Missbrauch bei Regensburger Domspatzen

04.03.2010     inFranken.de

Vorwürfe Der Skandal um den sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen hat jetzt auch die Regensburger Domspatzen erreicht.


Weltberühmter Knabenchor: die Regensburger Domspatzen. Archivfoto
Ein Sprecher des Regensburger Bistums sagte am Donnerstag der dpa, dass es in den 1950er und 1960er Jahren auch bei dem weltberühmten Knabenchor Fälle gegeben haben soll. Zudem berichteten die bayerischen Kapuziner von schwerwiegenden sexuellen Übergriffen eines ihrer Mönche in einem Studienseminar im oberbayerischen Burghausen. Der Direktor verging sich im Schuljahr 1984/85 an mehreren Seminaristen, wie die Provinz der Bayerischen Kapuziner in München mitteilte.


Unterdessen wird an diesem Freitag mit Spannung der vorläufige Abschlussbericht zu den sexuellen Übergriffen im oberbayerischen Kloster Ettal erwartet. Nach Informationen des "Münchner Merkur" (Freitag) soll es bei einer Durchsuchung der Staatsanwaltschaft in dieser Woche in der Abtei um Kinderpornografie gegangen sein. Ein Mönch soll eingeräumt haben, dass er entsprechende Filme aus dem Internet geladen hat.



Auch das Bistum Regensburg wird am Freitag über die Missbrauchsfälle berichten, die es nicht nur bei den Domspatzen gegeben haben soll.

Insgesamt hat das ostbayerische Bistum Hinweise auf Fälle zwischen den Jahren 1958 und 1973. "Wir wollen das transparent untersuchen", sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Dazu werde das Bistum eine Kommission einrichten, die alte Akten und Archive durchgehen soll.

Die Domspatzen, die bei Konzertreisen in aller Welt auftreten, werden in Regensburg in einem eigenen Musikgymnasium unterrichtet. Dazu gehört auch ein Internat. Den Domspatzen-Chor hatte von 1924 bis 1963 Domkapellmeister Theobald Schrems geleitet, danach war bis 1994 der Bruder von Papst Benedikt XVI., Georg Ratzinger, für den Chor zuständig.


Die Fälle aus Burghausen im Bistum Passau wurden 1991 zwar juristisch verfolgt, waren damals aber bereits verjährt, da die Opfer zur Tatzeit Jugendliche waren. Es handle sich aber um "schwerwiegende Übergriffe", sagte der Leiter des Ordens in Bayern, Pater Josef Mittermaier. Nach zwei Versetzungen an ein Münchner Krankenhaus und als Wallfahrtsseelsorger in Würzburg wurde der Pater 2009 von allen priesterlichen Aufgaben entbunden. Die Kapuziner gaben das nahe dem bekannten Wallfahrtsort Altötting gelegene Studienseminar in den 1990er Jahren auf.

Die betroffenen Bistumsleitungen seien über den sexuellen Missbrauch des Paters informiert gewesen, teilten die Kapuziner weiter mit. Auch der Vatikan in Rom war eingeschaltet. Seine Glaubenskongregation habe verfügt, dass der Mönch nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden und keine Beichtgespräche mehr führen darf. Außerdem wurde eine Therapie zur Auflage gemacht.


Bei den Opfern entschuldigte sich die Ordensleitung und bot psychologische Betreuung oder Therapien auf Kosten des Ordens an. "Der Schritt an die Öffentlichkeit geschieht aus Respekt und tiefer Achtung vor den Opfern", heißt es in der Mitteilung. "Wir bitten diese Menschen von ganzem Herzen und in Aufrichtigkeit um Verzeihung für all das, was ihnen Böses angetan wurde", sagte Pater Mittermaier.



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