13-Jährige urinierten auf Rentnerin

10.03.2010     inFranken.de

Misshandlung Nach der Misshandlung einer Rentnerin durch zwei 13-Jährige in München laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Einer der Jungen droht nun mit Suizid.


Archivfoto: Marcus Führer dpa
Das Motiv für die Tat ist nach wie vor völlig unklar. "Das Problem an dem Fall ist, dass er so außergewöhnlich ist. Deswegen wird er sehr genau abgeklärt", sagte Polizeisprecher Ralph Irlbauer am Donnerstag.

Die alte Frau muss ein Martyrium durchlitten haben. Wahrscheinlich mehrere Stunden lang quälten und misshandelten zwei 13-jährige Buben die Rentnerin in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Milbertshofen.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge spritzten die Schüler der 83- Jährigen flüssige Würze in die Augen und Rasierschaum in den Mund. Sie zwangen sie, Schnaps zu trinken und urinierten auf die Frau.

Schließlich hätten sie die am Boden liegende Rentnerin mit Parfüm bespritzt und mit Füssen getreten, wie einer der beiden der Mutter des anderen gestand. Bei der Polizei stritten beide die Tat ab und beschuldigten sich gegenseitig.

Ob die Rentnerin Spätfolgen an den Augen davontragen wird, konnten die Ärzte noch nicht sagen. Sie habe eine Hornhauterosion und eine Bindehautverletzung erlitten.

Die beiden Buben hätten sich in Vernehmungen gegenseitig beschuldigt. "Sie bestreiten jede Tatbeteiligung und bezichtigen den jeweils anderen", sagte Hellwig. Beide waren dem Jugendamt bereits bekannt, weil sie ausgerissen waren. Durch Gewalttaten seien sie aber bisher nicht aufgefallen. Eine Strafe erwartet sie wegen ihres Alters nicht: "Sie sind strafunmündig und können für ihr Verhalten nicht belangt werden."

Die Rentnerin, die seit Jahren an Demenz leidet, habe keine Aussagen machen wollen. Deshalb gestalteten sich die Ermittlungen schwierig. Die 83-Jährige, um die sich eine Nichte kümmert, war am Mittwoch noch im Krankenhaus. Sie sei aber nicht lebensgefährlich oder sehr schwer verletzt gewesen.

Nur weil einer der Buben ein schlechtes Gewissen bekam, konnten Polizeibeamte und Retter die völlig verstörte und am Boden liegende Seniorin am Montagabend aus ihrer misslichen Lage befreien und ins Krankenhaus bringen.
Der Bub war am Abend zufällig an der Wohnung seines Mitschülers vorbeigegangen, der noch immer nicht zuhause war. Als dessen Mutter ihn nach ihrem Sohn fragte, erzählte er ihr von den Misshandlungen.
Die Frau rief sofort die Polizei, der Notruf ging gegen 20.30 Uhr ein. Die Details aus dem Überfall stammen laut Hellwig aus den Schilderungen des Buben gegenüber der Mutter seines Freundes. Dieser wurde über sein Handy in der Münchner Innenstadt geortet und dort von der Polizei aufgegriffen. Er gilt bisher als Haupttäter.

Der Bub, der seit früher Kindheit als verhaltensauffällig gilt, hatte für die alte Dame über rund vier Monate gelegentlich gegen ein Entgelt Erledigungen und Einkäufe gemacht.

Jedoch gab es schon an Fasching einen Zwischenfall: Aus unklaren Gründen habe der Bub die Frau am Rosenmontag gegen das Bein getreten, so dass sie nur noch unter Schmerzen gehen konnte, sagte Hellwig. Die Frau brach daraufhin den Kontakt mit dem Kind ab.

Selbstmorddrohung

Der 13-Jährige wurde mittlerweile in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Er hatte Selbstmordabsichten geäußert für den Fall, dass er in ein geschlossenes Heim müsse.

Derzeit werden unter anderem die Handys der Täter untersucht. Es soll geprüft werden, ob die Kinder die Tat womöglich gefilmt haben.



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