Pädophiler Pfarrer suspendiert

15.03.2010     inFranken.de

Missbrauch Der wegen sexuellen Missbrauchs vorbelasteter Priester, der mit Einverständnis des damaligen Münchner Erzbischofs Joseph Ratzinger - des heutigen Papstes Benedikt XVI. - nach München geholt worden war, ist suspendiert worden.


Papst Benedikt XVI. während der Dreikönigs-Messe 2010 im Petersdom. Foto: Claudio Onorati dpa
Dem zuletzt als Tourismusseelsorger eingesetzten Priester war jede Kinder- und Jugendarbeit untersagt, aber er habe sich "nachweislich nicht an die Auflagen gehalten", teilte das Erzbischöfliche Ordinariat am Montag in München mit. Auch der Dienstvorgesetzte des Priesters trat wegen Fehlern in der Dienstaufsicht zurück. Justizministerin Beate Merk (CSU) plant unterdessen ein spezielles Forum, das die Gewalt- und Sexualdelikte in bayerischen Erziehungseinrichtungen aufarbeiten soll.

Der nun suspendierte und schon damals vorbelastete Priester war 1980 von Essen nach München gekommen. Er wurde im Münchner Erzbistum wieder in einer Gemeinde eingesetzt, fiel nach einiger Zeit erneut mit pädophilen Übergriffen auf und wurde deshalb auch verurteilt.

Der Priester war seit 2008 als Kur- und Tourismusseelsorger eingesetzt. Obwohl er gegen seine Auflagen verstieß, lägen keine Hinweise auf neuerlichen sexuellen Missbrauch seit der Verurteilung im Jahr 1986 vor, betonte das Ordinariat. Ratzinger war von 1977 bis 1982 Erzbischof in München.

In Zusammenhang mit den missachteten Auflagen trat auch der zuständige Dienst- und Fachvorgesetzte dieses Priesters, Prälat Josef Obermaier, zurück. Als Leiter des Seelsorgereferates der Erzdiözese übernehme er "damit die Verantwortung für gravierende Fehler in der Wahrnehmung seiner Dienstaufsicht", hieß es in der Mitteilung des Ordinariats. Obermaier bot den Angaben zufolge Erzbischof Reinhard Marx am Montagmittag seinen Rücktritt an, den dieser annahm.

Das geplante Forum zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle solle noch vor Ostern eingerichtet werden, teilte Merk in München mit. Mitarbeiten sollen darin neben diversen Sachverständigen auch Vertreter des Justiz-, Sozial-, Kultus- und Umweltministeriums sowie der beiden großen Kirchen und der sonstigen Träger von Erziehungseinrichtungen.

Bei der Aufarbeitung sei Kooperation nötig, sagte Merk nach Angaben des Ministeriums. "Es gibt doch ein Ziel, das alle eint: Es müssen Strukturen verbessert oder neu geschaffen werden, damit sich solch massiver und systematischer Missbrauch nicht mehr wiederholt." Alle mit der Missbrauchsbekämpfung befassten Stellen sollten Gelegenheit haben, sich mit ihren Erfahrungen in das Forum einzubringen. "Wir wollen nicht übereinander sprechen, sondern miteinander. Und wir wollen gemeinsam für die Interessen der Opfer kämpfen."

Das Forum soll eine gemeinsame Linie zur Aufarbeitung und für die erforderlichen Vorbeugemaßnahmen entwickeln. Vor allem bräuchten Kinder "für den Notfall feste Ansprechpartner, an die sie sich vertrauensvoll wenden können", sagte Merk.

In der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bescheinigte der Kriminologe Christian Pfeiffer der katholischen Kirche unterdessen einen "respektablen Kurswechsel" im Umgang mit Tätern und Opfern.

Neben einer offensiven Aufklärung sei aber auch eine wirksame Prävention nötig, machte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Montag) deutlich.

Potenzielle Täter fürchteten am meisten das Risiko der Entdeckung einer Tat. "Daher ist alles gut, was die Anzeigebereitschaft der Opfer fördert", betonte Pfeiffer. Denkbar wäre nach seiner Ansicht ein Angebot an alle Schülerinnen und Schüler auch an katholischen Schulen, unter ihren Lehrern eine Vertrauensperson als Ansprechpartner oder -partnerin für sexuellen Missbrauch zu wählen. "Diese müsste dann die erforderliche Fortbildung erhalten."



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