Die CSU bläst zum Widerstand

02.09.2010     inFranken.de

Bundeswehr-Reform Die CSU bläst zum Widerstand gegen drastische Kürzungen bei der Bundeswehr. Gleichzeitig zeichnet sich im Streit um die Aussetzung der Wehrpflicht die Kompromisslinie zwischen Verteidigungsminister Guttenberg und Parteichef Seehofer ab.


Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU - l) spricht am Donnerstag mit Soldaten des Aufklärungsbataillon 6 "Holstein" auf dem Gelände der Rettberg-Kaserne im schleswig-holsteinischen Eutin. Foto: Carsten Rehder dpa
In der CSU regt sich starker Widerstand gegen das gerade erst beschlossene Sparpaket des schwarz-gelben Bundeskabinetts. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann halten die Einsparvorgaben des Bundesfinanzministeriums für die Bundeswehr für viel zu hoch.

Friedrich prophezeite außerdem, dass CSU-Chef Horst Seehofer seinen Widerstand gegen die Aussetzung der Wehrpflicht aufgeben und auf die Linie von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einschwenken werde.

"Am Ende wird es zu einer Aussetzung der Wehrpflicht kommen", sagte Friedrich am Mittwochabend in Hof.

Seehofer selbst war ursprünglich strikt dagegen, die Wehrpflicht infrage zu stellen. Inzwischen vermeidet der CSU-Chef eine Festlegung. "Gehen Sie davon aus, dass wir eine sehr gute Gesamtlösung gemeinsam beschließen werden", sagte Seehofer am Rande einer Veranstaltung im Luft- und Raumfahrtzentrum Oberpfaffenhofen.

Als CSU-Kompromisslinie zeichnet sich nach Angaben aus informierten Kreisen ab, dass Seehofer zwar einer Aussetzung der Wehrpflicht zustimmt - dafür aber die Bundeswehr nicht so stark geschrumpft wird wie ursprünglich von Guttenberg vorgeschlagen.

Über Guttenbergs Vorschlag, die Bundeswehr um rund ein Drittel auf 165.000 Soldaten zu verkleinern, sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, sagte Friedrich dazu.

"Da muss es einen Reservepuffer geben." Eine Truppenstärke nannte Friedrich nicht.

Dafür sagte Bayerns Innenminister Herrmann: "Ich halte eine Mannschaftsstärke von mindestens 200 000 Mann für notwendig. (...) Ein Land wie Deutschland darf keine Liliput-Armee haben." Es werde immer darauf verwiesen, dass die Bedrohung durch die Sowjetunion seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr da sei. "Es wird aber kaum darüber gesprochen, welche anderen neuen Bedrohungen eingetreten sind und eintreten können. Kein Mensch kann sagen, wie die Lage im Mittleren Osten oder in Pakistan in zehn Jahren sein wird."

Herrmann ist aber nach wie vor gegen eine Aussetzung der Wehrpflicht - auch weil dann die Zivildienstleistenden fehlen würden.

Neben dem Innenminister gibt es noch viele andere Wehrpflicht- Befürworter in der CSU.

Der frühere Parteichef Erwin Huber dagegen neigt Guttenbergs Position zu. "Uns bedrohen nicht mehr die kommunistischen Massenheere des Ostens", sagte er der Zeitungsgruppe "Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung". "Wenn der Verteidigungsminister sagt, er könne sicherheitspolitisch und militärisch die Aufgaben der Bundeswehr ohne Wehrpflicht erfüllen, dann hat das ein starkes Gewicht."

Guttenberg selbst will die Präsenz der Bundeswehr in der Fläche erhalten.

"Es wird nicht so schlimm ausfallen wie manche glauben, weil wir die Flächenpräsenz weiterhin auch wahren wollen", sagte der Verteidigungsminister im Bayerischen Fernsehen.

Hintergrund der Debatte sind bayerische Interessen: Im Freistaat gibt es 68 Bundeswehr-Standorte, mehr als in jedem anderen Bundesland. Je größer die Armee bleibt, desto weniger Standorte müssten geschlossen werden. Friedrich und Guttenberg gelten CSU-intern als Verbündete, die eine "Oberfranken-Achse" gebildet haben - weil beide aus der selben Heimatregion kommen.

Friedrich ist aber keineswegs der einzige CSU-Politiker, der glaubt, dass sich Guttenberg durchsetzen wird.

Als Hauptargument wird angeführt, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Guttenbergs Vorschlag zuneige.

Das schwarz-gelbe Bundeskabinett hatte am Mittwoch den Entwurf für ein Haushaltsbegleitgesetz beschlossen. Damit werden wesentliche Teile des Sparpakets umgesetzt, das Anfang Juni vom Kabinett beschlossen worden war und das den Bundeshaushalt bis 2014 um rund 80 Milliarden Euro entlasten soll. Widerstand leisten Friedrich und Herrmann auch gegen Kürzungen der Städtebauförderung.

Ende September wollen CDU und CSU bei einer gemeinsamen Präsidiumssitzung ihre Marschroute für die Bundeswehr festlegen. Vorher wollen sich die Spitzen beider Parteien noch intern abstimmen.



Drucken Artikel Versenden Abo bestellen
Stichworte zum Thema Zukunft | Militär | Verteidigung | Guttenberg | Bayern
 

Weitere Artikel zum Thema suchen



Alternative Suche im Zeitungsarchiv
Hinweis: für Epaper-Abonnenten kostenlos


Kommentare

Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Kundennummer:
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
Zusatz (z.B. Firma):
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:  *
Ich bin mit den AGB und der Netiquette einverstanden.:  *


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 20 + 2: 




Nachrichten aus Ihrer Umgebung
Bad Kissingen Schweinfurt Kitzingen Haßberge Bamberg Erlangen-Höchstadt Forchheim Bayreuth Kulmbach Lichtenfels Coburg Kronach
24.05. 25.05. 26.05. mehr Wetter
Tagsüber heiter sonnig sonnig
Abend sonnig sonnig sonnig
Nacht sonnig sonnig sonnig
Ihre Meinung zählt
Haben sie Fragen, Anregungen oder Tipps zu inFranken.de? Dann schreiben Sie uns bitte. Denn ihre Meinung zählt!
Hier geht es zum Formular