Leben in einem Provisorium
19.07.2011
Von: Katrin Geyer ![]()
Unterstützung Ein Brand vernichtete in einer Kulmbacher Wohnung Möbel und Hausrat. Nun stehen die arbeitslosen Bewohner vor dem Nichts. Dank "Franken helfen Franken" kann zumindest Einiges ersetzt werden.

Leben aus Kartons und Koffern: Die verrußten Wände sind gereinigt. Die Möbel aber sind unbrauchbar. Die Familie muss ich sich ihr Hab und Gut jeden Tag aus Umzugskartons zusammen suchen. Foto: Katrin Geyer
Glück gehabt? "Natürlich sind wir froh, dass wir so davon gekommen sind. Wir sind ja wirklich im letzten Moment rausgekommen", sagt die Kulmbacherin. Dennoch: Rauch und Ruß haben Möbel, Kleidung und Hausrat, etliches davon erst vor kurzem angeschafft, unbrauchbar gemacht. "Wir haben die Sachen ja noch abbezahlt - und jetzt ist alles fort."
Sabine G. ist seit Jahren ohne Arbeit, bezieht Arbeitslosengeld. Auch die Tochter hat kürzlich ihren Job verloren. Der Brand: Eine Katastrophe.
An Details der Brandnacht kann sich Sabine G. nicht mehr erinnern. Dass sie laut geschrieen hat, weiß sie noch, und dass sie gemeinsam mit ihrer Tochter aus der Küche Wasser geholt hat, um die Flammen zu löschen. Die Erinnerung setzt erst im Krankenhaus wieder ein, wo die beiden Frauen wegen einer Rauchvergiftung behandelt wurden. Der Sohn von Sabine G. war bei Nachbarn untergekommen.
Es folgten ein paar Nächte im Hotel, einige Tage in einer Ferienwohnung, dann zog Sabine G. vorübergehend zu einer Freundin. Ihre Tochter übernahm es, die verrußte Wohnung zu räumen, Möbel und Türen abzuwaschen. Die Hausbesitzer sorgten dafür, dass die Wände frisch gestrichen wurden.
Dennoch: Seither lebt Familie G. in einem Provisorium. Das Wohnzimmer ist heil geblieben. Das Bad ist mittlerweile wieder benutzbar. Aber dort, wo in der Küche einmal der Herd stand, steht jetzt ein kleiner Elektrokocher. Wirklich kochen lässt sich darauf nicht. Tassen, Teller, Gläser hat Sabine G. ersetzt: Schnäppchen, Second-Hand-Ware. "Da ist dann halt mal was abgeglatzt....". Besonders schlimm hat es die Zimmer der beiden Kinder getroffen: Möbel, Matratzen - alles musste raus. Auch die Spielsachen des Sohnes, der Computer.
Nachts aufs Sofa
Nun schlafen die Kinder im Doppelbett der Mutter. Sie selbst richtet sich nachts das Sofa im Wohnzimmer als Bett her. In den Kinderzimmern stapeln sich Umzugskartons, Koffer, Körbe. "Wir brauchen Schränke, Betten, einen Schreibtisch, an dem mein Sohn seine Hausaufgaben machen kann."
Sabine G. hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann mit ganz wenig Geld haushalten. Sie weiß, wo es welche Sonderangebote gibt, vergleicht vor jedem Kauf penibel genau die Preise. "In manchen Monaten habe ich 30 Euro übrig." Angesichts der Hartz-IV-Regelsätze eine stolze Leistung.
Auch auf Weihnachtsgeschenke verzichtet Sabine G. nicht: Übers Jahr sammelt sie die Zettel vom Flaschenpfand. Vor Weihnachten reicht das ausgezahlte Pfand dann immer für eine Geschenk für den Sohn: "Er soll unter meiner Situation nicht leiden."
Neues Zimmer für den Sohn
Aber alles Spar-Talent nutzt nichts, wenn komplette Zimmereinrichtungen erneuert werden müssen. Da ist die Hilfe des Vereins "Franken helfen Franken" hoch willkommen. Der Verein (siehe Infobox) hat Sabine G. und ihrer Familie mit 2000 Euro unter die Arme gegriffen. Sabine G. weiß genau, was sie mit dem Geld machen wird: Sie hat sich bereits Kataloge besorgt, um eine Zimmereinrichtung für ihren Sohn auszusuchen. Auch diesmal wird sie gründlich die Preise vergleichen. "Ich will ja für das Geld so viel wie möglich bekommen."
* Name von der Redaktion geändert
Franken helfen Franken
Zweck Der Verein "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken (MGO) unterstützt Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen im sozialen, kulturellen und Sportbereich. Spenden werden zu 100 Prozent im mildtätigen Sinne eingesetzt. Alle Kosten für Organisation und Verwaltung trägt die MGO.
Spenden sind möglich auf das Konto 302 194 501, Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Stichwort "Franken helfen Franken". Die Spenden sind abzugsfähig.
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