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Kapitel 1 - Ein vermurkster Feierabend

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Fotomontage: Michael Karg
 

Wenn es ein Ritual in seinem Berufsalltag gab, auf das Hauptkommissar Georg "Schorsch" Jäger nie verzichten würde, dann war es sein tägliches Kellerbier. Wie jeden Tag pünktlich um 17.30 Uhr griff der erfahrene Ermittler unter seinen Schreibtisch, zog eine Flasche aus dem immer dort deponierten Kasten und öffnete den Kronkorken an der Schreibtischkante. Georg stand auf, streckte seine von stundenlanger Schreibtischarbeit ermüdeten Glieder und angelte sich das Bierglas von der Fensterbank. Während er den Gerstensaft leise glucksend ins Glas laufen ließ, blickte er sehnsuchtsvoll nach draußen. Ja, diese fränkische Kleinstadt war schon ein schönes Fleckchen Erde. Von der Polizeiwache aus konnte er den ganzen Marktplatz überblicken - und natürlich hatte er von seinem Schreibtisch aus auch immer genau im Blick, ob sein Stammplatz im Biergarten frei war. Und ob dort vielleicht eine hübsche Frau saß.

Georg Jäger war zwar mit seinen 59 Jahren ein überzeugter und eingefleischter Junggeselle, doch einen Kostverächter konnte man ihn wirklich nicht nennen. Er nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Glas. Genau genommen gab es nicht viele Frauen, bei denen sein berüchtigter oberfränkischer Charme nicht ankam. Dummerweise saß ihm eines dieser seltenen Exemplare neuerdings direkt gegenüber. Tamara - ein Name, den er nie richtig aussprechen konnte - Schiller war 27 Jahre alt und wurde vor zwei Monaten in seine Dienststelle versetzt. Sie war Unterfränkin und hatte gerade erst die Polizeischule abgeschlossen - mit Bestnoten, versteht sich. Gegen ihre Arbeit konnte Georg nichts sagen. Tamara war gewissenhaft, pflichtbewusst und absolut korrekt. Mit ihrer Art, sich stets akkurat an alle erdenklichen Dienstvorschriften zu halten, ging sie ihm aber gehörig auf die Nerven. Er selbst hatte während seiner gesamten Ermittlerlaufbahn öfter mal fünfe gerade sein lassen - und der Erfolg hatte ihm noch immer recht gegeben. Und dann noch dieser zwanghafte Drang, Hochdeutsch zu sprechen und seine urfränkische Ausdrucksweise korrigieren zu wollen! Allein bei dem Gedanken daran schüttelte es ihn schon.

Gedankenverloren kippte sich Georg den letzten Rest Bier ins Glas. Eigentlich könnte er heute einmal früher Schluss machen, den Papierkram konnte er auch morgen noch erledigen. Rasch trank er sein Glas leer und stellte es ins Spülbecken. Jetzt nur noch schnell den Rechner runterfahren, und dann könnte er in den Biergarten gehen. Fröhlich vor sich hin summend nahm er seine Jacke und ging mit federnden Schritten aus dem Büro. In der Tür stieß er fast mit Tamara zusammen, die - wie immer - zu rennen schien und - ebenfalls wie immer - ihr Handy am Ohr hatte. Er konnte die Dinger nicht leiden. Wozu gab es schließlich Telefonzellen? Außerdem versaute ihm dieser Technik-Kram regelmäßig den Feierabend. Noch bevor er sich über den Rempler beschweren konnte, legte Tamara auf und stellte sich ihm in den Weg. "Herr Jäger, das war die Leitstelle. Wir müssen sofort ins Neubaugebiet. Nachbarn haben im Keller eines Mehrfamilienhauses eine Leiche entdeckt."
von Verena Pohl


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zum Thema "Tatort Franken"

Kommentare

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  • community  Beate Diesen Post kommentierenkommentieren

    SelbstmordDie Leiche war die des Brauereibesitzers. Er hatte erfahren, daß Hauptkommissar Jäger im Sommer (Biergartenzeit) das Bier zimmerwarm (25 Grad) aus einem Kasten unter seinem Schreibtisch trank. Eine derartig unsensible Behandlung seines Qualitätsprodukts ließ den Brauereibesitzer an der Welt verzweifeln, wie es in seinem Abschiedsbrief hieß.

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  • community  Dylan_Thomas Diesen Post kommentierenkommentieren

    Und sogar mit CorelDraw ...... bekommt man Schrift auf einem Kreis zentriert ...

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  • community  Dylan_Thomas Diesen Post kommentierenkommentieren

    Sagen Sie lieber mal dem Illustrator, ...... er möge sich den Frankenrechen mal im nüchternen Zustand anschauen. Der rote Rechen kommt von oben!

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  • community  Michael_Karg Diesen Post kommentierenkommentieren

    @Dylan_ThomasHallo Dylan_Thomas,

    den Frankenrechen haben wir ausgebessert.
    Bei Ihrer Anregung mit der Zentriertheit, ist mir nicht genau klar, was Sie damit meinen.
    Ansonsten würde ich vorschlagen Sie nutzen ihre Spürnase, um den Frankenkrimi fortzuschreiben. Vielleicht lässt sich so ein Logo sogar als Mordmotiv in die Geschichte mit einbauen?

    Gruß,

    Michael Karg

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