Bistum gibt Fehler zu - Ratzinger war dabei

13.03.2010     inFranken.de

Missbrauch Der deutsche Papst Benedikt XVI. hat in seiner Amtszeit als Münchner Erzbischof in einem Missbrauchsfall der Kirche eine folgenschwere Entscheidung mitgetragen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurde ein vorbelasteter katholischer Priester 1980 nach Bayern versetzt und wieder in eine Gemeinde geschickt.


Papst Benedikt XVI. zeigte sich bestürzt über die Berichte der deutschen Bischöfe über sexuelle Übergriffe. Foto: dpa
Dort verging er sich erneut an Jugendlichen, 1986 wurde er verurteilt. Ratzinger soll dem Umzug des Mannes von Essen nach München zugestimmt haben, jedoch nicht dem Einsatz in einer Gemeinde. Die Erzdiözese bestätigte den "SZ"-Bericht und räumte schwere Fehler ein.

Das Bistum München und Freising teilte mit, dass der frühere Generalvikar Gerhard Gruber die "volle Verantwortung" übernehme. Vatikansprecher Federico Lombardi schloss sich der Darstellung an und betonte, der heutige Papst selbst "habe mit der Sache nichts zu tun".

Wie die "SZ" schreibt, saß Benedikt XVI. als Erzbischof im Ordinariatsrat des Bistums, der dem Umzug des Priesters zustimmte. Ratzinger habe allerdings nicht gewusst, dass der Mann wieder in eine Gemeinde zum Aushelfen gesandt wurde.

Der versetzte Priester war 1982 bis 1985 in einer Gemeinde tätig. Im Juni 1986 wurde der Kaplan laut Bistum wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4000 Mark Geldstrafe verurteilt. Ratzinger war 1982 nach Rom gegangen.


Papst unterstützt deutsche Bischöfe in ihrem Vorgehen


Am Freitag hatte sich Benedikt XVI. im Vatikan "erschüttert" über den Bericht der deutschen Bischöfe über den Missbrauchsskandal in Deutschlands Kirche gezeigt. "Mit großer Betroffenheit und tiefer Erschütterung hat der Heilige Vater meinen Bericht zur Kenntnis genommen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Der Papst unterstütze die Bischöfe in ihrem Vorgehen.

Die meisten Deutschen haben derweil das Vertrauen in die Kirche und ihre Jugendarbeit verloren. Das ergab eine Emnid-Umfrage mit 1000 Befragten für den Nachrichtensender N24. Demnach werfen 86 Prozent der Bürger der Kirchenführung mangelnde Aufklärungsbereitschaft vor.

Nach der 45-Minuten-Audienz beim Papst hatte Zollitsch gesagt, Ziel müsse jetzt sein, "die Wunden der Vergangenheit zu heilen und mögliche neue Wunden zu vermeiden". Er bat die Opfer um Vergebung.

Zur Wiedergutmachung erklärte er, die Bischöfe würden beraten, ob weitere Hilfen möglich seien. In der Aufarbeitung habe man das Vertrauen der Bundeskanzlerin. Man sei auch dabei, mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Gespräch zu vereinbaren. Sie hatte die Kirche scharf kritisiert. dpa



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