BR2.)
´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´

Tegtmeier - 22.02.2012 01:54    (1)   
 

Wat will eigentlich einer, ...
... der getz' über zwanzig Jahre in seine privaten Beziehungskisten keine Art gemacht hat, den Leuten wat erzä#hlen, wie dat all laufen soll nach seiner Meinung. Dat is doch ein ganz armes Würstchen, der nich richtich weiß, wo vorne un hinten is. Und ein Gebrauchtwagen tät ich von dem schon gleich gar nich kaufen. Aber ährlich, woll ...

Steinbruechlein - 21.02.2012 23:12    (1)   
 

Oh ihr ....
...bigotten Spießer!
Was wißt ihr von FJS und seinen Affären....????

Dr_Pflichtfeld - 22.02.2012 09:29    (0)   
 

FJS ist aber auch niemals parteiübergreifend ...
... als jemand "verkauft" worden, dessen Integrität wie der Geist über den Wassern schwebt, und der nur einmal den Mund aufzumachen braucht, und schon ist alles Elend, as die Politikerkaste über uns gebracht hat wiedergutgemacht und alle schauen geeint wieder ehrfürchtig auf zu jenen, die uns voller Weisheit regieren.

Beutebayer - 22.02.2012 09:21    (0)   
 

Ohgottogott, sag's ihm bloß nicht:
Dieser RBB könnte sonst vom Glauben abfallen zwinkern

Auweia - 21.02.2012 22:14    (2)   
 

Ach du liebs Hermännle- noch nicht einmal im Amt und schon
so ein Klamauk
um den Gauck. grinsen

unbekannt - 21.02.2012 21:53    (1)   
 

Gauck ist Christ und Pfarrer!
Da gelten andere Maßstäbe,Christentum hällt er immer noch vor sich hin,wie einen Transparent.Vor 20 Jahren hat er seine Frau verlassen und seit 12 lebt er wilder Ehe,OK,aber es sind auf jeden Fall auch noch heute ungeordnete Verhältnisse! Wenn er jetzt wegen dem Gerede sich zuerst einmal scheiden lässt und dann auch noch heiratet,hat er für mich seine Glaubwürdigkeit total verloren-solche Sachen tut man aus Überzeugung(falls man eins hat) oder gar nicht,nicht wegen Getrasche!!!!

meinemeinung - 21.02.2012 17:29    (1)   
 

Hauptsache der Schein wird gewahrt
RBBamberg, ich schätze Sie so ein, dass für Sie ein vordergründig intakt schon ausreicht.
Ansonsten denken Sie einfach mal an unsere letzten bzw. aktuellen Ministerpräsidenten in Bayern. grinsen

RBBamberg - 21.02.2012 18:50    (0)   
 

Je tadelloser und ehrenhafter sich jemand verhält, desto
eher neige ich dazu ihn zu wählen.
Bei gleicher Eignung kommt für mich ein Geschiedener als Vertreter nicht in Frage:
Wer sich in so wichtigen privaten Dingen irrt, disqulifiziert sich i. d. R. in höchstem Maße selbst.

MalmDelta - 21.02.2012 19:14    (2)   
 

Was sagen Sie denn dann ....
... als bekennender Schwarzer zum Schwarzmauser Seehofer. Der hätte dann nach Ihrer Aussage auch überhaupt keinen Anspruch auf ein politisches Amt.
Schon merkwürdig was sich hier alles so tummelt.
Bis jetzt konnte ich Ihre Aussagen hier wenigstens versuchen zu respektieren, aber jetzt haben Sie sich selber diskreditiert.

RBBamberg - 21.02.2012 17:13    (0)   
 

Ich finde es prinzipiell nicht gut, dass immer mehr Geschiedene
etc. an der Spitze des Staates stehen.
Fr. Merkel z. B. leistet zwar eine ganz gute Arbeit, ich würde sie aber bei einer gleichwertigen Alternative nicht wählen.

eurofan - 21.02.2012 21:37    (0)   
 

Was soll das?
Herr Gauck ist bis dato im Gegensatz zu Herrn Wulff nicht geschieden.

bpquax - 21.02.2012 17:02    (0)   
 

vielleicht bin ich zu konservativ
aber auf jeden Fall weiß ich, dass er, genau wie auch Schröder, Fischer und C0., einmal geschworen hat vor seinem Herrgott: In guten und in schlechten Tagen bis der Tod euch scheidet. Und wenn man so seine Versprechen hält, dann kanns mit dem Charakter gar nicht so weit her sein!
Und jetzt zieht ruhig über mich her, ihr seid ja alle sooo modern!

Lilli5 - 21.02.2012 18:00    (1)   
 

# bpquax..
Hat Gauck denn kirchlich geheiratet?

Schwuuups - 21.02.2012 17:41    (1)   
 

Das hat doch .....
..... mit "sooooo modern" nix zu tun! Zu bedenken wäre doch für einen hochmoralischen Menschen wie Sie, ob es nicht vielleicht seine Frau war, die die Trennung wollte, und Herr Gauck demzufolge gar keine andere Möglichkeit hatte, als sich neu zu orientieren?
Alles hat immer 2 Seiten....

Meckerer - 21.02.2012 16:47    (0)   
 

Schon wieder Probleme
Es ist doch ganz klar, dass die Koalition schnell ein Nachvolger sucht um ihre Handlungsfähigkeit zu zeigen.
Es zeichnen sich aber wieder Probleme, die drohen auch diesen
künftigen Präsident zum Fall zu bringen.
Lieber etwas warten und jemand finden, der wirklich eine ganz weisse Weste hat. Deutschland kann sich nicht leisten wieder ein Wackelpräsident zu wählen, ohne zu einem Lachnummer zu werden.

Laabla - 21.02.2012 14:29    (5)   
 

Meine Güte...
...in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Hat sein Eheverhältnis irgendetwas mit seiner Kompetenz als Bundespräsident zu tun? Nein. Also steht es ihm wie jedem Anderen ja wohl frei zu entscheiden, wie er leben möchte.

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