Eine Bank zum Hochzeitstag
01.09.2010
Von: Tobias Brunner, dpa ![]()
Buntes Es sind nur kleine Plaketten aus Messing, darauf ein knapper Text: Im Englischen Garten in München können Interessenten eine Patenschaft für Parkbänke übernehmen. Jede der Widmungen erzählt ihre eigene kleine menschliche Geschichte.
Viele kleine Geschichten
Jedes einzelne Schild erzählt seine kleine menschliche Anekdote - manchmal romantisch, manchmal rührend, manchmal auch erheiternd. "Schön, dass es dich gibt. Alena & Uli" ist in eine der rechteckigen Platten eingraviert. Nur etwa 50 Meter weiter findet man "El banc de la Mutti". Und daneben einen Rastplatz "Für Luzie, mein Münchner Kindl". Seit einigen Jahren entdeckt der aufmerksame Beobachter immer mehr der kleinen Liebeserklärungen und Danksagungen. Sie sind Teil eines Patenschaftprogramms der Verwaltung des Englischen Gartens. Gegen eine Spende von 200 Euro können sich Interessenten eine noch freie Parkbank im Englischen Garten, im Hofgarten oder in den Maximiliansanlagen aussuchen. Das Messingschild müssen sie selbst erstehen und gravieren lassen, die Verwaltung bringt sie dann an der Bank an. "Eigentlich bin ich froh, wenn dafür keine Werbung gemacht wird", sagt Reinhard Barthelmes lachend. Seit 1985 ist er Gartenbauingenieur im Englischen Garten - genauso lange kennt er auch die Messingschilder. "Früher wurden nur drei bis fünf pro Jahr gespendet. Heute kriegen die Menschen fast Torschlusspanik", erzählt er. Etwa 150 bis 200 Bänke seien noch ohne Patenschaft, schätzt Barthelmes, rund 500 bereits vergeben.
"Es ist eine tolle Idee"
Eine davon stifteten Günther und Elisabeth Schmitt. "Zusammen mit einer guten Freundin wollten wir unseren Ehemännern ein Geschenk zum Hochzeitstag machen", erzählt die gebürtige Münchnerin. "Liebe ist, 40 Jahre miteinander verheiratet zu sein. Eine Bank zum Verweilen", steht auf dem Schild. Über 50 Jahre seien ihr die Bänke nicht aufgefallen, sagt Schmitt. "Aber es ist eine tolle Idee." Viele Münchner kennen die Geschichte hinter den kleinen Plaketten. Die meisten sind zumindest schon einmal stehen geblieben, um eine der Inschriften zu lesen. "Hätte ich das Geld dafür, würde ich auch eine Parkbank verschenken", erzählt eine junge Frau, die gerade ihre Mittagspause bei einer Brezn im Englischen Garten genießt. "Ich lese die Texte oft." Gerne würde sie manchmal mehr erfahren, eine kleine Erklärung zu der Geschichte hinter den Schildern lesen. Bis zum Jahr 2006 konnten die Besucher Baumpatenschaften übernehmen, danach gab es keine geeigneten Bäume mehr. Auf Vorschlag der Bürger wählte man die Bänke als Alternative. Und die seien in ihrer Art einzigartig, glaubt Barthelmes. "Das Besondere daran ist, dass sie nicht so perfekt wie in anderen Parks sind."
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