Schulverbünde kommen im nächsten Schuljahr

15.03.2010     inFranken.de

Schule  Zur Vermeidung von Schulschließungen auf dem Land werden die ersten der neuen Schulverbünde in Bayern schon im nächsten Schuljahr an den Start gehen. Die nötige Änderung des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes soll im Landtag bis zur Sommerpause verabschiedet werden und am 1. August in Kraft treten.


Foto: dpa
"Die ersten Verbünde sind schon im nächsten Schuljahr zu erwarten", sagte Staatssekretär Marcel Huber (CSU) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Das hat eine Eigendynamik entwickelt und geht schneller, als wir es ursprünglich vorhatten."

Da viele Schulen auf dem Land unter Kindermangel leiden, sollen zwei oder mehr Schulen künftig Verbünde bilden können, in denen der Unterricht gemeinsam angeboten wird. Huber räumte ein, dass die Ausgangsbedingungen ungünstig sind: "Wir haben im ländlichen Raum eine schwierige Situation für die Schularten Hauptschule und Grundschule. Die Geburtenrate ist niedriger als in den Ballungsräumen. Die Zahl der 10- bis 16-Jährigen wird von 2009 bis 2019 nach Schätzungen um etwa 12 Prozent zurückgehen, in den Ballungsräumen nur um 1,5 Prozent." Hinzu kommt die Abwanderung vom Land in die Ballungsräume.

Huber wies jedoch die Kritik an den Reformbemühungen des Ministeriums zurück: "Bei der Weiterentwicklung der Hauptschule zur Mittelschule wird nach meiner Einschätzung zu wenig wahrgenommen, was wir planen. Wir haben derzeit bayernweit 139 000 Kinder in der achten Jahrgangsstufe - 40 700 in der Realschule, 43 700 im Gymnasium und 43 200 in der Hauptschule. Die Hauptschule wird von einem Drittel der Schüler eines Jahrgangs besucht, um die wir uns intensiv kümmern."

Die Änderung des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes gebe "die Möglichkeit, Schulstandorte zu halten, die wir nach der jetzigen Rechtslage schließen müssten." Derzeit müsste eine Schule, in der in einem Jahrgang keine Klasse mehr zustande kommt, geschlossen werden. "Durch die Möglichkeit, künftig Schulverbünde zu bilden, können wir viele Schulstandorte erhalten", betonte Huber.

"Es wird auch nicht zu einem "Wanderzirkus" kommen, dieser Vorwurf ist falsch." In den Klassen acht und neun werde es ein differenziertes Angebot mit den Zweigen Technik, Wirtschaft und Soziales geben. "Das ist bei Schulen mit zwei oder mehr Zügen relativ einfach zu machen. Bei einzügigen Schulen gilt: Sie können selbst zwei Zweige anbieten." Eine einzügige Schule ist eine Schule mit nur einer Klasse pro Jahrgang.

Nur die - meist - wenigen Schüler, die sich für den dritten Zweig entscheiden, müssten für einen Tag pro Woche an eine andere Schule fahren. "Ein wirkliches Mehr an Schülerbeförderung würden wir dagegen dann erzeugen, wenn wir kleine Schulen zusperrten. Aber wir wollen die Schule wirklich im Dorf lassen", sagte Huber.

Die Staatsregierung sei mit ihren Sondermaßnahmen für die Schulen in den Dörfern und Marktgemeinden weiter gekommen, als der Öffentlichkeit bewusst sei. "Wir haben 400 Gymnasien in Bayern, aber immer noch 2400 Grundschulen und 1000 Hauptschulen." Ein Erfolg sind nach Hubers Einschätzung vor allem die kombinierten Jahrgangsklassen. Diese hätten sich "zu einem guten Instrument entwickelt, mit dem wir Schulschließungen verhindern und die Schüler zugleich intensiv fördern können." Derzeit gibt es nach Hubers Angaben bayernweit 500 kombinierte Klassen. "Vor fünf Jahren waren es erst 150. Das führt dazu, dass wir einen großen Teil dieser Dorfschulen halten können."



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